Absprachen mit Industrie: Neue Zweifel um Glyphosat

16. Juni 2016, 19:01
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Gesundheitskommissar Andriukaitis selbst im Zwielicht

Brüssel/Wien – Knapp eine Woche vor der für kommenden Donnerstag anberaumten neulichen Abstimmung über die Weiterverwendung des umstrittenen Pflanzenschutzmittels Glyphosat gerät nun der für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zuständige EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis unter Druck. Andriukaitis, der vor seinem Wechsel nach Brüssel Gesundheitsminister in Litauen war, habe Absprachen mit der Industrie getroffen, lautet der Vorwurf.

"Die Öffentlichkeit zu beruhigen, das war ein abgekartetes Spiel", sagte Helmut Burtscher, Umweltchemiker von Global 2000, dem STANDARD unter Hinweis auf entsprechende Korrespondenz. Am 4. April hat Andriukaitis einen offenen Brief an die Glyphosat Task Force mit der Aufforderung gerichtet, bisher geheim gehaltene Studien zur Krebsgefahr von Glyphosat öffentlich zu machen. Das Schreiben sollte den Eindruck erwecken, der Kommissar kümmere sich um die Interessen der Verbraucher. Tatsächlich sei der Brief vorab mit der Industrie abgesprochen gewesen. Das belegten Dokumente, die neben Global 2000 auch dem Umweltinstitut München vorliegen.

Zudem sei der von der Industrie gemachte Vorschlag, Leseräume für die Studien einzurichten, bereits Wochen zuvor mit der Kommission abgestimmt gewesen. Am 1. Juli jedenfalls läuft die Zulassung von Glyphosat aus. Gibt es im Vorfeld nicht doch noch eine Einigung, sind glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel in der EU Geschichte. (stro, 17.6.2016)

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