Berufseinstieg: Für Junge zählt vor allem das Gehalt

18. Juni 2016, 09:00
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Universum fragte 20.000 österreichische Studenten und Berufstätige nach ihren Wünschen an potentielle Arbeitgeber

Ein hohes Gehalt ist für Studierende und Berufstätige der wichtigste Faktor bei der Beurteilung von Arbeitgebern. Gleichzeitig legen Studierende einen großen Wert auf genügend Freizeit: Das zeigt die neue Studie des Beratungsunternehmens Universum, für die in Österreich über 20.000 Studenten, Young Professionals und Professionals zu ihren Berufszielen befragt wurden. Erhoben wurde auch, in welchen Branchen und bei welchen Unternehmen sie gerne arbeiten würden.

Das Ergebnis zeigt: Betriebswirtschaftler wollen offenbar am liebsten in Management- und Strategieberatung arbeiten. Bei Ingenieuren und Informatikern stehen Banken gar nicht hoch im Kurs – dabei suchen gerade jene hängeringend nach Tech-Talenten. Automobilhersteller wie Audi, BMW und Porsche sind weiterhin in den Top Ten der Rankings der begehrtesten Arbeitgeber vertreten. Der öffentliche Sektor ist gleichzeitig stark gestiegen: die Finanzmarktaufsicht, das Außenministerium sowie das Bundesrechenzentrum gewinnen für Berufseinsteiger offenbar an Attraktivität. Die Ergebnisse im Detail:

Gehalt ist Thema Nummer Eins

Gefragt, was Ihnen im Beruf wichtig ist, nannten die meisten in der Studie Befragten ein wettbewerbsfähiges Gehalt. Dieser Trend hat sich im Vergleich zu den Ergebnissen der Universium-Studie aus dem letzten Jahres verdeutlicht und zeigt sich nun bei Studenten und Berufstätigen aller Fachrichtungen, bei Männern gleichermaßen wie bei Frauen.

foto: istock
Mehr Geld bitte: Ein gutes Gehalt ist eine der Hauptkriterien bei der Beurteilung von Arbeitgebern – sowohl für Studierende als auch für Berufstätige.

Das ist insofern interessant, kommentiert Universum, zumal das Grundgehalt in der letztjährigen Umfrage bei Studentinnen nur auf Platz drei der wichtigsten Kriterien lag. Damals waren für weibliche Studierende vielseitige Arbeitsaufgaben und ein freundliches Arbeitsumfeld noch wichtiger als ein attraktives Grundgehalt. "Die Lohntransparenz in Österreich führt zu einer bewussteren Auseinandersetzung mit dem Lohnthema – auch bei Studentinnen", kommentiert Yves Schneuwly, Geschäftsführer von Universum Österreich.

Branchen mit großer Lohndifferenz

Ein Vergleich zwischen Studienrichtungen zeigt: Beim Einstiegsgehalt (null bis zwei Jahre Arbeitserfahrung) von Betriebswirtschaftern beträgt der Lohnunterschied satte 11.025 Euro pro Jahr zwischen Männern (40.836 Euro) und Frauen (29.811 Euro). Beim Anfangsgehalt von Ingenieuren bzw. Informatikern ist die Gehaltsdifferenz mit 4.323 Euro pro Jahr zwischen Männern (38.549 Euro) und Frauen (34.226 Euro) geringer.

Frauen fordern weniger

Interessanterweise haben jene Studierenden, die später mit viel Lohn rechnen können, eine geringere Erwartung an ihr Gehalt. Weiter interessant ist, dass Frauen mit niedrigeren Lohnerwartungen ins Berufsleben einsteigen als Männer. In der Betriebswirtschaft sind dies durchschnittlich 34.047 Euro pro Jahr bei Männern und 29.643 Euro pro Jahr bei Frauen. Im Bereich Ingenieurswesen und Informatik liegen die Erwartungen der Männer bei 36.573 Euro und die der Frauen bei 30.599 Euro.

Aber auch Freizeit ist wichtig

Neben dem Wunsch eines ansehnlichen Salärs, ist Studenten auch eine gute Work-Life Balance überaus wichtig. Doch was bedeutet das genau?, hat Universum gefragt – und festgestellt, dass für 46 Prozent der Studenten "Work-Life Balance" stark mit einer positiven Arbeitsatmosphäre verknüpft ist. Weit weniger Studierende bezeichnen andere Faktoren wie flexible Arbeitszeiten (23 Prozent) oder flexible Arbeitsbedingungen (17 Prozent) als Teil von Work-Life Balance.

Herausforderung und Sicherheit

Als weiteres wichtiges Karriereziel von Studierenden machte Universum intellektuelle Herausforderung aus. Darauf folgen Stabilität und Sicherheit im Job als Berufsziel Nummer drei. Die Bedürfnisse nach Herausforderungen und Sicherheit schlagen sich auch in den Rankings nieder: Bei Studenten sind vor allem Firmen, die gleichzeitig Innovation und Sicherheit ausstrahlen, in den Top Ten der beliebsten Arbeitgeber vertreten. Etwa große, stabile und krisenresistente Firmen, welche auch mit finanzieller Sicherheit assoziiert werden wie beispielsweise Red Bull, Google und BMW.

Banken nicht beliebt bei Informatikern

"Es fällt auf, dass in der Kategorie Ingenieurwesen und Informatik keine Banken in den oberen Rängen vertreten sind", sagt Universium-Chef-Schneuwly über das Ranking der Techniker. "Banken werden offenbar noch nicht mit Innovation und einem freundlichen Arbeitsumfeld in Verbindung gebracht. Sie müssen lernen, wie sie diese Faktoren in der Arbeitgeberkommunikation richtig artikulieren können", rät Schneuwly.

Ebenso wie die Universum-Studie zieht auch Bankenstudie von Deloitte aus dem letzten Jahr den Schluss, dass Banken unter Österreichs Studierenden kein gutes Image haben. Anders übrigens bei Betriebswirtschaftern: 23 Prozent würden gerne in einer Bank arbeiten, etwas mehr noch in der Management- und Strategieberatung (34 Prozent).

foto: universum

Österreichische Firmen hoch im Kurs

Nach wie vor sind österreichische Firmen wie der ORF oder die Voestalpine prominent in den Top-Rängen platziert. Auch öffentliche Organisationen stehen laut Universums-Studie hoch im Kurs: etwa das Außenministerium oder das Bundesrechenzentrum. Stark gewonnen haben im Vergleich zum Vorjahr die Finanzmarktaufsicht und die Voestalpine. Letztere hat sich im Bereich Betriebswirtschaft bei Berufstätigen um sieben Plätze verbessert und bei den Studenten um acht Plätze verbessert. Auch im Bereich Ingenieurwesen bzw. Informatik ist sie beliebter geworden. Red Bull bleibt die Nummer Eins bei den Wirtschaftsstudenten und -professionals und hält einen beachtlichen Abstand (rund sechs Prozent) zur Nummer zwei Google. Automobilhersteller wie BMW, Audi, Porsche bleiben weiterhin gut repräsentiert unter den Top Ten. (red, 18.6.2016)

Info:

Für die Studie hat das Beratungsunternehmen Universum weltweit 58 Ländern über 1,5 Millionen Studierende und Berufstätige befragt – zu ihren Präferenzen bei potentiellen Arbeitgebern und ihren Karrierevorstellungen. In Österreich nahmen über 20.000 Personen teil.

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