Asylwerber aus Nigeria wurde Kleinunternehmer in Vorarlberg

17. Juni 2016, 14:38
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Asylwerber dürfen als Selbstständige arbeiten. Charles Onyebuchi hat mit Unternehmer Stefan Bitschnau eine Firma gegründet

Bludenz – "Charles Chubuzor Onyebuchi, Gesellschafter", steht auf der Visitenkarte des jungen Mannes. Wählt man seine Nummer, meldet er sich mit "Das ist Charles von Bergzebra". Hinter dem ungewöhnlichen Firmennamen steckt ein Zweimannbetrieb: Charles Onyebuchi, der Asylwerber aus Nigeria, als Mann der Tat und Stefan Bitschnau, Inhaber eines Technikbüros in Bludenz, als Teilhaber und Mitgründer.

Der junge Unternehmer Bitschnau versucht seit Monaten Asylwerber in seiner Firma zu beschäftigen. Die zahlreichen Behördenkontakte verliefen erfolglos, mürbe wurde der Maschinenbauer aber nicht. Für seinen Freund Charles, den er bei einem Besuch in der Flüchtlingsunterkunft Götzis kennen und schätzen lernte, fand Bitschnau eine Lösung: "Ich bin draufgekommen, dass Selbstständigkeit die einzige Möglichkeit für Asylwerber ist, legal arbeiten zu können."

Denn drei Monate nach ihrer Zulassung zum Asylverfahren dürfen Asylwerber und Asylwerberinnen eine selbstständige Tätigkeit aufnehmen, vorausgesetzt, sie erfüllen alle bürokratischen Auflagen für eine Unternehmensgründung. Scheinselbstständigkeit wird nicht geduldet.

Bitschnau und Onyebuchi entwickelten gemeinsam das Projekt "Bergzebra" und gründeten die Bergzebras Dienstleistungen OG. Das Bergzebra nahmen sie in Namen und Logo ihrer Firma, weil es als antirassistisches Symbol für die Überwindung von Gegensätzen gilt.

Arbeit als Integrationshilfe

Es sei ein gutes Gefühl, eine eigene Firma zu haben, sagt Onyebuchi: "Ich möchte hier integriert sein, die Arbeit hilft mir dabei." Der Nigerianer lebt "seit einem Jahr und drei Monaten" in Österreich. Traiskirchen, Klosterneuburg, Götzis waren vor Bregenz seine Stationen. "Ich habe hier niemanden gekannt, bis ich Stefan getroffen habe", erzählt der 29-Jährige, der in Nigeria vor seiner Flucht Betriebswirtschaft studierte.

Mit Charles Onyebuchi könne man Projekte entwickeln, er zeige "unglaublich Energie", sagt Bitschnau, der für seinen Geschäftspartner den Behördenparcours übernahm. Sechs Monate habe es bis zur Firmenbucheintragung gedauert.

Bergzebras im Garten

Seit Anfang Juni bieten die Bergzebras nun Dienstleistungen rund um Haus und Garten und einfache landwirtschaftliche Tätigkeiten an. Jungunternehmer Onyebuchi ist für Telefondienst, Terminvereinbarungen und die manuellen Arbeiten zuständig, sein Partner für Behördengänge und finanzielle Starthilfe.

Ziel ist es, mit dem Kleinunternehmen Einnahmen über der Mindestsicherung zu erreichen. Denn der junge Mann möchte von staatlicher Unterstützung unabhängig sein. Und hofft, dass seine Initiative zu einem positiven Asylbescheid führt: "Ich bin optimistisch, es wird schon gutgehen." Derzeit wohnt Onyebuchi in einem Flüchtlingsquartier der Caritas in Bregenz. Sein nächstes Ziel ist eine eigene Wohnung. Bis er die gefunden hat, kann er in dem Quartier bleiben.

Nicht jeder kann Unternehmer werden

Das Beispiel des Unternehmerduos ist in Vorarlberg einmalig. "Jede Initiative, die Asylwebern Arbeit ermöglicht, ist willkommen", sagt Bernd Klisch, Leiter der Caritas-Flüchtlingshilfe. Eine Welle an Firmengründungen erwartet er jedoch nicht: "Da muss jemand schon sehr gute Voraussetzungen mitbringen, bei den Sprachkenntnissen angefangen", sagt Klisch. Und dann müsse man auch noch unternehmerisch denkende Menschen zur (finanziellen) Unterstützung finden.

Noch stehen die Business Angels bei der Caritas nicht Schlange. (Jutta Berger, 17.6.2016)

  • Vorarlbergerisch-afrikanisches Unternehmerduo: Stefan Bitschnau (links) und Charles Onyebuchi bieten Dienstleistungen für Haus und Garten an.
    foto: lisa mathis

    Vorarlbergerisch-afrikanisches Unternehmerduo: Stefan Bitschnau (links) und Charles Onyebuchi bieten Dienstleistungen für Haus und Garten an.

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