Notenbanker klagt OeNB wegen Mobbings

15. Juni 2016, 16:52
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Versetzter Exrevisor will 35.000 Euro von Nationalbank – Vergleich nicht in Sicht

Wien – "Drei Parallelverfahren, ein Wahnsinn": Olga Stürzenbecher-Vouk, Richterin und Präsidentin am Arbeits- und Sozialgericht Wien, machte am Dienstag aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Angesetzt war eine Verhandlung in jener Nationalbank-Causa, die vor fast drei Jahren ihren Anfang genommen hat. Damals war ein strenger, hausintern nicht rasend beliebter Revisor nach Streit (auch) mit dem Notenbankdirektorium versetzt worden. Die Folgen sind bis heute nicht ausgestanden – nun hat der Mann auch eine Mobbingklage eingebracht. Er möchte wieder in der Internen Revision der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) arbeiten – die will das um keinen Preis. Vier Klagen hat der Notenbanker schon eingebracht.

Zunächst hatte der studierte Techniker und ehemalige stellvertretende Abteilungsleiter (Stal) gegen seine Versetzung in die neugegründete 1,5-Mann-Abteilung IT-Compliance gekämpft. Inzwischen gibt es diese Abteilung nicht mehr. Der einstige "renitente Revisor" werkt nun zum Referenten degradiert in der Hauptabteilung Bankenaufsicht. Als Nächstes klagte er dagegen, dass ihm seine Funktion als Stal aberkannt wurde – darum sollte es am Dienstag gehen. Allerdings ist das zweitinstanzliche Urteil in der Versetzungsfrage (der Notenbanker hat großteils gewonnen) nicht rechtskräftig, man kann noch den Obersten Gerichtshof anrufen.

20-Minuten-Verhandlung

Genau deswegen dauerte die Verhandlung Anfang dieser Woche nur 20 Minuten. Der geladene Zeuge, ein pensionierter Exchef des Klägers, wurde wieder heimgeschickt. Die Richterin will noch die Rechtskraft des Urteils in der ersten Causa abwarten.

Wie aus der OeNB zu hören ist, hat der Exrevisor inzwischen auch Boni eingeklagt, die ihm seiner Ansicht nach zustehen. Und am Montag, so sagte der OeNB-Anwalt vor Gericht, "ist die nächste Klage gekommen". Der Banker fühlt sich gemobbt und will 35.000 Euro von der OeNB.

Ob nicht eine "gemeinsame Bereinigung aller Verfahren möglich ist?", fragte die Richterin abschließend. Nein, die Standpunkte liegen offenbar zu weit auseinander. Fortsetzung folgt spätestens im September. (Renate Graber, 16.6.2016)

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