Milchkrise: Gefährliche Gießkanne

Kommentar15. Juni 2016, 17:22
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Es braucht kein Verschleppen der Probleme, sondern neu verteilte Förderungen

Österreichs Agrarpolitik versagt fulminant. Zur Krise auf dem Milchmarkt, ausgelöst durch eine ausufernde Produktion wider jede Vernunft, fällt ihr nichts Besseres ein, als Landwirte nach dem Gießkannenprinzip mit neuen finanziellen Zuwendungen zu bedienen. Ob diese zuvor trotz übervoller Märkte ihre Kapazitäten mit Turbokühen weiter ausgebaut oder mit Bedacht nachhaltig gewirtschaftet haben, ist dabei einerlei. Offenbar gibt es nach wie vor genug Steuergeld, um undifferenziert Feuerwehr spielen zu können, um Fehlinvestitionen mit der öffentlichen Hand abzufedern und das leidige Bild der Bauern als Almosenempfängern zu verfestigen.

Die Turbulenzen der Branche wären die Chance gewesen, die Mechanismen der Milchwirtschaft zu überdenken. Diese Chance wird mit kurzfristigen Hilfen wie Rabatten bei der Sozialversicherung und Kreditstreckungen vertan.

Scheinheiligkeit grassiert: Die Landwirtschaft wirbt mit kleinen, naturnahen Betrieben um die Gunst der Steuerzahler. Gefördert wird aber vor allem Masse – ob über Kredite für neue Ställe und Melkroboter oder über Staffelpreise bei Molkereien. Die Politik klagt über Milchfabriken in Nordeuropa, die Überschüsse in den Markt pumpen. Dass Österreich selbst Grenzen gern überspannt hat, ist vergessen. Es braucht kein Verschleppen der Probleme, sondern neu verteilte Förderungen: weg von Größe, hin zu Qualität und Nachhaltigkeit. Alles andere ist verbranntes Geld. (Verena Kainrath, 15.6.2016)

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