Spanien vs. Türkei als haarige Angelegenheit

16. Juni 2016, 16:02
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Del Bosque sucht die Gasse, die Türken sprechen mehr über Frisuren

Nizza – Manuel Agudo Durán, den sie als Stürmer nur Nolito nennen, fleht: "Habt Vertrauen, Freunde, die Tore werden kommen." Werden sie? Spaniens Team – die Furia roja – leidet, wie alle kurzspielenden Teams, darunter, dass es gefinkelte Gegner gibt, die sich darauf einstelle.

Beim 1:0 gegen die Tschechen war das sehr gut wieder zu sehen, aber das mag daran liegen, dass die mala ulica ja in Prag erfunden worden ist. Die mala ulica – die kleine Gasse – ist das Ziel allen Tiqui-tacas, allen Scheiberlns, dem halt leider immanent ist, leicht zum Selbstzweck zu entarten.Das ist den Spaniern auch früher schon manchmal passiert. Gegen Gegner, welche stets die kleine Gasse im Auge haben, tun sie sich immer noch schwer.

Immer besser

Die Stoßtruppartigen, Fernando Torres und Diego Costa, sind daheim geblieben. Spaniens ewiger Coach Vicente del Bosque spricht ihnen Systemtauglichkeit ab. "Die Angreifer müssen sich immer bewegen und lernen, das Spiel hinter ihnen zu perfektionieren."

Hinter ihnen bewegt sich etwa ein Andrés Iniesta, der mit seinen 32 Jahren eher als leiser werdender Abschiedsgruß der Goldenen Generation Spaniens gehalten wird. Aber, so Teamkollege Sergio Busquets, siehe da: "Die Jahre ziehen ins Land. Und er wird einfach immer besser.

Trubel bei der Türkei

Was sich vom Zweitrundengegner, der Türkei (Freitag, 21 Uhr im Liveticker), nicht unbedingt sagen lässt. Spaniens Team denkt und handelt als Team, die Türken sind sich – wenn man so plump anspielen darf – in die Haare geraten. In die von Verteidiger Ozan Tufan vor allem. Der richtete sich in eben jenem Augenblick die Frisur, als Auftaktgegner Kroatien – Luka Modrić – das 1:0 erzielte.

Und weil es in der Türkei gerade üblich geworden ist, wie die Haftelmacher darauf zu schauen, was dort in Avrupa gegen die Türkei ins Treffen geführt wird, war das Frisieren gleich aufgeregtestes Diskussionsthema. Da kann der 21-jährige noch so raunzen: "Ich finde es nicht nachvollziehbar, dass ein einziger Moment, in dem ich mir die Haare richte, auf die Tagesordnung der gesamten Türkei kommt." Auch sein Klubboss Aziz Yildirim von Fenerbahçe schimpfte: "Man wirft ein junges Talent den Wölfen zum Fraß vor."

Zerstrittener Haufen

Zur leidigen Frisurengeschichte gesellt sich eine von Emre Mor, der angeblich für ein Foto mit Luka Modrić unnötig lange in den Katakomben gewartet hatte. Kapitän Arda Turan von Barcelona stehe, sagt sogar Teamchef Fatih Terim, in Transferverhandlungen, habe wenig Spielpraxis und darüber hinaus private Probleme.

Kurz und gut: eine auf das Turniergeschehen fokussierte Truppe sieht anders aus. Das muss auch der Teamchef zugeben. Aber Terim kündigt an: "Gegen Spanien steht die Türkei auf dem Platz, die wir alle sehen wollen." Mag sein. Mag sein, es wird auch bloß die sein, welche die Spanier sehen wollen.

"Unser Ziel", so Vicente del Bosque klar, "ist natürlich der Gruppensieg." Dazu wird es notwenig sein, im türkischen Abwehrriegel jene kleine Gasse zu finden, die sich für den Gegner als haarige Angelegenheit entpuppt. (sid, wei, 16.6.2016)

  • Im Auftaktspiel gegen die Tschechische Republik war Andres Iniesta einer der besten Spieler am Platz.
    foto: apa/afp/pascal guyot

    Im Auftaktspiel gegen die Tschechische Republik war Andres Iniesta einer der besten Spieler am Platz.

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