Das Passivhaus, das nicht so heißen darf

22. Juni 2016, 09:00
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Der Klagenfurter Bauträger Puaschitz errichtet Passivhäuser, will sie aber nicht so nennen. Beim aktuellen Projekt Zeit:Raum erkennt man einen steigenden Bedarf an E-Tankstellen und will mit einem nahegelegenen Supermarkt kooperieren

Es ist ein Passivhaus, aber es soll nicht so heißen: "Wir sprechen lieber von einem A++-Haus, also mit sehr niedrigen Energiekosten", sagt Marc Brabant. Er ist Vertriebsleiter des Klagenfurter Bauträgers Puaschitz, dieser errichtet im Stadtteil Waidmannsdorf gerade das Projekt Zeit:Raum mit 52 Wohneinheiten. Der Begriff "Passivhaus" komme nicht so gut an, ist er überzeugt. "Da heißt es ja immer noch, man dürfe die Fenster nicht öffnen."

Mit einem Heizwärmebedarf von 6,0 kWh/m²/Jahr (Haus A) bzw. 9,5 kWh (Haus B) ist man aber eindeutig in der Passivhausqualität. Eine entsprechende klima:aktiv-Zertifizierung wird angestrebt. Das Vorgängerprojekt von Puaschitz, "Freiraum findet Stadt" mit 56 Wohneinheiten, kam auf dem Plan auf einen Heizwärmebedarf von 10,2 kWh, "bei der Vorabnahme sind wir dann sogar unter zehn gelegen".

Design-Wettbewerb für Einkaufswagen

Der Vertrieb der Zeit:Raum-Wohnungen mit Größen ab 49 m² startete im Dezember, bis zur Baufertigstellung will man alles verkauft haben. In den Wohnungspreisen ist je ein Pkw-Stellplatz inkludiert; bei einer Zweizimmerwohnung befindet sich dieser im Freien, ab drei Zimmern in der Tiefgarage mit 53 Stellplätzen. "Mancher Käufer will aber zur Drei- oder Vierzimmerwohnung einen zweiten Stellplatz dazunehmen, wieder andere upgraden ihren Stellplatz im Freien auf einen Garagenplatz", so Brabant.

Weil sich gegenüber ein Supermarkt befindet, hat man sich da auch etwas überlegt. Es wird eigene Einkaufswagen für die Bewohner geben, die vor dem Haus geparkt werden. "Das kostet ja nicht die Welt." Für deren Design könnte es einen Wettbewerb geben.

E-Tankstellen gefragt

Energieeffizienz werde immer mehr zum Thema bei den Anfragen, sagt Brabant. Was dem früheren Eishockeyprofi, studierten Betriebswirt und Immobilientreuhänder außerdem noch auffällt: "Die Nachfrage nach E-Tankstellen in der Tiefgarage nimmt zu. In absoluten Zahlen ist das noch nicht viel, aber prozentuell ist die Nachfrage sehr hoch." Acht Stellplätze hat man bei Zeit:Raum dafür vorgesehen, "aber es werden sicher noch mehr werden". Leerverrohrungen sollen späteres Nachrüsten erleichtern.

Problemen mit Anrainern ist man bemüht, so gut wie möglich vorzubeugen. Brabants Mediatorenausbildung kommt ihm da "sehr zugute", würden doch manche "mit großer Angriffslaune" zu Info-Abenden kommen. Wichtig sei es, den Anrainern zuzuhören, sagt der Vertriebsleiter. "Bei 'Freiraum findet Stadt' wollte jemand einen Sichtschutz bei seinem Carport. Da haben wir nicht lange herumdiskutiert und gesagt: Okay, machen wir, nehmen wir gleich ins Protokoll auf." Man müsse eben "aktiv auf die Leute zugehen, fragen, was ihr Anliegen ist, was man beitragen kann".

Villa verkauft

Die Firma Puaschitz macht auch die Hausverwaltung selbst. Was dabei hilft, ist die Tatsache, dass man sich stets ein paar Wohnungen behält. Und immer öfter werde man neuerdings auch als Makler aktiv, sagt Brabant. "Ältere Leute kaufen bei uns eine Wohnung und bitten uns gleichzeitig, ihr Einfamilienhaus zu verkaufen." Soeben habe man ein Haus auf dem Kreuzbergl, der Topvillengegend von Klagenfurt, um rund eine Million Euro verkauft. "Das war innerhalb einer Woche weg." (mapu, 22.6.2016)

  • Die beiden Gebäude von Zeit:Raum entstehen gerade in Klagenfurt-Waidmannsdorf.
    visualisierung: puaschitz

    Die beiden Gebäude von Zeit:Raum entstehen gerade in Klagenfurt-Waidmannsdorf.

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