Verlotterung der österreichischen Verwaltung

Einserkastl16. Juni 2016, 17:00
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Bisher galt die Verwaltung als umständlich bis skurril, aber als verlässlich

Der Verfassungsexperte Heinz Mayer sprach von "unfassbaren Schlampereien" bei der Auszählung der Stichwahlstimmen für die Bundespräsidentenwahl. Der Verfassungsgerichtshof wird nun in einem Zeugenvernehmungsmarathon nächste Woche klären müssen, ob so viele Stimmzettel zu früh oder von nicht von befugten Personen ausgezählt etc. wurden, dass die Wahl wiederholt werden muss. Ein politisches Erdbeben wegen österreichtypischer Verlotterung?

Täuscht der Eindruck, oder greift in der jüngeren Vergangenheit nicht auf vielen Ebenen eine Verlotterung um sich? Gerade in Bereichen, wo die Komplementärseite des österreichischen Wesens, nämlich penible Tüftelei und pedantische Vorschriftentreue, lange Zeit korrekte Abläufe und ordnungsgemäßes Gebaren garantierten? Die österreichische Verwaltung galt/gilt als umständlich bis skurril, aber als verlässlich.

Wer Entschuldigungsschreiben von der Bank erhält, dass man leider den Betrag jemand ganz anderem gutgeschrieben habe; wessen CT-Befund das Vorliegen einer terminalen Leberzirrhose ausweist, was leider "am Computer" liegt, der zwei keineswegs namensgleiche Patienten vertauscht hat; wer sich über die Häufigkeit wundert, mit der die Post "nicht angetroffen" ins Kastl schmeißt, ohne dass jemand geklingelt hat – der beginnt über Fragen des Arbeitsethos im geschützten Bereich nachzugrübeln. (Hans Rauscher, 16.6.2016)

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