Messenger: Wie Apple und Google Ideen von Snapchat und Co stehlen

17. Juni 2016, 09:44
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Der iPhone-Hersteller bastelt mit ganzer Kraft an vollwertigem eigenen Messenger, eigene Ideen sind aber Mangelware

Bei der Keynote der hauseigenen Entwicklerkonferenz WWDC hat Apple einen Großteil der Zeit damit verbracht, die neuen Vorzüge von iMessage zu präsentieren. Die auf iPhones vorinstallierte App ist nach iOS 10 weit mehr als ein aufgebesserter SMS-Client. iMessage soll vielmehr zu einem ausgewachsenen Konkurrenten für Snapchat, Whatsapp, Facebook und Wechat werden. Dafür greift Apple allerdings auf die Ideen der Rivalen zurück. Der Konzern "borgt sich die wichtigsten Features" der Konkurrenz, analysiert etwa "The Verge".

Zahlreiche Features "übernommen"

Fast alle Features sind bekannt. Der Versand von Gifs und animierten Emojis ist etwa bei Facebook und Wechat schon länger Standard. Auch die Bezahlfunktion und die Möglichkeit, Strichfiguren zu malen, gibt es bei beiden Konkurrenten seit einer Weile. Dem gegenüber hat sich Google bei der Videomessaging-App Duo enorm an Snapchat orientiert, das das "Selfie-First"-Design eingeführt hat. Die "Übernahme" erfolgreicher Ideen zeige, dass Apple und Google selbst noch immer nicht wissen, wie Messenger funktionieren, schreibt "The Verge".

Aufdröselung der Standard-Apps

Dazu kommen aber andere Probleme: Apple behandelte iMessage bislang so sehr als Baustein von iOS, dass Updates nur mit einem Gesamt-Upgrade für iOS ausgeliefert werden. Kleinere Designschwächen wurden kaum während eines regulären Jahres verbessert, sondern nur bei dem Umstieg auf die neueste iOS-Version. Das könnte sich in Zukunft ändern, da Apple die hauseigenen Anwendungen aus dem iOS-Paket gelöst hat, sie also wie Apps aus dem App Store funktionieren. Das zeigt einmal mehr, wie wichtig iMessage offenbar für Apples Strategie ist.

Android-Version?

Denn mit dem Überweisen von Geld und dem Verkauf von Emoji-Paketen oder Spielen könnte Apple langfristig für eine Monetarisierung von iMessage sorgen. Irgendwann könnte dann sogar eine Android-Version bevorstehen. Mit Apple Music und iTunes hat Apple ja schon länger Erfahrung damit, geldbringende Plattformen auch abseits des i-Universums zu präsentieren. Nutzerzahlen wie bei Whatsapp, Snapchat oder Facebook Messenger werden nie erreicht werden, öffnet Apple den Messenger nicht für Android. Das hat ein anonym bleibend wollender Apple-Manager aber gegenüber dem IT-Journalisten Walter Mossberg ausgeschlossen. Vielmehr wolle Apple durch ein tolles iMessage Leute zum iPhone-Kauf motivieren. Mit abgekupferten Ideen wird das vermutlich aber nicht gelingen. (red, 17.6.2016)

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    foto: ap/sanchez
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