Deutschland vor dem Treffen mit Polen gewarnt

15. Juni 2016, 13:28
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Polen will zeigen, dass der Sieg in der Qualifikation kein Zufall gewesen ist. Deutschland klarerweise das Gegenteil. Das Spiel steigt in jenem Stadion, das im Herbst Ziel des Terrors war.

Paris – Irgendwas muss sich Joachim Löw einfallen lassen. Rosenkranz beten. Oder Fäuste ballen. Oder den Stinkefinger zeigen, statt ihn zu einem zu machen. Irgendeine Beschäftigung mit den Händen! Denn jetzt warten ja wieder alle nur noch darauf, dass dem deutschen Bundestrainer die Hand auskommt.

Ansonsten kann er so weit ruhig sein. Der 2:0-Auftakt gegen die Ukraine war, wie es Turniermannschaften gerne haben: angemessen holprig, sodass man an Feinjustierungen jene Beschäftigung finden konnte, die einen daran hindert, fadisiert in der Nase zu bohren. Das wird auch notwendig gewesen sein. Denn die Polen sind, wie man weiß, ja auch keine Nasenbohrer – so, jetzt ist aber Schluss mit den Anspielungen. (Donnerstag 21.00 Uhr, Liveticker auf derStandard.at).

Warschauer Nacht

Nicht nur, aber eben auch Robert Lewandowski. Der Bayer erinnert die Deutschen gerne an den 11. Oktober 2014. Es war Qualifikation für diese EM. Und es endete aus polnischer Sicht 2:0. "Wir haben in Warschau Geschichte geschrieben. Was für eine Nacht."

Lewandowskis Coach, Zbigniew Boniek, winkt ab. "Wir wollen da keine großen Töne spucken", sagt der Trainer, der einst mit Claudio Gentile, Michel Platini und Paolo Rossi die Seele der großen Juve der 1980er-Jahre war. Zumal man ja auch ein Tormannproblem habe. Wojciech Szczesny hat sich gegen die Nordiren den Oberschenkel geprellt.

Im deutschen Lager warnen die Kenner davor, sich zu sehr auf Lewandowski zu konzentrieren. Der gebürtige Pole Lukas Podolski, der sich für den Trainer so nett ins Pressekonferenzzeug gelegt hatte, warnt: "Polen hat insgesamt einen großen Sprung gemacht, ist ein gefährlicher Gegner. Sie haben viele junge Talente." Deshalb will man "im Gegensatz zum Ukraine-Spiel öfter den Abschluss suchen und konsequenter spielen".

Podolski wird das, so wie es ausschaut, wohl von der Bank aus tun. So wie Edeljoker Bastian Schweinsteiger. Joachim Löw ändert im Erfolgsfall für gewöhnlich nur ungern. Also wird wohl Mario Götze die polnische Abwehr von Beginn an anzubohren haben.

Das Spiel geht in jenem Stadion über die Bühne, in dem Deutschland am 13. November des Vorjahres Frankreich freundschaftlich bespielt hatte. Spiel wie Stadion waren ein – gerade noch abgewendetes – Ziel des Terrors, der in dieser Nacht über Paris gekommen ist. Draußen starben 130 Menschen, drinnen erfuhr man erst spät davon. Das deutsche Team blieb sicherheitshalber die ganze Nacht im Stadion. Joachim Löw hofft: "Das ist aufgearbeitet in der Mannschaft." (sid, wei, 15.6.2016)

Mögliche Aufstellungen, Gruppe C, 2. Runde: :

Deutschland – Polen (21.00 Uhr, St. Denis/Paris, Stade de France, SR Kuipers/NED)

Deutschland: 1 Neuer – 4 Höwedes, 17 Boateng, 2 Mustafi, 3 Hector – 6 Khedira, 18 Kroos – 13 Müller, 8 Özil, 11 Draxler – 19 Götze

Ersatz: 12 Leno, 22 Ter Stegen – 5 Hummels, 14 Can, 16 Tah, 7 Schweinsteiger, 9 Schürrle, 15 Weigl, 21 Kimmich, 10 Podolski, 20 Sane, 23 Gomez

Polen: 1 Szczesny/22 Fabianski – 20 Piszczek, 15 Glik, 2 Pazdan, 3 Jedrzejczyk – 16 Blaszczykowski, 10 Krychowiak, 5 Maczynski, 11 Grosicki – 9 Lewandowski, 7 Milik

Ersatz: 12 Boruc – 4 Cionek, 6 Jodlowiec, 14 Wawrzyniak, 18 Salamon, 8 Linetty, 17 Peszko, 19 Zielinski, 21 Kapustka, 23 Starzynski, 13 Stepinski

Fraglich: 1 Szczesny (Oberschenkelverletzung)

  • Ein Ball auf dem Kopf von Joachim Löw.
    foto: reuters/balibouse

    Ein Ball auf dem Kopf von Joachim Löw.

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