6.000 Jahre alte Schädel zeigen Spuren chirurgischer Eingriffe

16. Juni 2016, 17:14
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13 bronzezeitliche Schädel aus Russland weisen jeweils ein Loch an der gleichen Stelle auf

Berlin – Ein deutsch-russisches Forscherteam hat 6.000 Jahre alte Schädel mit Anzeichen chirurgischer Eingriffe entdeckt. Anthropologen fanden in Südrussland insgesamt 13 solcher Schädel aus der Bronzezeit mit einem Loch an der gleichen Stelle, wie das Deutsche Archäologische Institut mitteilte. Die meisten der Patienten – Männer, Frauen und Kinder im Alter zwischen zehn und 60 Jahren – dürften nach Ansicht der Forscher den Eingriff überlebt haben.

Die Forscher vermuten rituelle Gründe für diese hoch riskanten Trepanationen. Es wurden keine Spuren von Traumata oder Krankheiten sichtbar gemacht, die ein medizinischer Grund für eine Schädelöffnung gewesen sein könnten. Allerdings ist es sehr schwierig und meistens sogar unmöglich, die Gründe für eine Operation an einem Schädel zu erkennen. War der Anlass ein Trauma, sind möglicherweise noch Bruchlinien am Schädel zu sehen. Handelte es sich um eine Krankheit wie Epilepsie oder Migräne oder um rituelle Gründe, sind am Knochen keine Hinweise auf den Operationsgrund sichtbar.

Laut Röntgen- und computertomografischen Analysen wurden die Operationen mit zwei unterschiedlichen Techniken vorgenommen: Das Loch entstand entweder durch Schaben mit einem scharfen Gegenstand oder durch Ausschneiden eines rundlichen Knochenstücks. Das und die Einheitlichkeit bei der Wahl der Stelle – mittig, leicht oberhalb des Hinterkopfs – zeige, dass die Operationen von eigenen Spezialisten durchgeführt worden seien, die diesen Punkt am Schädel absichtlich wählten. Der Bericht wurde im Fachmagazin "American Journal of Physical Anthropology" veröffentlicht. (APA, red, 16. 4. 6. 2016)

  • Bei diesem Menschen wurde die Trepanation mittels Schabetechnik durchgeführt. Alles ist gut verheilt, der Behandelte hat danach noch lange gelebt.
    foto: julia gresky / deutsches archäologisches institut

    Bei diesem Menschen wurde die Trepanation mittels Schabetechnik durchgeführt. Alles ist gut verheilt, der Behandelte hat danach noch lange gelebt.

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