Nordiren feiern gegen Ukraine ersten EURO-Sieg

16. Juni 2016, 20:03
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Der Underdog behält gegen den haushohen Favoriten die Oberhand. McAuley und McGinn treffen ins Glück, die Ukraine ist draußen

Lyon – Nordirland feiert nach einer Wasser-Hagel-Schlacht seinen ersten EM-Sieg – doch vor dem Einzug in die K.-o.-Runde wartet auf den Debütanten die Herkulesaufgabe gegen Deutschland. Nach einem historischen 2:0 (0:0) gegen die Ukraine braucht die unbeugsame "Green and White Army" im letzten Gruppenspiel gegen den Weltmeister wahrscheinlich einen Punkt, um ins Achtelfinale einziehen zu können. Die Nordiren ließen sich auch von einer zweiminütigen Unterbrechung wegen eines heftigen Hagelschauers nicht aufhalten. Die Ukraine ist hingegen durch das 0:0 im Abendspiel zwischen Deutschland und Polen bereits ausgeschieden.

Dass sie träumen dürfen, verdanken die Nordiren Gareth McAuley und Niall McGinn. Acht Minuten, ehe Schiedsrichter Pavel Kralovec aus Tschechien die Spieler wegen des Hagels kurz in den Kabinengang schickte, erzielte der Mittelfeldspieler im Starkregen einen geschichtsträchtigen Treffer (49.): Es war das erste Tor für Nordirland bei einem großen Turnier seit der WM 1986 in Mexiko. McGinn setzte den Schlusspunkt (90.+6). Der Regen hörte erst Mitte der zweiten Halbzeit auf.

"Wenn es so kommt, dass wir Deutschland schlagen müssen, werden wir uns darauf vorbereiten", hatte Michael O'Neill, Trainer des EM-Debütanten, in weiser Voraussicht bereits angekündigt.

Hagel und Platzregen

Den Ukrainern verhagelte nach dem 0:2 im ersten Gruppenspiel gegen Deutschland nicht nur der Gegentreffer die Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale: Der Regen hatte auf dem Rasen im Stade de Lyon Lacken entstehen lassen, die ein sauberes Passspiel stellenweise verhinderten. Passend zum Wetter plätscherte das Spiel vor 51.000 Zuschauern zunächst vor sich hin. Ein erster Aufreger war ein Handspiel McAuleys im Strafraum (9.), das der tschechische Schiedsrichter bei seinem ersten EM-Einsatz ungeahndet ließ.

Ansonsten probierte es die Ukraine erneut vornehmlich über ihre starke Flügelzange Jewgeni Konopljanka/Andrej Jarmolenko. Für das Duo war es allerdings alles andere als einfach: Die Nordiren verteidigten sehr variabel, im Extremfall mit sechs Mann auf einer Linie. Platz gab es wenig – das "Alles oder nichts-Spiel" begann zäh.

Lafferty auf der Bank

Die Offensive der Nordiren war eine halbe Stunde nicht vorhanden. Das lag nicht nur an der spielzerstörenden Ausrichtung, sondern auch am Fehlen von Kyle Lafferty. Der 28-Jährige, siebenmaliger Torschütze in der Qualifikation, saß zunächst auf der Bank.

Die Fans der Nordiren standen in der 24. Minute. Sie hatten sich zu Ehren des 24-jährigen Darren Rodgers erhoben, der in der Nacht auf Montag an der Promenade von Nizza von einem Geländer in den Tod gestürzt war. Ein bewegender Moment.

Kurz darauf hatte Craig Cathcart (34.) mit einem Kopfball die bis dahin beste Chance des Spiels, noch vor der Pause brachte Steven Davis den ukrainischen Torwart Andrej Pjatow aus spitzem Winkel erneut in Verlegenheit (41.).

Deutschland gefordert

Der nächste Versuch war dann erfolgreich, fast erwartbar war es eine Standardsituation: Nach einem Freistoß köpfte McAuley ein. Danach mussten die Nordiren die Führung gegen aufkommende Ukrainer mit aller Kraft verteidigen. Das machten sie gut. Auch Deutschland dürfte sich da schwer tun. (sid, 16.6.2016)

EM-Gruppe C, 2. Runde, Donnerstag

Ukraine – Nordirland 0:2 (0:0)
Stade de Lyon, 51.000 Zuschauer, SR Pavel Kralovec (CZE)

Tore:
0:1 McAuley (49.)
0:2 McGinn (96.)

Ukraine: Pjatow – Fedezki, Chatscheridi, Rakizky, Schewtschuk – Sydortschuk (76. Garmasch), Stepanenko – Jarmolenko, Kowalenko (83. Sintschenko), Konopljanka – Selesnew (71. Sosulja)

Nordirland: McGovern – Hughes, Cathcart, McAuley, J. Evans – Ward (69. McGinn), C. Evans (93. McNair), Davis, Norwood, Dallas – Washington (84. Magennis)

Gelbe Karten: Selesnew, Sydortschuk bzw. Ward, Dallas, J. Evans

Stimmen:

  • Gareth McAuley (Nordirland-Torschütze zum 1:0): "Wir waren definitiv nicht die Favoriten. Aber wir haben unsere Möglichkeiten genutzt. Viele haben uns vor der EM nicht einmal einen Punkt zugetraut. Ich bin stolz auf die Teamleistung. Wir waren gegen Polen weit von unserer Normalform entfernt. Dass wir uns danach aufgerichtet haben, macht uns alle sehr froh. Es war eine Topleistung des gesamten Teams."
  • Taras Stepanenko (Ukraine-Verteidiger): "Die Niederlage fühlt sich gar nicht an. Es war klar, dass das eine vorentscheidende Partie werden würde. Es sieht sehr danach aus, dass wir ausscheiden werden. Das letzte Spiel wird wohl nur noch statistischen Wert für das Turnier haben, für uns geht es nur noch um das Prestige. Wer das Tor schießt, wird sich durchsetzen. Das wussten wir. Auch um ihre Gefährlichkeit bei Standards wussten wir Bescheid. Es ist bitter, dass sie trotzdem daraus ein Tor geschossen haben."
  • Nordirland mit einem historischen Sieg über die Ukraine. 2:0 ging das Spiel aus.
    foto: afp/pachoud

    Nordirland mit einem historischen Sieg über die Ukraine. 2:0 ging das Spiel aus.

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