Erlöser Griezmann, Sieg für Frankreich über Albanien

15. Juni 2016, 23:23
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Frankreich steht dank eines späten Sieges gegen Albanien als erster Achtelfinalist fest. Die Albaner schlagen sich im Duell mit dem Favoriten wacker, bleiben aber wie schon gegen die Schweiz ohne Punkte

Marseille – Albanien konnte den ersten Punkt bei einer EM schon fast riechen – dann kam Antoine Griezmann. Der eingewechselte Stürmer köpfelte in der 90. Minute das Siegtor für Frankreich und brachte Albanien um seine Ernte, in Minute 95 legte Dimitri Payet sogar noch nach.

Das Auftaktspiel der Grande Nation gegen Rumänien war eine knappe Angelegenheit, die einzigen Aktionen von echter Grandeur kamen von Payet, darunter das Siegestor. Also zog Didier Deschamps Konsequenzen, Paul Pogba und Antoine Griezmann fanden sich auf der Bank wieder. Dafür wurde Kingsley Coman mit 20 Jahren und zwei Tagen zum jüngsten Startelf-Franzosen bei einem Großereignis. Kann man gegen Albanien, fußballhistorisch doch eher eine Petite Nation, schon einmal probieren, könnte sich Deschamps gedacht haben.

Die abwesende Prominenz Albaniens war unfreiwilliger Natur, Nantes-Verteidiger Lorik Cana fiel Gelb-Rot-bedingt um sein Pseudoheimspiel um. Also sprach König Fußball: Dritte Minute, Olivier Giroud köpfelt drüber. Zwölfte Minute, Giroud rutscht aus. Highlights einer trotz beiderseitigen Bemühens recht sparflammigen Partie. Ein französischer Fan steuert zur Unterhaltung einen Heiratsantrag bei, auf seiner Flagge steht: "Jojo, veux-tu m‘epouser???"

Wenig Highlights

Die erste albanische Duftmarke ist ein Lenjani-Schuss der Preisklasse abgerissen. Fastgroßchance Nummer eins verschläft Anthony Martial, neben Coman Deschamps‘ zweite Änderung. Mit 20 Jahren und 193 Tagen vergleichsweise ein Pensionist. 25. Minute: Sadiku rauscht haarscharf an einer abgefälschten Flanke vorbei, Lloris greift zu.

Albanien muss punkten, weiß aber, dass die französische Offensive heiß ist. 35. Minute: Coman tanzt einen Albaner aus, dann flankt er – zu Etrit Berisha. Danach: Giroud köpft drüber. Albanien wirft eine schlaue Eckballvariante ins Spiel, knapp abgeblockt, gleich ergeht es den französischen Bemühungen. Ledian Memushaj dreht einen Freistoß drüber. Die im Finish albanisch geprägte Halbzeit eins endet ohne einen Schuss aufs Tor.

Frankreich beschleunigt

Pogba darf nach der Pause wieder mitmachen, Martial bleibt draußen. Halbzeit zwei bringt Schwung mit. 47. Minute: Comans Kopfball geht knapp vorbei, 52.: Lloris dreht einen Ball an die Stange. 54.: Pogba schießt aus guter Position drüber. 59.: Payet will den Geist des Eröffnungsspiels beschwören, ihm fehlen Meter. Albanische Angriffe bietet nur mehr die Erinnerung an Halbzeit eins. 67.: Giroud köpft völlig freistehend daneben. Dann kehrt auch Griezmann zurück. 69.: Giroud köpft an die Stange! In Minute 77 haben die gescheiterten Kopfbälle des französischen Stoßstürmers ein Ende, ihn ersetzt André-Pierre Gignac.

In den letzten zehn Minuten ist Dauerbetrieb im albanischen Strafraum, die Kräfte schwinden beim Underdog zusehends. 90.: Adil Rami flankt ideal, Griezmann wird völlig vergessen – 1:0. In der fünften Minute der Nachspielzeit gelingt Payet sein zweites Tor der EM – 2:0, Abpfiff. (masc, 15.6.2016)

Gruppe A, 2. Runde:

Frankreich – Albanien 2:0 (0:0). Marseille, Stade Velodrome, 63.670, SR William Collum/SCO.

Tore: 1:0 (90.) Griezmann, 2:0 (96.) Payet

Frankreich: Lloris – Sagna, Rami, Koscielny, Evra – Kante, Matuidi – Coman (68. Griezmann), Payet, Martial (46. Pogba) – Giroud (77. Gignac)

Albanien: Berisha – Hysaj, Ajeti (85. Veseli), Mavra, Agolli – Kukeli (74. T. Xhaka) – Lila (71. Roshi), Abrashi, Memushaj, Lenjani – Sadiku

Gelbe Karten: Kante bzw. Kukeli, Abrashi

Stimmen:

Didier Deschamps (Frankreich-Teamchef): "Die Albaner haben mit Herz gespielt, und wir waren in der ersten Hälfte überhaupt nicht gut. Es war absolut nicht einfach. Aber wir konnten uns in der zweiten Hälfte steigern und dann doch noch gewinnen. Man sieht bei großen Mannschaften immer wieder, dass sie sich zuletzt noch durchsetzen. Das Publikum war fantastisch, aber wir wussten auch, dass wir den Leuten etwas bieten mussten. Jetzt, ganz am Schluss, bin ich sehr zufrieden."

Mergim Mavraj (Albanien-Abwehrspieler): "Es ist unglaublich und es ist typisch für uns. Wir haben schon im ersten Spiel gegen die Schweiz alles gegeben und Pech gehabt. Und jetzt gegen Frankreich ist es noch einmal schlimmer mit den Toren so kurz vor Schluss. Ja, wir sind jetzt absolut schlecht belohnt nach den zwei Spielen. Wir haben ja einen unbeschreiblichen Aufwand betrieben. Aber wenn man wie die Franzosen einen Griezmann und einen Pogba einwechseln kann, ist es natürlich etwas anderes als das, was bei uns abläuft. Aber wir werden wieder aufstehen, das haben wir schon mehrmals gezeigt."

Kingsley Coman (Frankreich-Mittelfeldspieler): "Man hat gesehen, dass es heute keine Mannschaften mehr gibt, die von vornherein einfach unterlegen sind. Wir haben Geduld gezeigt und Druck gemacht bis in die letzten Minuten, und dafür sind wir belohnt worden. Der Charakter unserer Mannschaft ist gut. Unser Trainer hat uns in der Pause gesagt, dass wir unbedingt schon heute ins Achtelfinale einziehen wollen und dass wir einfach viel mehr machen sollten als in der ersten Hälfte."

Gianni de Biasi (Albanien-Teamchef): "Meine Mannschaft hat sich bis am Schluss gewehrt, aber wir haben nicht bis zum Ende gut verteidigt. In der ersten Hälfte und zu Beginn der zweiten Hälfte hatten wir die klareren Chancen. Ich bin sehr glücklich darüber, wie sich die Mannschaft präsentiert hat. In der Kabine haben die Spieler die Köpfe hängen lassen, ich habe ihnen aber gesagt, dass sie diese jetzt nach oben nehmen müssen und stolz sein können auf die Art und Weise, wie sie gegen ein Topteam wie Frankreich gespielt haben. Wir haben sie wirklich vor sehr große Probleme gestellt."

  • Frankreich musste auch gegen Albanien lange bangen, ehe Antoine Griezmann zuschlug.
    foto: apa/fife

    Frankreich musste auch gegen Albanien lange bangen, ehe Antoine Griezmann zuschlug.

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