Vom Köpfeln der Worte im Tanz

16. Juni 2016, 16:45
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Vielversprechender Doppelabend der beiden jungen Choreografinnen Käthe Kopf und Malika Fankha im Tanzquartier Wien

Wien – Vielsagend kann zum Beispiel ein Blick sein, eine Geste oder ein Schweigen. Wenn ein Moment vielsagend wird, scheint der Tanz nicht weit. Die beiden jungen Choreografinnen Katharina Greimel – hier Käthe Kopf zu nennen – und Malika Fankha allerdings wenden sich in ihren aktuellen Uraufführungen im Tanzquartier Wien dem Wort zu und lassen es tanzen.

Dabei nützt den Künstlerinnen, dass Tanz schon längst keine wortlose Kunst mehr ist. Zum Tanz passt, dass auch Wörter "vielsagend" sein können und dann meist mit Mehrdeutigkeiten beglücken. In diesem Sinn kommt Käthe Kopf mit der Einladung: mach dir einen kopf. Punkt. Käthe, die Kunstfigur, will das so. Damit, könnte man sagen, überzieht sie ihre Autorin, Katharina, mit sich selbst.

Tanz aus Muskeln und Innereien

Käthe ist hier nicht nur Katharinas Stimme, sondern auch die Tänzerin, die im übertragenen Sinn lässig an der kartesianischen Guillotine – Trennung von Körper und Geist – lehnt. Dabei lässt sie ihre Sprache aus Muskeln (Tanz) und Innereien (Wort) fließen. In den nüchternen Worten der Autorin und Choreografin, die auch Medizin studiert hat, heißt das: Für Käthe Kopf ist "die Sprache untrennbar mit einem Bewusstsein für unsere Körper in Bewegung verbunden". Für sie ist Sprache ein "Mittel choreografischer Praxis". Daraus resultiert, wie bereits zu sehen war, eine Verbindung des Literarischen mit starker körperlicher Präsenz.

Sprache ist Musik

Die Choreografin und DJane Malika Fankha geht die Sprache aus einer Pop-Perspektive an: "A word. I say a word. I repeat the word. I repeat it until it has lost its meaning. Until it is just a sound. It sounds like ... another word." Das Wort hat Rhythmus, die Sprache ist Musik, und Fankha bringt das in More Issues Than Vogue auf den Punkt, in den Körper und auf die Bühne.

Auch hier schwingt sich eine fiktive Figur auf – allerdings mit autobiografischen Elementen. Im Unterschied zu Käthe Kopf, die ihren Sprachrausch aus linguistischen Treibstoffen befeuert, jongliert Fankha mit den schillernden Effekten einer Sprache, die aus Zuspitzung und satirischer Travestie kommt. Sie nennt ihre Show eine "Montage aus polyphonen Kurzgeschichten". Ein echtes Erlebnis – für ein Publikum über 12 Jahren. (Helmut Ploebst, 16.6.2016)

"mach dir einen kopf.", 17. und 18. 6., jeweils um 19.30

"More Issues Than Vogue", 17. und 18. 6., jeweils um 21.00

  • Malika Fankhas Beitrag zum Doppelabend mit Käthe Kopf. Die Choreografinnen zeigen in den TQW Studios Uraufführungen.
    foto: tim tom/ tqw

    Malika Fankhas Beitrag zum Doppelabend mit Käthe Kopf. Die Choreografinnen zeigen in den TQW Studios Uraufführungen.

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