Bezahlen mit Kreditkarte bald nur mehr mit PIN-Code möglich

16. Juni 2016, 08:00
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Bargeldloses Einkaufen per Unterschrift ist ein Auslaufmodell. Die Umstellung auf Kreditkarten mit PIN-Code soll mehr Sicherheit bringen

Wien – Datenschutzbedenken sind einer der Hauptgründe, wieso Österreich zu den letzten Bargeldhochburgen zählt. Nun werben Kreditkartenanbieter für mehr Sicherheit bei der Bezahlung mit Plastikgeld. Ermöglicht werden soll das aber nicht durch eine bahnbrechende neue Technologie, sondern durch die schon lange bestehende Möglichkeit der Authentifizierung als rechtmäßiger Karteneigentümer per PIN (Personal Identification Number).

Was bei der Bezahlung mit Bankomatkarte seit Jahrzehnten zur Anwendung kommt, setzt sich bei Kreditkarten erst jetzt durch – zumindest hierzulande, ist die Identifizierung durch den vierstelligen Zahlencode in den meisten Ländern doch schon lange Standard.

Vier Ziffern gegen Betrüger

Card Complete, Marktführer in Österreich bei der Abwicklung der Zahlungsströme für Mastercard und Visa, stellt derzeit um. Seit April funktionieren neu ausgegebene Karten nur noch mit der persönlichen Identifikationsnummer. Bestehende Karten werden nach Ablauf ihrer Gültigkeit ausgetauscht. Die Zahlenkombination für die Geheimzahl kann der Kartenhalter selbst festlegen.

Auch der zweite große Lizenznehmer, Six, will nachziehen, auch wenn es dafür noch keinen Zeitplan gibt. Der Anbieter, auch unter der Marke Paylife bekannt, lässt seinen Kunden vorerst noch die Wahl: Die Authentifizierung kann bei neu ausgestellten Karten entweder per PIN oder Unterschrift erfolgen. 60 Prozent der Neukunden entscheiden sich für Ersteres, der Trend gehe eindeutig in diese Richtung, sagte eine Sprecherin dem STANDARD.

Vorteile überwiegen

Dass die Variante mit Unterschrift unabhängig vom jeweiligen Anbieter langsam, aber sicher ausstirbt, sehen Konsumentenschützer positiv. "Die PIN hat sich bei Bankomatkarten bewährt", sagt Bernd Lausecker, Finanzexperte beim Verein für Konsumenteninformation. Für ihn ist die PIN ein zusätzliches Authentifizierungsmerkmal, das für mehr Sicherheit sorgt: "Manche Kunden bewerten die Änderung vielleicht als komfortmindernd, die Nachteile sind aber überschaubar."

Entwarnung gibt der Experte auch bezüglich eines vielgehegten Verdachts: dass nämlich die Kartenanbieter mit der Umstellung versuchen würden, die Haftung für finanzielle Schäden im Falle eines Kartenbetruges auf die Konsumenten abzuwälzen. "Bisher haben wir nichts in diese Richtung Gehendes wahrgenommen", so Lausecker.

Das Thema ist durchaus heikel. Erst vor wenigen Wochen entschied der Oberste Gerichtshof: Vertragsklauseln, die Kunden jedwedes Notieren der PIN untersagen, sind rechtswidrig. Demnach ist es nur grob fahrlässig, die Kombination auf die Karte zu schreiben oder beides gemeinsam in der Geldtasche aufzubewahren. Die Geheimnummer zu Hause gut versteckt in schriftlicher Form aufzuheben ist aber in Ordnung.

Teure Barbehebung im Ausland

Auch Versuche, den Kunden etwaige Umstellungskosten umzuhängen, seien bisher nicht zu beobachten, sagt Lausecker.

"Die Mischung macht's", heißt übrigens das Credo in Sachen Zahlungsverhalten im Urlaub. Zwar fallen im Ausland bei Verwendung der Kreditkarte teils saftige Gebühren an, die Alternativen wie Barbehebung oder Bankomatkarte sind aber ebenfalls teuer. Und auch die Betrugsgefahr, etwa mittels technisch manipulierter Terminals, ist laut Lausecker bei beiden Kartenarten gleich hoch. "Wichtig ist, dass sich der Konsument bei der Eingabe des PIN-Codes nicht über die Schulter schauen lässt – unabhängig von der verwendeten Karte." (Simon Moser, 16.6.2016)

  • Bargeldlos bezahlen kann man auf viele Arten. Bald ausgedient haben jedoch Zahlungsbestätigungen per Unterschrift.
    foto: dpa/boris roessler

    Bargeldlos bezahlen kann man auf viele Arten. Bald ausgedient haben jedoch Zahlungsbestätigungen per Unterschrift.

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