In Gemeinden mit Asylwerbern nimmt Flüchtlingsfeindlichkeit ab

17. Juni 2016, 17:58
37 Postings

Flüchtlingskoordinator Christian Konrad präsentierte Umfrage unter 900 Bürgermeistern

Wien – Was bisher nur atmosphärisch bemerkbar war, ist nun statistisch belegt: Ziehen in einer Kommune Asylwerber ein, so verbessert das überwiegend die Einstellung der Bewohner zur Flüchtlingsaufnahme.

"Laut den Ortschefs von Aufnahmegemeinden verbesserte sich die Einstellung zum Zusammenleben mit Flüchtlingen in 39 Prozent der Kommunen deutlich oder etwas. Nur in 18 Prozent der Aufnahmegemeinden wurde sie etwas oder deutlich schlechter", erläuterte Rudolf Bretschneider vom Marktforschungsunternehmen GfK bei der Vorstellung der größten österreichischen Studie zur "Asylbetreuung in Gemeinden" am Freitag. 34 Prozent der befragten 900 Bürgermeister registrierten keine atmosphärische Änderung, sechs Prozent konnten es nicht beurteilen. Insgesamt gibt es in Österreich 2100 Gemeinden.

50.000 Quartierplätze mehr

Besagte Studie wurde von Flüchtlingskoordinator Christian Konrad in Auftrag gegeben. Nach zehn Monaten Vernetzungsarbeit zog er bei der Studienpräsentation Erfolgsbilanz. Seit vergangenem September sei es gelungen, 50.000 zusätzliche Quartierplätze zu schaffen, vorzugsweise in Form kleiner Einheiten. Insgesamt seien nun 89.000 Asylwerber untergebracht.

Vor einem Jahr habe nur ein Drittel, nun bereits zwei Drittel der Gemeinden Asylwerber bei sich wohnen, sagte er. Auf die Frage, ob Österreich am Rande seiner Unterbringungs- und Integrationskapazitäten stehe, sagte Konrad: "Notstand sehe ich nicht."

Möglich geworden sei die beschleunigte Quartierbeschaffung durch die "praktische Herangehensweise" der Bürgermeister und ehrenamtliches Engagement. "Wir müssen alles unternehmen, um dieses Engagement zu erhalten, denn die NGOs allein können das nicht schaffen", betonte Konrad. Auch Dieter Posch, Bürgermeister von Neudörfl im Burgenland (SPÖ), warnte: In der "aufgeheizten Stimmung" zum Thema Asyl seien "viele Helfer inzwischen fast unter Rechtfertigungsdruck", sagte er.

Sozialkostenfrage dringender

Dabei werden laut Studie in den Gemeinden andere Herausforderungen als weit akuter eingeschätzt. Die Prioritätenliste führen die "Sozialkosten samt Mindestsicherung" an, es folgen Kinder- und Altenbetreuung sowie der Arbeitsmarkt. Die "Betreuung von Asylwerbern" rangiert auf Rang zehn.

Um den Umgang mit ihnen zu erleichtern, wäre laut Gemeindebundpräsident Helmut Mödlhammer eine "Entbürokratisierung der Regeln zur Aufnahme gemeinnütziger Arbeit" von Asylwerbern nötig. Auch sollte vor der Überstellung in Gemeinden erhoben werden, "welche Qualifikationen, aber auch welche Traumatisierungen und Probleme sie mitbringen". (bri, 17.6.2016)

  • Asylwerber willkommen – hier im burgenländischen Neudörfl.
    foto: apa/hochmuth

    Asylwerber willkommen – hier im burgenländischen Neudörfl.

Share if you care.