Jan Böhmermanns Zukunft: Es darf spekuliert werden

16. Juni 2016, 12:44
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ZDF will sich zu Vertragsinhalten nicht äußern – Deutscher Satiriker könnte neue mediale Heimat finden. Böhmermann selbst kann "zum jetzigen Zeitpunkt nichts dazu sagen"

Berlin – Jan Böhmermann ist schon jetzt der Mann des Jahres 2016 im deutschen Bewegtbild. Seit seinem Schmähgedicht über den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan ist der 35-jährige Satiriker in aller Munde. Das mag Böhmermann vor allem wegen der juristischen Folgen nicht immer recht gewesen sein – seinen Marktwert dürften die spektakulären Ereignisse allerdings gesteigert haben.

Die Frage ist: Wird Böhmermann seinem Sender, dem ZDF, über das Jahr 2016 die Treue halten? Das Magazin "Stern" berichtete, sein Vertrag mit dem Mainzer Sender laufe Ende des Jahres 2016 aus. "Zu Vertragsinhalten äußern wir uns nicht", sagte ein ZDF-Sprecher. "Nach der Sommerpause geht's Ende August mit dem 'Neo Magazin Royale' weiter." Und das läuft immer donnerstagabends auf ZDFneo. In seiner bisher letzten Sendung verabschiedete sich Böhmermann mit "Vielen Dank und bis nach der Sommerpause!".

Quotenboom nach Schmähgedicht

Die Quoten der Sendung haben zuletzt merklich angezogen. Auch im Netz: Die Mediathekennutzung liegt eindeutig im sechsstelligen Bereich. Nach der Rückkehr aus seiner Erdogan-Pause holte er online und am TV-Bildschirm zusammen mehr als eine Million Zuschauer ab. Ein starker Wert, zumal die Mediathek und der Sender ZDFneo normalerweise nicht auf das Massenpublikum ausgerichtet sind.

Doch wohin könnte Böhmermanns künftiger Fernsehweg steuern? Hier einige denkbare Varianten:

ZDF

Das ist die einfache Lösung. Er macht so weiter wie bisher. Doch Böhmermann ist für TV-Verhältnisse noch jung, sollte seine Karriere optimieren und nach den Gesetzen der Marktwirtschaft ruhig auch dem Lockruf des Geldes folgen – und damit vielleicht auch mit neuen Konzepten arbeiten, ohne seine kreative Freiheit einzuschränken.

Netflix oder Amazon

Die krakenhaft um sich greifenden Streamingdienste könnten auch im TV eine neue Böhmermann-Heimat sein. Im Hörfunk-Bereich ist der Satiriker ja bereits vom öffentlich-rechtlichen Radio 1 zu Spotify gewechselt. Amazon will sich nicht an "Medienspekulationen" beteiligen, Netflix liegen keine Informationen vor.

Prosieben

Der Privatsender wäre keine schlechte Option für den intellektuellen Spaßvogel. Denkbar wäre eine Lösung am späten Montagabend, an dem ProSieben alternierend zum "Circus HalliGalli" immer wieder neue Varianten ausprobiert. Hier schaut das jüngere, intelligentere Publikum immer noch fern. Die offizielle Haltung des Senders aber ist nach Darstellung eines Sprechers: "Klares Nein für ProSieben".

ARD

Das Erste sucht insbesondere für den Donnerstagabend immer wieder nach neuen Gesichtern, die dem angestammten Sendeplatz für Humor ("Scheibenwischer") neues Profil verleihen. Doch hinter dem Ersten steckt die ARD, ein Sendergefüge mit vielen Gremien, in denen Böhmermann nicht nur Freunde haben dürfte. Eine Sprecherin der Programmdirektion will solche Fantasien nicht kommentieren.

RTL

Der private Riese ist immer wieder für eine Überraschung gut. Mit den Shows "TV Helden" und "Was wäre wenn?" hat Böhmermann RTL-Erfahrung. Kürzlich nahm er den Kölner Sender mit seinem "Verafake" zur RTL-Reihe "Schwiegertochter gesucht" satirisch aufs Korn. Kein gutes Intro. Und ob das Humorverständnis von RTL, das meist auf die Masse zielt, und das von Böhmermann synchronisierbar sind, ist schwer vorstellbar. "Neue Projekte sind mit ihm aktuell nicht geplant", heißt es von RTL.

Und was sagt Böhmermann selbst zu seiner Zukunft? Über sein Management lässt der virtuose Wortkünstler ausrichten: "Ich bedaure jedoch, ich kann Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt nichts dazu sagen." Mehr oder weniger sicher ist nur: Am 25. August kehrt Böhmermann auf ZDFneo mit dem "Neo Magazin Royale" aus der Sommerpause zurück. (Carsten Rave, dpa, 16.6.2016)

  • Die TV-Zukunft von Jan Böhmermann ist noch ungewiss.
    foto: apa/dpa-zentralbild/britta pedersen

    Die TV-Zukunft von Jan Böhmermann ist noch ungewiss.

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