Umweltschutz auf Italienisch: Ein Fonds für die Landschaft

24. Juni 2016, 08:00
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Ambiente Italia schützt 700 Hektar Landschaft und kämpft gegen Kreuzfahrtschiffe vor Venedig

"Wenn es den FAI nicht gäbe, müsste man ihn gründen", dies erklärte kürzlich Umweltminister Gianluca Galletti. Der Fondo Ambiente Italia (FAI) ist Italiens Aushängeschild für Natur- und Umweltschutz, für Landschafts- und Denkmalpflege. Es handelt sich um eine gemeinnützige Stiftung, deren Ziel es ist die Natur- und Kulturlandschaft in Italien zu erhalten und einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Aber der FAI verfolgt auch ehrgeizige Umweltprojekte, ist einer der Befürworter in Brüssel für die Abschaffung des zur Unkrautbekämpfung verwendeten Glyphosats, züchtet neuerdings Bienen in seinen zahlreichen Landwirtschaftsgütern, um gegen das Bienensterben vorzugehen, und hat vor zwei Jahren ein ehrgeiziges Energiespar- und -effizienzprogramm gestartet.

Besonders stolz ist Daniele Meregalli, Leiter der Abteilung "Ambiente", auf das Projekt des Klosters Abbazia di San Fruttuoso, wo der FAI mit der Gemeinde von Camogli (Ligurien) durch rechtzeitige Interventionen das Abbröckeln der Außenfassaden verhindern konnte. "Wir sind auf der Suche nach weiteren finanziellen Mitteln, um die gesamte Abbazia mit entsprechenden Schutzvorrichtungen zu versehen", erklärte Meregalli dem STANDARD.

Kreuzfahrtschiffe verhindert

Zu den erfolgreichen Initiativen zählt auch der Kampf gegen das Anlegen der Kreuzfahrtschiffe in Venedig. Das Modell des FAI lehnt sich an den britischen National Trust for Places of Historic Interest or Natural Beauty an. Circa 700 Hektar Landschaft stehen unter dem Schutz der 1975 gegründeten Stiftung. Der FAI finanziert sich über Spenden, Erbschenkungen und zinslose Darlehen. Allein im Vorjahr wurden 62 Prozent aller Mittel von Privaten, 28 Prozent von Unternehmen und der Rest von Stiftungen gespendet. 600.000 Interessenten besuchen jährlich die verschiedensten Kunst- und Naturstätten. 7000 Arbeitnehmer – die meisten freiwillig – arbeiten für die verschiedensten Projekte.

Jüngster Zuschlag sind die Verwaltung und Erhaltung der Biodiversität im Naturparks von Sila (Kalabrien) und die Schenkung des aus dem 16. Jahrhundert stammenden Casino Mollo im Naturpark. Derzeit verwaltet der FAI 52 unter Denkmalschutz stehende Kulturgüter. 30 wurden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zu den bekanntesten zählt die aus den Dreißigerjahren stammende Villa Necchi Campiglio. Im Zentrum Mailands wird diese im puren italienische Razionalismo errichtete Villa auch für zahlreiche öffentliche Veranstaltungen, zuletzt für die Designschau österreichischer Künstler während der Mailänder Möbelmesse, genutzt. Übrigens: Der Park der Villa Necchi mit einem kleinen Restaurant ist öffentlich zugänglich und wird als Geheimtipp für Mailänder Touristen gehandelt. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 24.6.2016)

  • Das will der Fondo Ambiente Italia etwa in Zukunft verhindern: hochhaushohe Kreuzfahrtschiffe in der Nähe des Markusplatzes.
    foto: foto: apa / andrea merola

    Das will der Fondo Ambiente Italia etwa in Zukunft verhindern: hochhaushohe Kreuzfahrtschiffe in der Nähe des Markusplatzes.

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