Garagenrock für Biker: The Mystery Lights

17. Juni 2016, 10:28
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Die Vox-Orgel eiert wie ein Kinderwagen nach einer Kollision mit dem Milchmann, die Gitarren sind auf Fuzz gestimmt

Um in New York eine Garagenband zu sein, braucht man heutzutage mindestens einen Job an der Wall Street. Wie soll man sich sonst eine Garage leisten können? Obwohl man sie sich schwer in Anzügen imaginieren kann, sind die Mystery Lights eine Garagenband aus New York. Das Genre entstand, als käsige Rock-’n’-Roll-Jünger in den 1960ern ihre Führerscheinprüfung bestanden hatten und Vaters Karre aus der Garage rollten, um diese mit Verstärkern vollzuräumen, in die sie ihre Gitarren stöpselten, um mit Effekt und Hall unerfüllten Wünschen ein akustisches Ventil zu geben. Neigungsgruppe: laut!

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The Mystery Lights bringen in diese dogmatisch vorgeschriebene Ausgangslage noch den übersteuerten Gesang ihres Sängers ein, der es in dem Protestlied Too Many Girls ("are living in my home") seiner Mutter und seinen Schwestern so richtig reinsagt. Dazu jault die Gitarre wie sein Stimmchen, ein Lied wie ein Akneanfall. Die Vox-Orgel eiert wie ein Kinderwagen nach einer Kollision mit dem Milchmann. Die Gitarren sind auf Fuzz gestimmt, an der Wand hängt ein Poster von Davie Allan & The Arrows. Der hat 1966 den Blueprint dieser Musik veröffentlicht, mit dem Soundtrack zu Roger Cormans B-Movie The Wild Angels. Ähnliches taucht seither in jedem halbwegs brauchbaren Biker-Movie auf. Fragen Sie Quentin Tarantino.

Diese Musik ist so unmodern wie nur möglich, aber Renitenz ist von jeder Mode befreit, ist immer gültig. (flu, Rondo, 17.6.2016)

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  • The Mystery Lights (Other Hand Music)
    cover: other hand music

    The Mystery Lights (Other Hand Music)

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