Entführung einer 10-Jährigen nach 35 Jahren wieder vor Gericht

16. Juni 2016, 12:12
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Mädchen war 1981 in Deutschland entführt und in eine vergrabene Kiste gesperrt worden

Augsburg –Die Entführung von Ursula Herrmann vor 35 Jahren in Deutschland beschäftigt in einem neuen Verfahren das Landgericht Augsburg. Seit Donnerstag verhandelt eine Zivilkammer eine Klage von Ursulas Bruder Michael, der von dem zu lebenslanger Haft verurteilten Erpresser 20.000 Euro Schmerzensgeld verlangt. Nach rund einstündiger Verhandlung vertagte das Gericht auf den 14. Juli.

Es ist einer der bekanntesten Kriminalfälle des Landes: Die Zehnjährige war 1981 am Ammersee in Bayern entführt und in eine vergrabene Kiste gesperrt worden, in der sie nach Stunden erstickte. Der Erpresser, der damals einen Millionenbetrag als Lösegeld von Ursulas Eltern verlangt hatte, war erst 2010 in Augsburg nach einem langwierigen Indizienprozess wegen erpresserischen Menschenraubs verurteilt worden. Der 66-Jährige bestreitet allerdings bis heute, dass er das Mädchen entführt hat.

Zweifel an verurteiltem Täter

Kläger Michael Herrmann hofft auch, dass mit dem jetzigen Prozess noch ungeklärte Fragen des Kriminalfalls beantwortet werden. Er hat auch mehrfach angezweifelt, dass der in Lübeck inhaftierte Mann, der selbst nicht an dem Zivilverfahren teilnahm, der wahre Täter ist. Er vermutet, dass es zumindest noch Komplizen gab. Ziel seiner Klage sei, "zu innerer Ruhe zu kommen", sagte Herrmann vor Gericht.

Zu Beginn des Verfahrens am Donnerstag war ein Einigungsversuch gescheitert – beide Seiten lehnten diesen ab. Dann begann die Hauptverhandlung, in der das Gericht Herrmann zu seinen gesundheitlichen Beeinträchtigungen befragte. Der 52-Jährige macht geltend, dass er wegen des Prozesses gegen den verurteilten Täter seit dem Jahr 2010 einen Tinnitus habe, der ihn als Musiker und Lehrer sehr störe.

Beim nächsten Termin will die Kammer bekanntgeben, wie es in dem Fall weitergeht. Ein Urteil soll dann noch nicht verkündet werden. (APA, 16.6.2016)

  • Der Bruder der entführten Ursula fordert Schmerzensgeld.
    foto: karl-josef hildenbrand /dpa

    Der Bruder der entführten Ursula fordert Schmerzensgeld.

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