Wie man Kindern das Internet erklärt – und Vorbild ist

Blog17. Juni 2016, 09:32
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Für den Gebrauch von Smartphones, Tablets und Laptops sollte es Vereinbarungen geben, an die sich auch Erwachsene halten müssen

Laurenz (14) und David (13) verbringen ihre freie Zeit damit, Computerspiele zu spielen, miteinander zu chatten oder auch einfach nur durch das Netz zu surfen. Da beide einen Computer in ihrem Zimmer stehen haben, wird am Wochenende meist die Nacht zum Tag erklärt und bis morgens gezockt, gesurft oder Videos geschaut.

Helena (12) hat sich heimlich in einem sozialen Netzwerk registriert. Sie hat im Schulunterricht zwar gehört, dass es Jugendlichen in ihrem Alter verboten ist, da angemeldet zu sein, aber alle ihre Schulfreunde haben doch schließlich auch einen Account. Eines Tages postet jemand auf ihrer Seite Fotos und beschuldigt sie, in der Schule gestohlen zu haben. Seit einigen Wochen erhält das Mädchen Drohungen und wird verspottet. Sie kann sich nicht dagegen wehren. Aber ihren Eltern kann sie auch nicht davon erzählen.

Im Umgang schulen – und Vorbild sein

Eltern und Bezugspersonen müssen die Heranwachsenden beim Einstieg in die digitale Welt begleiten und sie im Umgang damit schulen. Meist sind Eltern und Bezugspersonen für den Nachwuchs Vorbilder im Umgang mit Smartphone, Tablet und Laptop. Leider auch schlechte: Oft liegt beim Essen das Handy der Eltern auf dem Tisch, und während dabei ein Gespräch zustande kommen sollte, beantworten die gestressten Eltern E-Mails oder Textnachrichten vom Smartphone aus.

Regeln helfen, Grenzen zu erfahren

In jeder Familie sollte es Vereinbarungen über den Gebrauch des Smartphones und Laptops geben. Kinder wollen und brauchen klare Grenzen und Regeln, an die sie sich halten können. Es ist wichtig und sinnvoll, Kinder und Jugendliche je nach Alter miteinzubeziehen und auch gemeinsam festzuhalten, welche Konsequenzen es hat, wenn die Vereinbarungen nicht eingehalten werden. Adäquate Konsequenzen sollte es natürlich auch für die Erwachsenen geben.

Oft geben Jugendliche untereinander damit an, wie viele Freunde sie auf diversen sozialen Seiten bereits gewonnen haben. Sie erleben in der Realität, dass es unmöglich ist, so viele Freunde zu haben. Leider schaffen es viele nicht, zwischen realen und virtuellen Freundschaften und Bekanntschaften zu unterscheiden.

Offen reden

Die jungen Internet-User sind durchaus gewillt, Erwachsene in ihr Surfverhalten miteinzubeziehen oder von ihren Erlebnissen in Onlinespielen zu erzählen. Hier ist aufmerksames Zuhören gefragt, denn vor allem jüngere Kinder erleben vieles zum ersten Mal.

Das Internet und damit soziale Netzwerke, Chats und Onlinespiele bergen neben dem Spaßfaktor auch eine nicht als gering einzuschätzende Gefahr. Sobald ein Kind allein online gehen darf, müssen ihm mögliche Gefahren bewusst gemacht werden. Erwachsene könnten sich etwa als Gleichaltrige ausgeben und versuchen, das Vertrauen der Minderjährigen zu gewinnen, um über Sex oder auch Suizid zu sprechen oder sich mit ihnen zu verabreden.

Hier ist es auch wichtig zu vermitteln, dass das Kind jederzeit zu Eltern oder Bezugspersonen kommen kann, sollte es Dinge lesen oder sehen, die verschrecken, Angst machen oder von denen es nicht weiß, wie es damit umgehen soll. Gleichzeitig muss klargemacht werden, dass nicht jeder Inhalt jeder Seite vertrauenswürdig ist und vieles von dem, was im Netz so herumschwirrt (Stichwort Pornografie), nicht für jedes Alter gedacht ist.

Datenschutz thematisieren

Nicht jedes Erlebnis, jede Begebenheit oder jedes Foto muss online geteilt werden. Es ist meist eine Gratwanderung für Kinder, Jugendliche und sogar Erwachsene, abzuschätzen, welche Inhalte sie ins Netz stellen können oder welche ihnen irgendwann später zum Verhängnis werden könnten. Denn so viel ist sicher: Das Internet vergisst nie.

Der Nachwuchs muss lernen, möglichst wenig persönliche Daten über sich selbst und schon gar nicht über andere öffentlich zu machen. Bilder und Informationen über andere dürfen nicht ohne Erlaubnis der Betroffenen ins Netz gestellt werden. Zu schnell kann so etwas unangenehme Folgen haben – vom Freundschaftsabbruch über Mobbing bis zur Verleumdungsklage.

Informationen bewerten lernen

Auch das Suchen nach Informationen will gelernt sein. Das Internet bietet zu unendlich vielen Themen nahezu unbegrenzt viel Information. Nicht jede ist kindgerecht aufbereitet. Daher gibt es eigene Suchmaschinen für Kinder. Es ist durchaus sinnvoll, mit Kindern die Suche nach Inhalten zu üben und gemeinsam die gefundenen Ergebnisse zu bewerten. Nicht jeder Inhalt ist gut aufbereitet und richtig. Alle Internetnutzer sollten also kritisch gegenüber Inhalten sein.

Auch wenn es mehr Zeit in Anspruch nimmt, sollten Kinder lernen, auf unterschiedlichen Seiten nach Informationen zu suchen. Das macht es manchmal leichter, das Richtige und Aktuelle aus der Flut der Informationen herauszufiltern. Auch die Verwendung des gefundenen Inhalts für schulische Aufgaben will gelernt sein. Einfaches Kopieren ist nie sinnvoll, nicht erlaubt, und Lehrer mögen das auch nicht.

Ihre Erfahrungen?

Das Internet verändert sich ständig. Heute finden Kinder und Jugendliche diese und jene Seiten spaßig, morgen ist ein anderes Portal viel besser und spannender. Eltern und Bezugspersonen müssen sich mit den Seiten auseinandersetzen – es ist ihre Aufgabe, Kinder und Jugendliche so zu schulen, dass sie einen verantwortungsbewussten Umgang mit den neuen Medien lernen.

Wie handhaben Sie den Umgang mit Smartphone und Tablet in Ihrer Familie? Wie haben Sie Ihren Kindern die Möglichkeiten und Gefahren des Internets erklärt? Welche Regeln gibt es für den Umgang mit den neuen Medien bei Ihnen? Posten Sie Ihre Erfahrungen und Ideen im Forum! (Andrea Leidlmayr, Christine Strableg, 17.6.2016)

Andrea Leidlmayr und Christine Strableg bloggen auf derStandard.at/Familie und geben Eltern Tipps für den täglichen Erziehungsalltag.

  • Die jungen Internet-User sind durchaus gewillt, mit Eltern oder Bezugspersonen über ihr Surfverhalten zu reden.

    Die jungen Internet-User sind durchaus gewillt, mit Eltern oder Bezugspersonen über ihr Surfverhalten zu reden.

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