VP-Chefs wehren sich gegen mehr Zentralismus

17. Juni 2016, 10:24
25 Postings

Aber auch gegen mehr Schulautonomie – Geplante Schaffung von Bildungsdirektionen würde Gestaltungsmöglichkeiten der Länder einschränken, Finanzierung nach Sozialindex ebenso

Wien – Die von der ÖVP gestellten Präsidenten der Landesschulräte verwehren sich gegen mehr Zentralismus im Bildungsbereich. "Dann gibt es nur noch eine Struktur: Von oben wird durchgegriffen", warnt deren Sprecher Fritz Enzenhofer am Donnerstagabend vor Journalisten vor den geplanten Bildungsdirektionen, die nach Plänen der Regierung die Landesschulräte ablösen sollen.

Die Gestaltungsmöglichkeiten der Länder würden durch eine solche Reform eingeschränkt, die Länder könnten bei regional wichtigen Fragen wie etwa dem Erhalt von Kleinschulen oder dem berufsbildenden Schulwesen nicht mehr mitreden. Nicht zuletzt befürchtet er, dass eine Bildungsministerin oder ein Bildungsminister über Weisungen massiv politisch Einfluss nehmen könnte auf einen künftig weisungsgebundenen Direktor der Bildungsdirektion.

Gegen mehr Schulautonomie

"Ich bin dafür, dass die Schulaufsicht wieder die inhaltliche Steuerung der Schule in die Hand bekommt und nicht neue Instrumente dafür hochgefahren werden", fordert Enzenhofer, der sich außerdem mehr Verantwortung der Länder und Schulaufsicht beim Budget wünscht. Der niederösterreichische Landesschulratspräsident Johann Heuras will überhaupt, dass der Bund nur noch die Lernziele, Lehrpläne und Bildungsstandards vorgibt und die Organisation, Durchführung und Finanzierung den Ländern und Regionen überlässt.

Auch der angekündigte Ausbau der Schulautonomie ist Enzenhofer ein Dorn im Auge. "Es kann nicht ein Schulleiter und es kann nicht ein Pflichtschulinspektor alles verantworten", sagt er mit Verweis auf Themen wie Sonderpädagogik, Migration oder die Zuweisung von Ressourcen.

Gegen zentrale Lehrerfortbildung

Die derzeit vor allem von der SPÖ forcierte Umstellung der Schulfinanzierung, bei der auf Basis eines Sozialindex Brennpunktschulen mehr Geld erhalten sollen, sei auch nur auf den ersten Blick eine gute Idee. Ohne zusätzlichen Mittel wie jetzt für die Integration von Flüchtlingen an den Schulen "muss ich immer das, was ich dem einen gebe, dem anderen wegnehmen". Es stelle sich außerdem die Frage, wer die Parameter festlege, nach denen die Mittel dann verteilt werden.

Weniger Zentralismus will Enzenhofer auch bei der Lehrerfortbildung. Diese gehöre an die Pädagogischen Hochschulen (PH), stattdessen habe das Ministerium eigene Parallelstrukturen wie das "Bundeszentrum für lernende Schulen" aufgezogen, in dem neue Lernkultur vermittelt werden soll. "Wir müssen aufpassen, dass hier nicht des Kaisers neue Kleider produziert werden", sieht er eine teure Einrichtung "fast wie eine Sekte", aber ohne Zusatznutzen für das Bildungssystem. (APA, 17.6.2016)

  • "Dann gibt es nur noch eine Struktur: Von oben wird durchgegriffen", warnt Fritz Enzenhofer, Sprecher der Landesschulräte, vor Zentralisierung im Bildungssystem.
    foto: apa/helmut fohringer

    "Dann gibt es nur noch eine Struktur: Von oben wird durchgegriffen", warnt Fritz Enzenhofer, Sprecher der Landesschulräte, vor Zentralisierung im Bildungssystem.

Share if you care.