Wörthersee: Der Seezugang als Investition

21. Juni 2016, 09:00
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Am Wörthersee werden für Grundstücke mit Seezugang bis zu 6000 Euro pro Quadratmeter gezahlt. Kritiker bemängeln, dass es kaum mehr öffentliche Seezugänge gebe

Den seit Jahrzehnten andauernden Erfolg des Wörthersees sehen viele in den klimatischen Vorzügen der Region begründet: Hier scheint selbst dann die Sonne, wenn es anderswo im Land regnet.

Doch auch abseits vom Wetter wird es manchen am Wörthersee derzeit zu heiß: Denn die Immobilienpreise rund um das türkisblaue Gewässer steigen. Für ein Grundstück mit direktem Seezugang werden mittlerweile bis zu 6000 Euro pro Quadratmeter gezahlt, je nach Lage am See und Uferlänge. Und für Luxusapartments werden Spitzenpreise von bis zu 17.000 Euro verlangt. Teilweise haben sich diese Preise in den letzten Jahren verdreifacht – ob sie auch gezahlt werden, ist eine andere Frage.

Dass die Preise überhitzt sind, räumt auch die Kärntner Immobilienmaklerin Doris Scarpatetti-Matheis ein: "An einem Hotspot wie dem Wörthersee sind die Preise meist überhitzt." Die Preise, die verlangt werden, würden aber nach wie vor auch bezahlt, ausreichend Nachfrage sei vorhanden – und besonders in den Sommermonaten steige das Interesse an einer Liegenschaft am Wasser immer – auch weil diese mittlerweile "verhaltener" auf den Markt kommen: "Die Anzahl hat in den letzten Jahren etwas abgenommen", sagt die Immobilienmaklerin. Vor "drei bis fünf Jahren" habe es noch bis zu 20 Transaktionen im Jahr gegeben. Nun kommen drei bis fünf Liegenschaften im Jahr auf den Markt, schätzt Thomas Hopfgartner vom Luxusimmobilienunternehmen Living De Luxe.

Überschaubare Käufergruppe

Die Zahl der Transaktionen ist laut Scarpatetti-Matheis auch deshalb zurückgegangen, "weil der eine oder andere Verkauf im Seenbereich heute "von finanzkräftigen Privatpersonen außerhalb des Maklergeschäfts abgewickelt wird". Ungebremst würden die Preise nun aber wohl nicht mehr weiter steigen: "Aber wir haben schon vor fünf Jahren gedacht, dass der Plafond erreicht ist."

Die Preise, die derzeit verlangt werden, könne sich nur noch eine sehr überschaubare Klientel leisten: "Und diese Kunden prüfen schon, was sie um den Preis bekommen." Die drei Aspekte Qualität, Luxus und Leistung würden immer wichtiger, sagt Thomas Hopfgartner: "Allein schon in der Vermarktung wird mehr Wert auf Service und Diskretion gelegt." Ein Immobilienmakler müsse heute beispielsweise auch dabei beraten, wer als Innenarchitekt und künftiger Gärtner infrage komme. Und besonders bei einer internationalen Klientel sei heute eine Luxuswohnung ohne Concierge undenkbar.

Dafür, dass der Wörthersee so heißbegehrt ist, gibt es unterschiedliche Erklärungen: Für manche, die bereits in Wien und Kitzbühel Immobilien besitzen, gehöre ein Objekt am Wörthersee einfach dazu, meint Scarpatetti-Matheis. Und auch der entsprechende Lifestyle sowie die Motorbootszene sei bei vielen Käufern ein Thema.

Begrenzt vorhanden

"Was für die Region spricht, ist auch die politische Entwicklung", meint Hopfgartner: Von der Angst vor Terrorismus würden heimische Urlaubsdestinationen profitieren – und der Wörthersee sei aus dem In- und Ausland leicht erreichbar.

Und weil Seegrundstücke eben nur begrenzt vorhanden seien, würden diese auch zunehmend als Investition betrachtet – im Gegensatz zu Liegenschaften, die nur über einen Seeblick ohne Seezugang verfügen und von denen es viel mehr gibt.

Was Neubauten angeht, ist der Zenit laut Hopfgartner mittlerweile aber erreicht. Und so manches, was zu haben ist, wird ohnehin gar nicht erst beworben: "Wir vermitteln Objekte, ohne dass wir sie groß auf den Markt bringen." Denn Diskretion ist in diesem Preissegment wichtig. Auch Scarpatetti-Matheis versucht daher, ihre Kunden "vorzuqualifizieren": "Der eine oder andere Makler ist da sehr vorsichtig geworden."

Kaum öffentlicher Zugang

Der Boom rund um den See kommt aber nicht bei allen an: Die lokale Bevölkerung klagt, dass es kaum noch öffentli- chen Zugang zum türkisblau- en Wasser gibt. Immer wieder wird auch über Mauern gestritten, die mittlerweile den Blick auf den Wörthersee versperren.

"Dass die Bevölkerung rund um den See mitpartizipieren möchte, ist logisch", sagt Scarpatetti-Matheis. "Nur gibt es eben auf der anderen Seite Verkäufer, die ihr Grundstück zu sehr guten Preisen verkaufen wollen – zu Summen, die das Budget jeder Gemeinde sprengen würden."

Nicht aber das Budget so mancher Interessenten, die rund um den See unterwegs sind und die bereit sind, Liebhaberpreise für das perfekte Grundstück zu zahlen: "Gesucht wird nach wie vor das, was es am seltensten gibt", so die Immobilienmaklerin.

Käufer aus Österreich

Und zwar ein Grundstück ab 500 Quadratmetern, mit einer schönen Zufahrt, frei von Lärmquellen, mit ausreichend Uferlänge und vielleicht noch einem Bootshaus oder einem Steg. "Oder zumindest irgendeinem kleinen Gebäude, das man nutzen kann – und wenn es nur ein altes Haus ist, das man umbauen kann", so Scarpatetti-Matheis. All das gibt es zu einem Preis ab zwei Millionen Euro.

Die, die sich mehr Privatsphäre wünschen, seien wiederum auf der Suche nach Grundstücken von maximal 1000 Quadratmetern. Und nach oben sind alle Grenzen offen: Auch Transaktionen um rund zehn Millionen Euro hat es am See schon gegeben.

Der Durchschnittskäufer kommt meist aus Österreich und oft aus Wien, auf dem zweiten Platz folgt Deutschland. "Der russische Markt ist in den letzten Jahren weggebrochen", sagt Scarpatetti-Matheis. Aus dem Osten sei derzeit wenig Interesse bemerkbar.

Ruhigere Alternativen

Überhaupt will nicht jeder ein Haus am Wörthersee: "Es gibt zwei Gruppen. Die einen sagen: Der Wörthersee ist mir zu laut, andere sind nicht bereit, die Preise zu zahlen", sagt Scarpatetti-Matheis. Diese Käufergruppen weichen dann beispielsweise an den Ossiacher See aus, den die Maklerin als "Familiensee" bezeichnet: "Dort sind in den letzten Jahren schöne Seewohnungen entstanden." Auch Seeliegenschaften würden hier immer wieder auf den Markt kommen – im Unterschied zum Klopeiner See, dem Weißensee und dem Millstätter See, wo es deutlich weniger Angebot gibt.

Wie groß die preislichen Unterschiede zum Wörthersee sind, will Scarpatetti-Matheis nicht sagen: "Das hängt immer vom Einzelgrundstück ab."

Eine wirkliche Alternative zum Wörthersee sieht Immobilienmakler Hopfgartner aber ohnehin nirgends: "Natürlich gibt es andere schöne Regionen und Seen", sagt er. "Aber Schönheit allein ist zu wenig." Denn die Rahmenbedingungen, die der Kärntner See mit Restaurants, Geschäften, Juwelieren und der passenden Infrastruktur bietet, würde man anderswo eben vergeblich suchen. (Franziska Zoidl, 21.6.2016)

  • Den schönsten Blick auf den Wörthersee hat man von oben. Unten wird über Mauern und fehlenden Seezugang gestritten.

    Den schönsten Blick auf den Wörthersee hat man von oben. Unten wird über Mauern und fehlenden Seezugang gestritten.

  • Nicht alle wollen an den Wörthersee: Manche Käufergruppen wünschen sich Ruhe und niedrigere Preise, etwa am Weißensee.
    foto: putschögl

    Nicht alle wollen an den Wörthersee: Manche Käufergruppen wünschen sich Ruhe und niedrigere Preise, etwa am Weißensee.

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