Eine Verwechslung

Kolumne16. Juni 2016, 21:39
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Die Uefa nimmt und gibt. Um ihre Menschlichkeit und Volksnähe zu demonstrieren, muss jede an der EM beteiligte Mannschaft ein öffentliches Training absolvieren. Auf dem Sportplatz in der Nähe des Stammquartiers. Österreich hat in Mallemort eine zweite Vorstellung freiwillig hinter sich gebracht. Sie war im Gegensatz zur ersten nicht ausverschenkt, nur rund 300 Fans haben sich im Stade d’Honeur eingefunden, 500 hätten Platz gehabt. Die Zahl erinnerte an die Sky Go Erste Liga. Es waren vornehmlich Kinder, sie waren zunächst leicht irritiert, da Marcel Koller nur zwölf Spieler hergezeigt hat. Der Rest, die gloriose Startformation vom 0:2 gegen Ungarn, regenerierte unbeobachtet im Hotel. Die aufgeweckte Schar rief trotzdem begeistert und immer wieder "Alaba", "Alaba", "Alaba". Auch Frankreich dürfte tief in einer Bildungskrise stecken, denn der Alaba war in Wirklichkeit der Rubin Okotie. Vermutlich dachte die französische Zukunft auch, dass der Lukas Hinterseer der Marc Janko, der Markus Suttner der Marko Arnautovic ist.

Natürlich hätte man als Ohren- und Augenzeuge zu den Kindern gehen, sie auf ihren Irrtum aufmerksam machen können. Aber das wäre eine pädagogische Katastrophe gewesen. Denn Illusionen sollen nie vor der Pubertät geraubt werden. Okotie hat nach der Einheit Autogramme geschrieben. Leider mit seinem richtigen Namen. David Alabas Unterschrift einfach zu fälschen, wäre wohl zu viel verlangt gewesen. Vielleicht ist Cristiano Ronaldo am Samstag in Paris auch nur eine Illusion. Am Sonntag findet, dem ÖFB sei Dank, noch ein öffentliches Training statt. Hoffentlich kein desillusionierendes. (Christian Hackl, 16.6.2016)

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