Italien bestraft harmlose Schweden

17. Juni 2016, 17:13
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Italien feiert den zweiten Sieg in Gruppe E, schmückt also mit Sicherheit das Achtelfinale. Gar nicht sicher, aber nicht unwahrscheinlich ist das Aus für Schweden. Die abgebrühte Squadra Azzurra von Antonio Conte nützt durch Éder eine von zwei Torchancen

Toulouse – Das Bohren dicker Abwehrbretter hat Zlatan Ibrahimovic gelernt. 122 Tore hat der große Schwede zum Beispiel in der Serie A geschossen. Am Freitag, gegen deren Essenz, die Squadra Azzurra, war das Brett ganz besonders dick. Und Ibracadabra entbehrte im Stadium de Toulouse natürlich auch nur annähernd so genialer Mitspieler, wie sie ihm seinerzeit bei Juventus Turin, Inter Mailand und dem AC Milan zur Verfügung standen.

Dafür stand ihm von Beginn an Giorgio Chiellini auf den Zehen, der 31-jährige Abwehrturm aus Pisa, der schon viele Stürmer zur Verzweiflung getrieben hat. Bei der verwichenen WM musste Luis Suárez aus Uruguay Chiellini sogar verkosten, um sich zu vergewissern, dass der Mann wirklich nur aus Fleisch und Blut ist.

Das Duell Chiellini vs. Ibrahimovic bot den einzigen Schauwert einer der schwächsten ersten Hälften im bisherigen Turnierverlauf. Die Italiener, nach dem doch überraschenden Sieg gegen Belgien von Beginn an einem Remis nicht völlig abgeneigt, verließen sich zunächst ganz auf ihre organisatorische Stärke. Den Luxus eines auch nur halbwegs ambitionierten Offensivspiels leistete sich Allenatore Antonio Conte nicht. Die Schweden, nach dem Unentschieden gegen Irland schon ein wenig unter Druck, riskierten auch nur wenig. Sie hofften auf ihr Sturmwunder.

Immerhin Wechsel

Die grundlegende Verfasstheit der Partie sollte sich auch nach Seitenwechsel nicht groß ändern. Conte ließ natürlich nicht zum Angriff blasen, aber er holte bald Stürmer Graziano Pellé vom Feld um zu sehen, ob sich Simone Zaza unter Umständen in der Spitze besser mit Éder verstehe. Der Wechsel Daniele De Rossi zu Thiago Motta diente nur zur Sicherung des gelbbelasteten Römers.Allenfalls leichte Aufregung verursachte eine Szene in Minute 72. Ibrahimovic schaffte das Kunststück, den Ball aus zwei Metern über das italienische Tor zu setzen, war dann allerdings sehr erleichtert, weil der tadellose Schiedsrichter Viktor Kassai ohnehin zurecht auf Abseits entschieden hatte (71.). Die Auftaktpartie der EM zwischen Frankreich und Rumänien war dem routinierten Unparteiischen aus Ungarn deutlich schlechter von der Pfeife gegangen.

Chancen blieben auch in der Schlussphase das Produkt von Einzelaktionen, die durch langsam einsetzende Mattigkeit da und dort begünstigt wurden. Schon schien es, als ob Italien nichts Besseres als einen Kopfball an die Lattenoberkante von Marco Parolo nach herrlicher Flanke von Emanuele Giaccherini zeigen würden (82.). Doch dann warf Chiellini, von Ibrahimovic etwas gelangweilt, ein. Éder schnappte sich nach Ablage von Zaza den Ball, durchschwamm das gelbe Meer und netzte spektakulär (88.). Eine Gelbe wegen Zeitschindens nahm Goalie Gianluigi Buffon dann noch mit Grandezza hin. (lü, 17.6.2016)

Gruppe E, 2. Runde:

Italien – Schweden 1:0 (0:0). Stade de Toulouse, 29.600, SR Viktor Kassai/HUN.

Tor: Eder (88.)

Italien: Buffon – Barzagli, Bonucci, Chiellini – Florenzi (85. Sturaro), Parolo, De Rossi (74. Motta), Giaccherini, Candreva – Pelle (60. Zaza), Eder

Schweden: Isaksson – Lindelöf, Johansson, Granqvist, Olsson – Larsson, Ekdal (79. Lewicki), Källström, Forsberg (79. Durmaz) – Guidetti (85. Berg), Ibrahimovic

Gelbe Karten: De Rossi, Buffon bzw. Olsson

Stimmen:

Eder (Torschütze Italien: "Wir sind sehr zufrieden, das war ein hartes Match. Wir haben Schweden studiert, wir haben gewusst, dass es eine schwer zu bespielende Mannschaft ist. Am Ende haben wir das Tor schießen können, daher bin ich sehr zufrieden für mich und für das Team. Unser Leistungsniveau war höher als gegen Belgien. Die Stärke unserer Gruppe ist, dass es 23 Spieler sind. Es ist das Team, das den Unterschied ausmacht."

Antonio Conte (Teamchef Italien): "Wir haben sehr gut gespielt, der Sieg war verdient. Sicherlich haben wir uns heute schwergetan, aber wir haben auch nichts zugelassen. Es war ein schweres Spiel, das wussten wir. Jetzt denken wir langsam an das Achtelfinale."

Andreas Granqvist (Verteidiger Schweden): "Die Partie war ein echter Fight. Die Italiener waren die effektivere Mannschaft. Wir haben diszipliniert gespielt, aber das Spiel ist uns im letzten Moment aus den Händen geglitten. Jetzt müssen wir das letzte Spiel gewinnen."

  • Mit seinem dritten Tor im zehnten Länderspiel schoss Éder Italien ins Achtelfinale der EM. Der Mann mit brasilianischen Wurzeln heißt eigentlich Éder Citadin Martins. Soviel Platz muss sein.
    foto: reuters/dalder

    Mit seinem dritten Tor im zehnten Länderspiel schoss Éder Italien ins Achtelfinale der EM. Der Mann mit brasilianischen Wurzeln heißt eigentlich Éder Citadin Martins. Soviel Platz muss sein.

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