Deutsche Telekom nimmt Internet-Provider HEG ins Visier

16. Juni 2016, 13:06
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Kaufpreis auf 1,7 Milliarden Euro geschätzt – Telekom will nicht alleine dafür aufkommen

Die Deutsche Telekom hat Insidern zufolge ein Auge auf den europäischenInternet-Dienstleister Host Europe (HEG) geworfen. Der Telekommunikations-Konzern suche dafür nach einem Partner aus der Beteiligungs-Branche. Gespräche habe es unter anderem mit den Finanzinvestoren Blackstone und Hellman & Friedman gegeben, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Der Finanzinvestor Cinven hatte Host Europe in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Die Firma ist inzwischen deutlich größer als der Webhoster der Telekom, die Berliner Strato.

Kaufpreis auf 1,7 Milliarden Euro geschätzt

Der Bonner Konzern wolle den auf rund 1,7 Milliarden Euro geschätzten Kaufpreis für HEG nicht allein stemmen und das Risiko begrenzen, hieß es in Finanzkreisen. Die Telekom strebe ein Gemeinschaftsunternehmen mit je 50 Prozent der Anteile an. Die britische Beteiligungsgesellschaft Cinven dürfte HEG noch vor der Sommerpause wieder zum Verkauf stellen. Dann müsste die Telekom bereit sein. Die Deutsche Bank begleitet den Prozess. Die Beteiligten wollten sich zu den Informationen nicht äußern.

Cinven hatte HEG 2013 für 438 Millionen Pfund gekauft und seither europäische Konkurrenten wie Telefonica Germany Online Services, Domainfactory und Intergenia aufgekauft. Trotzdem ist der Markt noch stark fragmentiert – viel Potenzial für den nächsten Eigentümer. Der Firmensitz von HEG ist heute in Großbritannien, die Wurzeln liegen aber in Deutschland. Hier betreibt HEG noch mehrere Rechenzentren und erwirtschaftet einen beträchtlichen Teil des Umsatzes. Kleine und mittelgroße Firmen können bei Host Europe Internet-Adressen registrieren sowie E-Mail- und Internet-Server betreiben lassen.

Teurere Webhosting-Kunden

Webhosting-Kunden gelten im Vergleich zu Mobilfunk-Kunden als treuer, was sie für die Telekommunikations-Unternehmen – aber auch für Finanzinvestoren – attraktiv macht. HEG hat nach eigenen Angaben rund 1,7 Millionen Kunden und verwaltet sieben Millionen Internet-Domains. Strato kommt auf vier Millionen Domains für 1,5 Millionen Vertragskunden. Dabei ist HEG weitaus profitabler als die Telekom-Tochter, die Finanzkreisen zufolge nur einen operativen Gewinn (Ebitda) von 30 Millionen Euro erreicht. HEG erwartet Insidern zufolge in diesem Jahr 140 Millionen.

Für die Telekom ist es nicht das erste Mal, dass sie sich mit Finanzinvestoren zusammentut. BeimInternet-Anzeigenmarkt Scout24 hatte sie Blackstone und Hellman & Friedman mit ins Boot geholt. Am Wettbieten um den Sportwettenanbieter Tipico hatte sie sich Insidern zufolge zusammen mit Centerbridge beteiligt, war aber dem Finaninvestor CVC unterlegen. (Reuters, 16.6.2016)

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