Obama wirft Trump vor, die USA zu spalten

15. Juni 2016, 16:53
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Der US-Präsident kritisiert Donald Trump für dessen islamfeindliche Aussagen. Der Republikaner hat den Abstand zu Clinton laut einer Umfrage verringert

Washington/Wien – Der Ärger stand Barack Obama ins Gesicht geschrieben: Am Dienstag (Ortszeit) nutzte der US-Präsident eine Rede im Finanzministerium in Washington für einen verbalen Rundumschlag gegen den republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump.

Trump hatte nach dem Massaker von Orlando, bei dem am Wochenende in einem bei Homosexuellen beliebten Nachtclub 49 Menschen getötet worden waren, seine Forderung nach einem Einreiseverbot in die USA für Muslime bekräftigt. Der Täter, der in dem Club von der Polizei erschossen wurde, war afghanischer Abstammung und hatte immer wieder Sympathien für Islamisten gezeigt. Trump hatte sogar Obamas Rücktritt gefordert, weil dieser im Antiterrorkampf zu wenig Härte zeige und nach dem Anschlag nicht die Worte "radikaler Islam" benutzt habe.

Respekt für US-Soldaten

"Was genau würde eine solche Formulierung erreichen?", konterte Obama in seiner Ansprache. "Glaubt irgendjemand ernsthaft, dass wir nicht wissen, wer unsere Feinde sind?", fragte er mit Blick auf den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) oder die Jihadisten von Al-Kaida. Dies nämlich wäre "eine Überraschung für all die Männer und Frauen in Uniform, die ihr Leben riskieren", für die Spezialkräfte, die einst auf Obamas Anweisung Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden getötet hätten, und für jene Soldaten, die derzeit im Irak und in Syrien im Einsatz seien: "Diese Leute beschützen alle Amerikaner – auch Politiker, die twittern und in TV-Shows auftreten", erklärte Obama in Anspielung auf Trumps Social-Media-Wahlkampf.

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Der US-Präsident jedenfalls sieht gute Gründe, sich auch nach dem Massaker von Orlando nicht von einer ganzen Bevölkerungsgruppe zu distanzieren – Gründe, die "nichts mit politischer Korrektheit zu tun" hätten. Es sei der IS, der einen Krieg zwischen dem Islam und dem Westen provozieren und sich dabei an die Spitze aller Muslime weltweit setzen wolle. "Wenn wir in diese Falle tappen, wenn wir alle Muslime über einen Kamm scheren und erklären, dass wir uns im Krieg mit einer ganzen Religion befinden, dann erledigen wir die Arbeit der Terroristen", so Obama.

Appell an Republikaner

Fast zeitgleich hielt die demokratische Bewerberin fürs Weiße Haus, Obamas ehemalige Außenministerin Hillary Clinton, eine Rede vor Anhängern in Pittsburgh. Trumps jüngste Aussagen würden bestätigen, dass er für das Präsidentenamt ungeeignet sei. Der Oberbefehlshaber der Streitkräfte müsse in der Lage sein, "ruhig, gefasst und würdig" auf Ereignisse wie das Blutbad in Orlando zu reagieren, so Clinton. "Werden sich verantwortungsbewusste republikanische Führer nun ihrem voraussichtlichen Präsidentschaftskandidaten widersetzen?"

Hillary Clintons Frage kommt nicht von ungefähr, gibt es doch in den Reihen des republikanischen Establishments von jeher Widerstand gegen Donald Trump und seine Brachialrhetorik. Paul Ryan etwa, republikanischer Sprecher des Repräsentantenhauses, hatte sich erst vor kurzem dazu durchgerungen, den Vorwahlsieger Trump als Parteikandidaten zu unterstützen. Nach dessen jüngsten Aussagen geht Ryan jedoch wieder auf Distanz zu dem Multimilliardär.

Bei den Demokraten stimmt sich indes Hillary Clinton auf ihr Duell mit Donald Trump ein. Am Dienstag hatte sie in Washington, D.C., die letzte Vorwahl gegen ihren Konkurrenten Bernie Sanders gewonnen. In einer von Freitag bis Dienstag durchgeführten Umfrage liegt Trump nur noch 11,6 Prozentpunkte hinter Clinton. In der Vorwoche hatte der Abstand noch 13 Prozent betragen. (Gerald Schubert, 15.6.2016)

Übersicht zu aktuellen Umfragen zur US-Präsidentschaftswahl

  • Der republikanische Kandidat Donald Trump erneuerte seinen Vorschlag, Muslimen die Einreise in die USA zu verweigern.
    foto: reuters/jonathan drake

    Der republikanische Kandidat Donald Trump erneuerte seinen Vorschlag, Muslimen die Einreise in die USA zu verweigern.

  • US-Präsident Barack Obama warnt davor, alle "Muslime über einen Kamm zu scheren".
    foto: reuters/carlos barria

    US-Präsident Barack Obama warnt davor, alle "Muslime über einen Kamm zu scheren".

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