Protestcamp vor dem Linzer Landhaus: Wenige Zelte, viel Hoffnung

15. Juni 2016, 21:24
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Die Gitarre in der Hand und Ostbahn-Kurtl im Ohr – Rund 100 Teilnehmer bei nächtlicher Kundgebung

Linz – Viel konnte die späte Nachmittagssonne nicht mehr ausrichten: Die Grünflächen unmittelbar vor dem Linzer Landhaus waren an diesem Mittwochabend eher Sumpfgebiet. Gatsch und Nässe waren wohl auch der Grund, warum sich die "Lange Nacht der Mindestsicherung" eher schleppend zum geplanten Protestcamp entwickelte.

Dem Aufruf der "Plattform Solidarität Oberösterreich" sich in der Nacht vor der entscheidenden Landtagssitzung am Donnerstag, in der wohl mit schwarz-blauer Mehrheit die Kürzung der Mindestsicherung für Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte beschlossen wird, vor dem Landhaus zum Protest zu versammeln, folgten zwar immerhin gut 100 Teilnehmer. Doch nur wenige kamen mit Zelt und dem festen Willen, an der Linzer Promenade auch zu nächtigen.

Schwarzer Wackelkontakt

So standen bis etwa 21.00 gerade einmal vier Zelte. Initiator Boris Lechthaler zeigte sich im Standard-Gespräch dennoch optimistisch: "Die Nacht ist noch lang. Da werden schon noch einge Zelte dazukommen." Einen Funken Hoffnung hatte Lechthaler auch noch, was die geplanten Kürzungspläne bei der Mindestsicherung betrifft: "Ich weiß, dass es einige ÖVP-Abgeordnete gibt, die noch sehr unschlüssig sind. Vielleicht können wir mit der heutigen Veranstaltungen dazu beitragen, dass nicht alle in der ÖVP morgen diesen unsozialen Weg gehen."

Konkret soll es künftig für Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte nur mehr 365 Euro plus einen an Auflagen gebundenen Integrationsbonus von 155 Euro, also in Summe 520 Euro monatlich geben – bisher waren es maximal 914 Euro pro Monat. Abgefedert werde das Paket unter anderem durch zusätzliches Geld für Alleinerziehende und durch Erleichterungen beim Wohnen, heißt es.

Trost und Rat

Im "Camp der letzten Hoffnung" vor dem Linzer Landhaus entschied man sich dann irgendwann, statt vieler Worte lieber eine musikalische Allzweckwaffe durch die Boxen zu jagen und Trost und Rat dem Doktor Ostbahn zu überlassen. " Gestern Nocht in mein Wogn Du und i endlich allaa I streich da durch d Haar Du sogst leise: Na....."

Der zum Gesang gereichte Gerstensaft aus der Dose rundete die Stimmung ab. Und so mancher Griff dann noch selbst zur Klampfn. Für einen kurzen Moment war es wie damals – im Ferienlager. Wären da nicht die zahlreichen Plakate mit den Schriftzug "Hände weg von der Mindestsicherung" gewesen – und offenes Feuer im Stadtgebiet erlaubt. (Markus Rohrhofer, 15. 06. 2016)

  • Der mühsame Weg zur Zeltstadt
    rohrhofer

    Der mühsame Weg zur Zeltstadt

  • Gemütlicher Bürgerprotest
    foto: rohrhofer

    Gemütlicher Bürgerprotest

  • Mit der Gitarre für mehr Solidarität im Landhaus
    foto: rohrhofer

    Mit der Gitarre für mehr Solidarität im Landhaus

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