TBA21: Francesca Habsburg bleibt doch in Wien

17. Juni 2016, 13:21
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Kunstmäzenin argumentiert politisch: Sie fühlt sich dem Kampf gegen Nationalismen in ihrer Wahlheimat verpflichtet – Kunstmäzenin will Augarten-Standort beibehalten, ihn aber nicht mehr mit Ambrosi-Sammlung teilen

Wien – Francesca Habsburg bleibt doch in Wien: Im Vorjahr hatte die Kunstsammlerin, die seit 2012 mit ihrer "Thyssen Bornemisza Art Contemporary" (TBA21) im Augarten ansässig ist, noch gedroht, ihre Kollektion und Ausstellungsaktivitäten nach Zürich zu verlagern. Nun sei jedoch die Entscheidung für einen Verbleib gefallen – aufgrund der politischen Lage. "Das ist nicht der richtige Moment, Österreich zu verlassen", so Habsburg.

Die Kunstmäzenin unterstrich am Freitag bei der Pressekonferenz zur Ausstellung von Mario Garcia Torres im Augarten, dass ihr die Bundespräsidentenwahl die Augen geöffnet habe: "Wir müssen alles, was wir können, in den Kampf gegen den Nationalismus und den rechten Flügel einbringen." Die vergangenen Wochen hätten ihr gezeigt, dass der Grund, weshalb sie die vergangenen 25 Jahre in Österreich verbracht und ihre Kinder großgezogen habe – die offene, freie Gesellschaft – gefährdet sei.

"Der Sieg ist nicht selbstverständlich", so Habsburg. Schließlich seien die Rechten auf dem Vormarsch: "Sie sind direkt um uns herum, sie sind im Gustinus-Ambrosi-Museum." Das werde sich nicht ohne Kampf und Streit ändern. Auch in Zukunft möchte man, so Habsburg, sehr sehr klare Botschaften in Bezug auf Einwanderung, Minderheiten und Migranten geben. TBA21 werde fortfahren, für die Ethik und die Werte, die für unsere Gesellschaft wichtig sind, einzutreten.

Neuer Kulturminister offen für Kollaborationen

Man müsse deshalb vor Ort kämpfen und mit klaren Statements für das einstehen, an das man glaube. "Wir können das Land nicht in die Hände der falschen Leute, der falschen Moral und den falschen christlichen Werten fallen lassen", appellierte Habsburg.

Von Seiten der Politik habe sich seit ihrem Aufschrei im Vorjahr einiges geändert: "Es weht ein neuer Wind." So habe sich der neue Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) sehr offen gezeigt, Gespräche über die TBA21-Zukunft im Augarten, der Mietvertrag läuft Ende 2017 aus, zu führen.

Natürlich gebe es auch andere Lokalitäten in Wien, für Habsburg stehe aber fest: "Ich glaube wirklich an eine Zukunft im Augarten." Es sei ein kostbarer Ort, in den man viel Zeit und Energie investiert habe. Ein Punkt sei für sie aber klar: "Ich möchte den Platz nicht mehr mit dem Gustinus-Ambrosi-Museum teilen", sagte sie und stellte obendrein in Frage, ob die Ambrosi-Sammlung hier überhaupt öffentlich ausgestellt werden solle.

Die Ateliers des umstrittenen österreichischen Staatskünstlers (1893-1975) wurden nach dessen Tod als Museum gewidmet. Seit 1978 zeigt man dort Bronze- und Steinskulpturen des Bildhauers. Der zwiespältigen und politisch wendigen Figur Ambrosis und seiner verschatteten Biografie – vom Dollfuß-Bewunderer zum Speer-Günstling und letztendlich zum "Nazi-Opfer" – hatte die TBA21 2012, zum Auftakt ihrer Ausstellungstätigkeit im Augarten, eine kritische Betrachtung – samt Essay des Historikers Oliver Rathkolbs – angedeihen lassen. Die Sammlung Ambrosi sei hier aber weggesperrt und ungenutzt, so Habsburg: "Und wir wollen expandieren."

Kunst als kraftvolles Medium der Veränderung

Sie hoffe deshalb, dass die komplexe Eigentümerstruktur am Standort entzerrt werden könne. Schließlich gelte für die TBA21 schon jetzt: "Das ist kein Museum, sondern eher ein Kulturzentrum." Selbstredend sei die Situation in Wien nicht leicht für private Sammler, wenn man die Entwicklung bei der Generali oder Bank Austria ansehe: "Wir sind die letzten, die noch übrig sind."

Sie verstehe sich dabei als Anwältin des Wechsels in einer schwierigen Zeit: "Ich möchte auf Auftragsarbeiten fokussieren, die die wichtigsten Themen unserer Zeit thematisieren: Frieden, Migration, eine offene Gesellschaft, das Klima und die Ozeane." Hierbei könne Kunst ein sehr kraftvolles Medium der Veränderung sein, und nicht nur etwas, das die Sinne anspreche. (APA, kafe, 17.6.2016)

  • Artikelbild
    foto: toppress/ karl schöndorfer
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