Kreativwirtschaftsstrategie: 40 Mio. Euro für Innovationen

15. Juni 2016, 15:51
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Transformative Kraft der Branche auf andere Wirtschaftszweige nutzen

Die österreichische Kreativwirtschaft plant in den nächsten zwölf Monaten vermehrt Neuinvestitionen, über ein Drittel erwartet steigende Exporte und 24 Prozent rechnen mit höheren Umsätzen. Kreative seien auch ein wichtiger Impulsgeber im ländlichen Bereich: 2013 waren dort 18 Prozent aller Kreativunternehmen zu finden, auch heute seien im ländlichen Raum steigende Gründungsraten zu beobachten.

In Zeiten der Milchkrise

"Briten, Dänen und viele andere hätten die transformative Kraft der Kreativwirtschaft auf andere Branchen bereits erkannt", sagte Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) heute bei einem Pressegespräch zur "Kreativwirtschaftsstrategie" und trank in Zeiten der Milchkrise zum Einstieg ein Glas Bio-Milch.

Man müsse in Zeiten des wirtschaftlichen Umbruchs und der Digitalisierung die großen Chancen für eine innovative und kreative Wirtschaft sehen und sie fördern. Seit 2008 seien bereits 46 Mio. Euro in die Kreativwirtschaft geflossen, in den nächsten fünf Jahren sollen weitere 40 Mio. Euro in Innovationen der Kreativwirtschaft investiert werden.

"Kreative haben seit der Krise doppelt so viel gegründet wie andere Berufsgruppen", sagte WKÖ-Vizepräsidentin Martha Schultz. Die Zahl der Beschäftigten liegt bei 150.000, ein Drittel davon ist selbstständig. Die Beschäftigung der Kreativwirtschaft kletterte zwischen 2010 und 2013 um neun Prozent, das sei um 5 Prozent mehr als in der Gesamtwirtschaft. Damit ist die Kreativwirtschaft eine der herausragenden Branchen der heimischen Wirtschaft.

"Verstaubtes" Handwerk

Das alte, "verstaubte" Handwerk könne mit Visionen aber oft nicht viel anfangen, viele hätten ausgezeichnete Produkte jedoch fehle ihnen die Sichtbarkeit, so Schultz. In den Unternehmen stecke oft mehr Potenzial als sie alleine umsetzen können. Die Kreativwirtschaft Austria (KAT) möchte ihnen gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW) der Wirtschaftskammer Österreich und dem Austria Wirtschaftsservice unter die Arme greifen.

Christian Leidinger, der mit seinen Tischlerprodukten aus Zirbenholz mittlerweile auch international sehr gefragt ist, begrüßt die Initiative. "Es wird in den nächsten Jahren zu einer Marktbereinigung kommen", das Bäckersterben sei nur der Anfang. Traditionelles Handwerk müsse sich wandeln können, Kooperationen eingehen und sich mit anderen vernetzen. Die Betriebe müssten sich in Richtung Kommunikation bewegen und dürften nicht über beispielsweise den Internethandel beschweren, sondern Neues wie Facebook und Co für sich nützen. "Man kann sich nicht aussuchen, ob man es verwendet oder nicht."

Jene, die es ins Rampenlicht geschafft haben, sind auch im Ausland gerne gesehen. Österreichische Architektur und Holzverarbeitung sind laut Mahrer besonders im asiatischen Raum gefragt. Überhaupt würden viele heimische Kreativunternehmen gleich in den asiatischen Markt exportieren, weil die Eintrittsbarrieren mit den unterschiedlichen nationalen Regelungen in Europa höher wären. "Man ist allein mit 28 verschiedenen Mehrwertsteuersystemen konfrontiert."

"Innovationsturbo"

Die Strategie soll der kleinstrukturierten Wirtschaft bis 2025 den "Innovationsturbo" zünden, die Wettbewerbsfähigkeit stärken sowie das Transformationspotenzial der Kreativwirtschaft kommunizieren und sichtbar machen. Beim Thema Innovation soll das Know-How der Kreativschaffenden gestärkt und der Zugang zu Finanzierung sowie Risikokapital verbessert werden. Unter anderem wird es finanzielle Förderungen und Angebote zur Aus- und Weiterbildung sowie Kooperationsnetzwerke geben.

Zudem wollen die Vertreter die Rahmenbedingungen für Kreative verbessern beispielsweise mehr Rechtssicherheit schaffen und Ausbildung fördern. Bei der IT-Infrastruktur hinke Österreich hinten nach. Am geplanten Breitbandausbau werde man noch feilen müssen, führte Mahrer an.

In Österreich ist jedes zehnte Unternehmen in der Kreativbranche tätig, knapp 42.000 Betriebe werden gezählt. Zur Kreativwirtschaft zählen Architektur, Buch und Verlagswesen, Design, Werbung, Filmwirtschaft, Musikwirtschaft, Radio und TV, Software und Games und der Markt für darstellende Kunst. (APA, 15.6. 2016)

  • ÖVP-Staatssekretär Harald Mahrer
    foto: apa

    ÖVP-Staatssekretär Harald Mahrer

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