CIA: Waterboarding weniger effizient als Schlafentzug

16. Juni 2016, 15:40
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Dokumente nach Klage einer Menschenrechtsorganisation veröffentlicht

Am Dienstag veröffentlichte Geheimdokumente des US-Geheimdienstes CIA geben einen Einblick in die Verhörmethoden, mit denen unter Präsident George W. Bush versucht wurde, Terrorismusverdächtige zur Aussage zu bewegen. Die insgesamt 900 Seiten, die auf Antrag der Bürgerrechtsbewegung American Civil Liberties Union (ACLU) publikgemacht werden mussten, sind stellenweise stark zensuriert: So besteht das Dokument "Erwartete Auslandsreaktionen auf die Bekanntmachung des geheimen Terroristen-Internierungsprogramms" aus 13 weißen Blättern. Auch der "Antwortvorschlag auf den Brief von Human Rights Watch" ist leer.

183 Mal auf dem Waterboard

Andere Protokolle sind aufschlussreicher: Ein Papier dokumentiert, wie der mutmaßliche 9/11-Planer Khalid Sheik Mohammed (KSM) im März 2003 insgesamt 183 Mal auf dem Waterboard gefoltert wurde. Bei dieser "Verhörmethode" liegt das Opfer auf einem geneigten Brett mit dem Kopf nach unten auf dem Rücken, Mund und Nase werden mit einem Tuch bedeckt, über das dann Wasser gegossen wird, um die Luftzufuhr abzuschneiden.

Die Ermittler verwendeten im Schnitt 19 Liter Wasser pro Sitzung, trotzdem gelang es nicht, KSM relevante Informationen zu entlocken. Erst nach über einer Woche Schlafentzug war sein Widerstand gebrochen. Danach "musste man zwar immer noch die richtigen Fragen stellen", aber bis 30. April 2003 konnten anhand seiner Aussagen 140 Berichte angelegt werden.

Umfangreiches Geständnis

So gestand KSM, dass er für die Anschläge am 9. September 2001 verantwortlich sei, einen Anschlag auf den damaligen Papst Johannes Paul II. geplant habe, angestrebt habe, den Panamakanal zu zerstören sowie Brücken in New York und Chicago zu sprengen.

Ein anderes Dokument belegt, wie die CIA-Ermittler versucht haben, den Saudi Abd al-Rahim al-Nashiri zur Aussage zu bewegen. Er soll den Anschlag auf das Kriegsschiff USS Cole geplant haben, bei dem im Oktober 2000 im jemenitischen Aden 17 Besatzungsmitglieder ums Leben kamen.

Folter mit der Bohrmaschine

Zeugen berichteten, sie hätten gesehen, wie Ermittler dem Verdächtigen eine Pistole an die Schläfe gehalten und diese durchgeladen hatten. Später stülpten sie ihm eine Kapuze über den Kopf, entkleideten ihn und bedrohten ihn mit einer eingeschalteten Bohrmaschine. Ein Zeuge betont, diese habe keinen Bohrer enthalten, der andere glaubt, ein Schraubbit gesehen zu haben. Außerdem wurde al-Nashiri seinen eigenen Angaben zufolge über einen Monat lang kopfüber aufgehängt.

Er sagte darauf hin aus, Al-Kaida-Gründer Osama bin Laden sei im Besitz einer funktionierenden Atombombe, und gestand, zahlreiche Anschläge geplant zu haben. In seinem Prozess vor einem US-Militärgericht in Guantánamo widerrief er später diese Aussagen, weil sie durch die Anwendung von Folter zustande gekommen seien.

Der Afghane Gul Rahman erfror in einem US-Gefangenenlager, nachdem er bei Minustemparaturen halbnackt in einer ungeheizten Zelle an den Boden gefesselt worden war. Der Bericht über seinen Tod hält fest, dass ihn eine Teilschuld an seinem Tod träfe: Da er seine letzte Mahlzeit auf die Gefängniswärter geworfen habe, habe sein Körper nicht genug Energie gehabt, um ihn warmzuhalten, durch die Fixierung auf dem kalten Betonboden sei dem Körper zusätzlich Wärme entzogen worden.

US-Präsident Barack Obama untersagte bei seinem Amtsantritt der CIA, die umstrittenen Verhörmethoden weiter anzuwenden, der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hat allerdings bereits angekündigt, dieses Verbot widerrufen zu wollen. (bed, 16.6.2016)

  • Khalid Sheik Mohammed nach seiner Festnahme in Pakistan.
    foto: ap

    Khalid Sheik Mohammed nach seiner Festnahme in Pakistan.

  • Gul Rahman erfror in US-Gewahrsam.
    foto: ap/habib rahman

    Gul Rahman erfror in US-Gewahrsam.

  • Abd al-Rahim al-Nashiri auf einer Gerichtszeichnung.
    ap/hamlin

    Abd al-Rahim al-Nashiri auf einer Gerichtszeichnung.

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