Proteste vor Prozess nach Mord an tunesischem Oppositionellen

17. Juni 2016, 17:09
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Sein Tod vor drei Jahren führte zu Massenprotesten im ganzen Land

Tunis – Drei Jahre nach dem Mord an dem tunesischen Oppositionsführer Chokri Belaid ist am Freitag der Prozess gegen zwölf mutmaßliche Mitglieder einer Extremistengruppe wieder aufgenommen worden. Die Gruppe wird nach Behördenangaben für das Attentat verantwortlich gemacht. Belaid war im Februar 2013 durch mehrere Schüsse getötet worden.

Anschließend eskalierten die seit längerem anhaltenden Spannungen im Ursprungsland der Arabischen Aufstände, und es kam erneut zu Massenprotesten. Der Prozess gegen die mutmaßlichen Extremisten dauert bereits seit mehr als einem Jahr. Er wird immer wieder unterbrochen. Bei der Wiederaufnahme am Freitag demonstrierten zahlreiche Anhänger der Opposition vor dem Gerichtssaal und hielten Fotos des Getöteten hoch, wie Bilder eines lokalen Radiosenders zeigten.

Vorwurf der Vertuschung

Auch vor dem Gebäude versammelten sich Anhänger Belaids und riefen zu Gerechtigkeit auf. Die Opposition wirft unter anderem auch der islamistischen Ennahda-Partei vor, die Hintergründe des Mordes an Belaid und weiteren getöteten Oppositionellen zu vertuschen.

Belaid war Anführer der linken Oppositionspartei Bewegung der demokratischen Patrioten. Er galt als einer der schärfsten Gegner der damaligen Regierungskoalition, die von der Ennahda angeführt wurde. Obwohl die Partei das Attentat öffentlich verurteilte, stürzte die Regierung nach dem Mord in eine schwere Krise. Überall im Land gingen Menschen auf die Straße, das Kabinett wurde umgebildet. (APA, 17.6.2016)

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