"Ixcanul": Ausbruch aus dem Leben vor dem Vulkan

15. Juni 2016, 14:37
1 Posting

Der guatemaltekische Regisseur Jayro Bustamante setzt auf stille Beobachtungen

Das Leben am Fuße des schwarzen Vulkans ist hart. Ein kleiner Bauernhof und ein paar Schweine liefern das Nötigste, die vom Grundbesitzer gepachteten Felder sind von Schlangen verseucht. Die einzige Tochter, die siebzehnjährige María (María Mercedes Coroy), soll mit dem angesehenen verwitweten Vorarbeiter der Kaffeeplantage verheiratet werden.

kinofilme

Der Kaffeeanbau bestimmt auch den Alltag der Cakchiquel-Maya im Hochland von Guatemala, wo Ixcanul seine Geschichte bedächtig und in ruhigen Einstellungen erzählt. Das ist ein schöner Kontrast zu Marías Innenleben, das bestimmt ist vom Gedanken an einen Ausbruch – möglicherweise wie der im Hintergrund schlummernde Vulkan. Der guatemaltekische Regisseur Jayro Bustamante verzichtet jedoch zum Glück auf jedwede rätselhafte Mystik und große dramatische Gesten, sondern setzt auf stille Beobachtungen.

Der Wanderarbeiter, mit dem María in die USA fliehen will, hinterlässt ihr nur ein Kind und zerstört ihre Hoffnung. Die Eltern, wiewohl empathisch, fürchten um ihre Existenz nach der abgesagten Hochzeit. Und so stellt Ixcanul am Ende die Frage nach der Möglichkeit einer Selbstfindung – nicht angesichts von Armut, sondern einer verborgenen Stärke, die María nur ahnt, aber noch nicht für sich entdeckt hat. (pek, 15.6.2016)

  • Schmuck und Last der Tradition: María Mercedes Coroy in "Ixcanul".
    foto: polyfilm

    Schmuck und Last der Tradition: María Mercedes Coroy in "Ixcanul".

Share if you care.