Trump reist nach Schottland: Ein ungebetener Gast

17. Juni 2016, 13:42
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Der Besuch sei privat, sagt Donald Trump: Er will seine Golfplätze besuchen. Äußerungen zur Brexit-Debatte sind trotzdem zu erwarten

Donald Trump reist am kommenden Mittwoch nach Schottland. Der republikanische Kandidat für die US-Präsidentschaft will dort bei der Eröffnung des Turnberry Resort anwesend sein. Das Luxusanwesen mit Golfplatz und Spa, eine Autostunde südwestlich von Glasgow, ist kürzlich um umgerechnet 285 Millionen US-Dollar renoviert worden und nur einer der vielen Golfplätze, die Trump in Schottland besitzt.

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Viele schöne Löcher: Das Turnberry Resort gehört Donald Trump.

Die Freude über seinen Besuch hält sich bei den Einheimischen allerdings in Grenzen. Trumps Äußerungen zu Muslimen (sie sollen nicht in die USA einreisen dürfen) und Hispanics (sie sind kriminell und potenzielle Vergewaltiger) wurden sowohl in England als auch in Schottland scharf kritisiert.

Aber nicht erst die jüngsten politischen Aussagen des Immobilienmilliardärs machen ihn im Heimatland seiner Mutter wenig beliebt. Die Schotten haben jahrelange Erfahrung mit dem Investor Trump. Seine zahlreichen Vorhaben zur Errichtung von Golfplätzen stießen meist auf massiven Widerstand der Anrainer. Zum Beispiel 2012 in Aberdeenshire. Der Film "You've Been Trumped" erzählt die Geschichte des Bauprojekts und des Protests dagegen. Gebaut wurde der Golfplatz dennoch. Das Versprechen, damit 6.000 Arbeitsplätze zu schaffen, hat Trump bisher nicht eingelöst.

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Donald Trump ließ auch 2012 einen Golfplatz in Schottland errichten. Nicht alle waren darüber erfreut.

Offiziell ist die Reise Trumps Privatvergnügen, es gibt derzeit keine geplanten Termine mit politischen Vertretern – weder schottischen noch englischen. Es ist dennoch davon auszugehen, dass Trump es sich nicht nehmen lassen wird, sich zur Brexit-Debatte zu Wort zu melden.

Trump für Brexit

Seine Position in der Debatte über die britische EU-Mitgliedschaft hat Trump schon mehrmals geäußert. Er stellt sich hinter die Befürworter eines Austritts – mit der Argumentation, die EU habe es nicht geschafft, eine funktionierende, umsetzbare Einwanderungspolitik zu schaffen. Als es aber 2014 um die Unabhängigkeit Schottlands von Großbritannien ging, war Trump gegen die Separatisten aufgetreten.

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Trump im Jahr 2010 beim Baustellenbesuch in Aberdeen. Zwei Jahre später eröffnete der umstrittene Golfplatz.

Spekuliert wird derzeit, ob Trump auch Irland besuchen wird. Bei der Ankündigung der Reise war ein Besuch noch vorgesehen. Dann tauchte Irland nicht mehr auf dem Reiseplan auf, der an die Trump begleitenden Journalisten ausgegeben wurde. Trump hingegen sagt, er lässt Irland nicht aus. Auch dort will er einen seiner Golfplätze besuchen. (mka, 17.6.2016)

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