"Aufstieg der Roboter": Die Maschine, der Feind des Jobs

Rezension20. Juni 2016, 16:20
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Ein Buch beschreibt den Platz des arbeitenden Menschen in der Welle von Roboterisierung, Automatisierung und Digitalisierung

Bisher sind die Menschen mit jeder Welle des Fortschritts recht gut umgegangen. Nach einer relativ kurzen, für die betroffenen Arbeiter schmerzhaften Phase des Umbruchs erwuchsen aus den neu eingesetzten Techniken und Technologien neue Firmen mit neuen Arbeitsplätzen. Und das Gute an dieser Entwicklung: Diese besseren Jobs waren auch mit höherem Prestige, mehr Einkommen, weniger Verletzungsgefahr etc. versehen.

Wo der Platz des arbeitenden Menschen in der derzeitigen Welle von Roboterisierung, Automatisierung und Digitalisierung ist, liegt weitestgehend im Dunkeln. Der Autor hat sich in diesem sehr lesenswerten Buch angesehen, wie viele Branchen betroffen sind. Der Fortschritt, resümiert er, ist da. Es gebe eine "nie erlahmende Innovationskraft der Computerindustrie", und wir stecken inmitten dieser Entwicklung.

Das heißt, es gibt neue Dienste, neue Geschäftsmodelle, neue Produkte und selbstverständlich neue Jobs dazu. Nach der herrschenden Auffassung entstehen aus dem Neuen andere Arbeitsplätze und es werden neue Skills erforderlich: Die Eisenbahn machte das Pferdefuhrwerk unnötig. Der Bagger ersetzt das mühsame Schaufeln.

Nur, ob man mit den neuen Entwicklungen rund um intelligente Roboter wieder viele Menschen braucht, ist fraglich. Es sind viele der sogenannten "Wissensarbeiten", die künftig wegfallen werden. Der Beruf des Apothekers, der die richtige Medizin zusammenmischt und einschachtelt, ist zum Beispiel extrem gefährdet. Ebenso Architekten, Journalisten, Ärzte.

Für Mediziner werden Big Data und schnelle Netzwerke mit sich bringen, dass sie blitzschnell eine Diagnoserecherche machen können, die dann vielleicht ein Operationsroboter durchführt, assistiert von einem Menschen.

Der Wegfall vieler Wissensjobs wird enorme Herausforderungen an unsere Gesellschaft stellen, die sich ja über Arbeit definiert. Und die in einer guten Ausbildung noch immer die Versicherung gegen Arbeitslosigkeit sieht. Die Diskussion darüber, wie damit umgegangen werden kann, hat noch gar nicht recht begonnen.

Ford liefert in dem Buch dazu keine Lösungen, er macht die Dinge nämlich noch komplizierter. Er verknüpft die unsichere Arbeitszukunft mit den Klimawandelfolgen. Wenn nicht gegengesteuert wird, breche die bekannte Arbeitswelt zusammen – ungefähr zeitgleich mit der Erderwärmung, wenn sie so richtig spürbar wird. Keine sehr ermutigenden Aussichten. (Johanna Ruzicka, 20.6.2016)

Martin Ford
Aufstieg der Roboter

Wie unsere Arbeitswelt gerade auf den Kopf gestellt wird – und wie wir darauf reagieren müssen
Plassen-Verlag 2016
365 Seiten, 25,75 Euro

  • Martin Ford verknüpft in seinem Buch die unsichere Arbeitszukunft mit den Klimawandelfolgen.
    cover: plassen verlag

    Martin Ford verknüpft in seinem Buch die unsichere Arbeitszukunft mit den Klimawandelfolgen.

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