Rosetta spürt Krypton und Xenon an Tschuri auf

15. Juni 2016, 10:59
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Forscher wollen Daten über Edelgase mit anderen Orten im Sonnensystem vergleichen, inklusive der Erde

Bern – Das Rosina-Messgerät an Bord der Raumsonde Rosetta hat nach Argon nun zwei weitere Edelgase in den Ausdünstungen des Kometen Tschuri nachgewiesen. Die Sonde hat die Gase Krypton und Xenon bereits im Mai aufgespürt, als sie sich dem Komet bis auf fünf Kilometer näherte, wie nun bekanntgegeben wurde.

"Wir hatten bereits Hinweise auf Krypton bei einem Vorbeiflug im März bei einem Abstand von zwölf Kilometern", erklärte Kathrin Altwegg von der Universität Bern. Der Nachweis sei aber nur durch längere Messungen nahe am Kometen möglich gewesen. Die Forscherin stellte die Entdeckung am Dienstag auf einer Tagung der Royal Society in London vor.

Rückschlüsse auf die Anfangszeit des Sonnensystems

"Die im Kometen gebundenen Edelgase verflüchtigen sich durch Sublimation sehr schnell", erläuterte Altwegg. Sie aufzuspüren sei also nicht einfach. "Wir mussten nahe genug ran, um eine gute 'Nase voll' zu kriegen, sobald die Gase vom Kometenkern austreten."

Die Isotopenverhältnisse dieser und anderer bereits entdeckter Gase geben wichtige Hinweise auf den Ursprung der Bausteine des Kometen. So können die Wissenschafter Schlüsse ziehen, welche physikalischen und chemischen Bedingungen bei der Entstehung herrschten. "Das Aufspüren von Edelgasen gehört daher zu den Hauptzielen der Rosetta-Mission", sagte Altwegg.

Edelgase reagieren kaum mit anderen Elementen, ihr atomarer Zustand ist relativ stabil. Deshalb geben sie die Bedingungen in der Umgebung eines jungen Stern relativ genau wieder, wo Planeten, Kometen und Asteroiden entstehen. Durch Untersuchungen wie diese wollen Forscher neue Erkenntnisse über die Anfänge des Sonnensystems gewinnen, das vor 4,6 Milliarden Jahren entstand.

Man könne die Häufigkeit und isotopische Zusammensetzung der Edelgase mit Daten von Edelgasen auf der Erde, dem Mars, im Sonnenwind und in Meteoriten vergleichen, erklärte die Uni Bern. Solche Analysen helfen herauszufinden, welche Rolle Kometen wie Tschuri für das Edelgas-Vorkommen der Erde und erdähnlicher Planeten gespielt haben.

Der Fahrplan

Im Oktober 2014 hatte das Messgerät Rosina bereits das Edelgas Argon aufgefangen, als Rosetta sich in einem Orbit zehn Kilometer über der Kometenoberfläche befand. Seither hat der Komet den sonnennächsten Punkt seiner Umlaufbahn durchflogen, wobei die Sonde wegen Tschuris starken Ausdünstungen auf sicheren Abstand gehen musste.

Nun konnte sie dem Kometen wieder näher kommen und weiter nach diesen seltenen, aber wichtigen Gasen suchen, so die Mitteilung. Vor dem geplanten Ende der Mission im September soll Rosetta sogar noch näher an ihren Kometen heran, wie die ESA im Jänner bekannt gab. Zum Schluss soll die Sonde sogar auf Tschuri – mehr oder weniger sanft – landen. (APA, red, 15. 4. 6. 2016)

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