Mitbegründer: "Die Regenbogenparade ist typisch wienerisch"

17. Juni 2016, 13:44
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Vor 20 Jahren fand in Wien die erste Parade statt. Heuer steht sie im Zeichen der Solidarität mit den Orlando-Opfern

Im Juni 1996 ist die Regenbogenparade zum ersten Mal über die Wiener Ringstraße gezogen – damals noch in Fahrtrichtung und mit einer wesentlich kürzeren Route. "Denn den ganzen Ring hätten wir uns damals nicht zugetraut", sagt Andreas Brunner. Er ist einer der Mitbegründer der Wiener Regenbogenparade und erinnert sich an die Diskussion über die Namensgebung des Umzugs.

Aus dem Christopher Street Day, also dem Gedenken an die gewalttätigen Auseinandersetzungen in dem New Yorker Community-Lokal Stonewall Inn im Jahr 1969, wollten die OrganisatorInnen 1996 etwas typisch Wienerisches machen. "In einer endlos langen Sitzung mit endlos langen Diskussionen ist seinerzeit Mario Soldo aufgestanden und hat den Namen Regenbogenparade vorgeschlagen, und alle haben gesagt: Ja, das ist es!"

Schwullesbische Festwochen und Hochzeitsumzug

Schon in den Jahren davor hatte es regelmäßig Demonstrationen mit Transparenten und Megafonen gegeben, um auf die gravierende Diskriminierung Homosexueller hinzuweisen, organisiert meist vom ersten Lesben- und Schwulenverband Österreichs, der Homosexuellen-Initiative Wien.

Auch damals gab es zahlreiche aufsehenerregende Aktionen. Brunner erinnert sich an den schwullesbischen Hochzeitsumzug auf dem Wiener Stephansplatz, der im Juni 1989 ein starkes Medienecho hervorrief, und an die Ausbreitung eines großen rosa Winkels am selben Ort im Jahr 1991 im Rahmen der "Schwullesbischen Festwochen". Unter dem riesigen Stofftuch tanzten damals lesbische und schwule Paare Walzer.

"Aber eine Parade, wie es sie in zahlreichen anderen europäischen Städten damals schon seit zehn Jahren und länger gegeben hat, das gab es bei uns nicht", sagt Brunner. In den ersten Jahren habe der Begriff noch erklärt werden müssen, aber heute wisse jeder, was die Parade sei: "Die Regenbogenparade ist typisch wienerisch. Die gibt es nur hier."

Sichtbarkeit und Stolz

Damals wie heute gehe es um die Sichtbarmachung der vielen unterschiedlichen queeren Lebensweisen. "Sichtbar 96" war das Motto der ersten Regenbogenparade. Das diesjährige lautet "Grenzen überwinden". Lesben, Schwule, Bisexuelle, Heterosexuelle, Trans- und intergeschlechtliche Personen demonstrieren gemeinsam für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft.

Durch den Anschlag im LSBTQ-Nachtclub Pulse in Orlando hat die Regenbogenparade an trauriger Aktualität gewonnen. Die Antwort auf die Tragödie müsse noch mehr Sichtbarkeit und Stolz sein, sagt Hosi-Obfrau Lui Fidelsberger..

Gedenken an die Opfer homo- und transphober Gewalt

Als Zeichen der Solidarität wird heuer die traditionelle Gedenkminute "Moment des Gedenkens" insbesondere den Opfern und Hinterbliebenen des Attentats von Orlando gewidmet. Auch bei dem von der Hosi Wien als Auftakt zur Regenbogenparade organisierten Regenbogenpark im Sigmund-Freud-Park am Donnerstag wird es ein Gedenken an die Orlando-Opfer geben. "Beim Eingang zum Park wird unter dem Titel 'Liebe ist stärker' ein Gedenkort eingerichtet, wo Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet werden können", sagt Fidelsberger.

Und es wird eine Premiere geben: "Auf der Abschlusskundgebung am Samstagabend wird erstmals in der 20-jährigen Geschichte der Regenbogenparade ein amtierender Bundeskanzler sprechen. Die Teilnahme eines Regierungschef an einer Pride-Parade ist nicht nur für Österreich eine Premiere, sondern auch international gesehen eher eine Seltenheit", freut sich Fidelsberger. (Christine Tragler, 17.6.2016)

  • Lesben, Schwule, Bisexuelle, Heterosexuelle, Trans- und intergeschlechtliche Personen demonstrieren bei der Regenbogenparade für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft.
    foto: thomas koller

    Lesben, Schwule, Bisexuelle, Heterosexuelle, Trans- und intergeschlechtliche Personen demonstrieren bei der Regenbogenparade für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft.

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