Boas und Pythons: Auf getrennten Wegen zu den gleichen Ergebnissen

19. Juni 2016, 14:48
25 Postings

Australische Forscher untersuchten, wie oft die beiden Schlangenfamilien parallele Entwicklungen eingeschlagen haben

Canberra – Boas und Pythons wurden früher aufgrund ihrer Ähnlichkeiten in einer gemeinsamen Gruppe als "Riesenschlangen" zusammengefasst. Beide sind ungiftig und töten ihre Beute durch Umschlingen: Eine Taktik, die auf Dauer die Entwicklung eines größeren, muskulöseren Körperbaus begünstigt. Die beiden Gruppen stellen die größten heute lebenden Schlangen: Netzpythons können über sechs Meter lang werden, Große Anakondas bis zu neun. Die größte bekannte Schlange aller Zeiten, Titanoboa, lebte vor 60 Millionen Jahren und wurde sogar 13 Meter lang.

Inzwischen sind Biologen aber davon abgekommen, die beiden Gruppen zusammenzufassen. Einer Reihe genetischer Untersuchungen zufolge handelt es sich um zwei Familien, die nicht allzu nahe miteinander verwandt sind. Sie haben sich nur aufgrund einer vergleichbaren Lebensweise zu vergleichbarer Form entwickelt – ein klassischer Fall von konvergenter Evolution.

Immer wieder parallele Züge

Das bestätigt nun auch eine morphologische Studie der Australian National University, für die 2.000 Schlangenexponate aus australischen und amerikanischen Museen untersucht wurden. Studienhauptautor Damien Esquerre betont darin, dass es sich auch nicht nur um einen einzigen Fall von Konvergenz handelt.

Unter den in den Amerikas beheimateten Boas gibt es aquatische Spezies, grabende und in den Bäumen lebende. Und jede dieser Lebensweisen hat ihr Gegenstück bei den Pythons, die von Afrika über Asien bis nach Australien verbreitet sind. Insgesamt habe man es mit nicht weniger als fünf Fällen von konvergenter Evolution zu tun, jeweils sind die betreffenden Spezies an vergleichbare Lebensräume auf verschiedenen Kontinenten angepasst.

Wenn man sich anschaut, wie verschiedene Gruppen unabhängig voneinander die gleichen Merkmale entwickeln, wenn sie sich den gleichen Herausforderungen stellen müssen, dann könne man in der Evolution Vorhersagbarkeit finden, so Esquerre. Der letzte gemeinsame Vorfahr von Pythons und Boas dürfte vor 70 Millionen Jahren gelebt haben. (red, 19. 6. 2016)

  • Der Netzpython ist eine der größten Schlangen der Welt.
    foto: apa/dpa

    Der Netzpython ist eine der größten Schlangen der Welt.

  • Nur die Anakonda übertrifft ihn noch.
    foto: ap photo/elise amendola

    Nur die Anakonda übertrifft ihn noch.

Share if you care.