Koller: "Es heißt Kopf hoch" – Schnelles Aus droht

15. Juni 2016, 10:23
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Schweizer sieht Nervosität als Grund für unerklärliche Fehler bei Niederlage gegen Ungarn – Blick schon auf Portugal gerichtet

Bordeaux – Tiefenttäuscht hat Teamchef Marcel Koller am Dienstag unmittelbar nach dem 0:2 in Bordeaux gegen Ungarn eine erste Analyse des kapitalen EM-Fehlstarts abgegeben. Offensichtlich sei der Druck für einige Spieler zu groß gewesen, versuchte der Schweizer die erste Pflichtspielniederlage des ÖFB nach zehn Siegen und einem Unentschieden zu erklären.

"Zu viele Ballverluste"

"Grundsätzlich waren wir zu nervös", sagte Koller. "Wir hatten zu viele Ballverluste, die ich so nicht kannte, und wir konnten nie über mehrere Stationen unser Kombinationsspiel aufziehen. Wir hätten mehr Ruhe in unseren Aktionen gebraucht."

Warum sich bei den international erfahrenen Kickern dermaßen Nervosität breitmachte, war Koller selbst ein Rätsel. Möglicherweise sei die Teilnahme an einem großen Turnier doch etwas anderes, als regelmäßig auf Vereinsebene in Topligen zu spielen. "Beim einen oder anderen war Hektik drin."

Dabei war das Team bei David Alabas Stangenschuss nach 31 Sekunden einem optimalen Auftakt ganz nahe. "Wenn wir da das Tor schießen, sieht vielleicht alles anders aus", so Koller. "Auch danach sind wir noch das eine oder andere Mal gut vor das gegnerische Tor gekommen." Selbst der Start in die zweite Hälfte verlief laut Koller noch vielversprechend. "Aber dann haben wir das 0:1 und Gelb-Rot kassiert."

Blickrichtung Portugal

So blieb eine bittere Erkenntnis: "Man kann sagen, dass das 0:2 kein guter Start war." Koller hat den Blick aber schon auf die Partie am Samstag im Pariser Prinzenparkstadion gerichtet. "Jetzt müssen wir versuchen, gegen Portugal zu punkten. Schön wäre es, wenn wir drei Punkte holen." Bis dahin will der Coach seine Kicker wieder aufrichten: "Nach dem Spiel waren alle sehr enttäuscht, es war sehr ruhig in der Kabine. Aber wir haben eine gute Gruppe, jeder muss den anderen mitreißen, und ich werde vorangehen."

Dem Team bleibt ohnehin nicht viel Zeit zum Jammern. "Wir haben nicht ein paar Wochen Zeit, um das zu verkraften. In drei Tagen geht es weiter, da heißt es Kopf hoch, abwischen und Vollgas geben."

Dragovic gesperrt, Junuzovic verletzt

Gegen Portugal fehlt der gesperrte Aleksandar Dragovic, auch der am Knöchel verletzte Zlatko Junuzovic dürfte nicht fit werden. Weitere Umstellungen sind nicht ausgeschlossen, da sich mehrere Stammspieler in einem hartnäckigen Formtief befinden. "Aber man kann nicht auf einen Knopf drücken und sagen, jetzt spielen wir auf Topniveau", betonte Koller.

Keine Sorgen um den Verlust seines Stammleiberls muss sich Alaba machen. "Man hat gesehen, dass er ein Spieler mit einer unglaublichen Technik und Spielverständnis ist." Allerdings gab Koller auch zu, dass Alabas Positionswechsel gegenüber seiner Rolle beim FC Bayern nicht ideal ist. "Vielleicht ist das ein kleines Problem."

Daran kann Koller am Mittwoch und Donnerstag wieder in Mallemort arbeiten, wohin das Team noch in der Nacht auf Mittwoch zurückkehrte. Der einstündige Flug gestaltete sich phasenweise turbulent, was der Pilot mit Blitz und Donner über der Provence erklärte.

Gefährliche Konstellation

"Davon werden Sie in dieser Woche leider noch mehr haben", prophezeite der Kapitän über den Bordfunk. Damit meinte er zwar nur die angesagten Gewitter, könnte aber in doppelter Hinsicht recht behalten: Wenn am Samstag Island gegen Ungarn gewinnt und Österreich gegen Portugal verliert, ist die Achtelfinalchance vorzeitig dahin. (APA, 15.6.2016)

  • Marcel Koller: "Nach dem Spiel waren alle sehr enttäuscht, es war sehr ruhig in der Kabine."
    foto: apa/ap/schwarz

    Marcel Koller: "Nach dem Spiel waren alle sehr enttäuscht, es war sehr ruhig in der Kabine."

  • Marcel Koller über David Alaba: "Man hat gesehen, dass er ein Spieler mit einer unglaublichen Technik und Spielverständnis ist."
    foto: apa/jäger

    Marcel Koller über David Alaba: "Man hat gesehen, dass er ein Spieler mit einer unglaublichen Technik und Spielverständnis ist."

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