Österreich ist Österreich geblieben

14. Juni 2016, 20:49
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Auch das vierte Match bei einer EM-Endrunde wurde nicht gewonnen. Präsenz der Ungarn und eigene Hektik erwiesen sich als toxische Mischkulanz

Robert Almer: In den ersten 45 Minuten bestenfalls mittelprächtig gefordert. Zwei, drei Distanzschüsschen waren nicht mehr als Bewegungstherapie. Das änderte sich erstmals in der 54. Minute, als die Nummer eins einen ernstzunehmenden Versuch von Dzsudzsak aus der Gefahrenzone faustete. Bei Szalais Schieber war ebenso nichts zu machen wie bei Stiebers Lob.

Florian Klein: Defensiv nicht über die Maßen gefordert, konnte der Stuttgart-Reservist seine freien Kapazitäten mitnichten in Vorwärtsdrang umsetzen. Das rechte Tandem mit Harnik eierte mit zwei Patschen einher, ehe seine Existenz zu einem Ende kam.

Aleksandar Dragovic: Bekam gemeinsam mit dem Lieblingsnachbarn Hinteregger zunächst gut im ersten Stock zu tun. Immer wieder galt es, hoher ungarischer Vorlagen habhaft zu werden. Körperkoordination, Aufmerksamkeitslevel und Stellungsspiel wurden schlagend. Zu ebener Erd' wie vorgeschrieben in intimer Nähe seines Ungarn. Das zweite Gelb nach einem Tritt gegen das Standbein Kadars beendete seinen Auftritt vorzeitig. Es geschah dies in des Gegners Sechzehner, war also eher Übermotiviertheit als Dringlichkeit geschuldet.

Martin Hinteregger: Spieleröffnung ohne Firlefanz, das soll so sein. Bekam mit Adam Szalai eine Aufgabe mit Ecken und Kanten zu lösen. Der magyarische Brecher wusste seine 193 Zentimeter Körperhöhe nämlich effektvoll einzubringen. Genau dieser Mann geriet dem Salzburg-Heimkehrer (und in der Folge der gesamten Defensive) aus dem Blick. Ein doppelter Doppelpass mit Kleinheisler reichte dafür hin.

Christian Fuchs: Ging die Luft aus, aber nur kurzfristig. Nach einer Karambolage mit dem ungarischen Fünferkollegen Fiola. Das Selbstvertrauen des englischen Meisters reichte nicht lange hin, auch er rutschte in die Farblosigkeit ab. Stellungsfehler schlichen sich ein. Hob vor dem 0:1 das Abseits auf.

Julian Baumgartlinger: Dauerdrücker auf alles, was kam, und darüber hinaus. Wie bei den Mittelfeldkollegen blieb allerdings das Kapital des eingebrachten Eifers im niederstelligen Bereich. Die Krux war die Präzision, also der Mangel an selbiger. Die Passgenauigkeit des ÖFB grundelte bei 62 Prozent. Übernahm nach dessen Ausschluss den Anzug von Dragovic in der Innenverteidigung und leitete mit einem riskanten Zuspiel letztlich jenen Konter der Ungarn ein, an dessen Ende das 0:2 stehen sollte.

David Alaba: Flatterball mit links nach 31 Sekunden, der die Trainingshose zwischen den Pfosten gefrieren ließ und hernach Aluminium küsste. Fiel zwischen beziehungsweise vor das Innenverteidigerpaar ab. Wäre er Italiener, wäre er Regista. Alternierte in dieser Beziehung etwas mit Baumgartlinger. Tauchte aber immer wieder auch in vorderster Lästigkeitslinie auf. Und war im Prinzip ja wie gehabt ohnehin überall. Jedoch: Auch die Passqualität des Bayern war an diesem Tag alles andere als erstes Schlagobers, Hektik die Mutter des Fehlstarts.

Martin Harnik: Hatte Mühe, die Wahrnehmungsschwelle des Beobachters zu penetrieren. Zweiter Sieger, Unglückspilz: prototypisch beim Sliding in Arnautovics Stangler, der eigentlich ein Kurzpass auf Janko hätte werden müssen (42.). Bis zu seiner Auswechslung abgetaucht.

Zlatko Junuzovic: Führte den Anstoß ohne Fehl und Tadel aus. Gewann den ersten Ball der Partie. Leichtfüßiger Hirsch mit Pferdelunge, dem es in der Zweikampfführung auch nicht am notwendigen Testosteronniveau mangelte. Rechtes Fußgelenk bei Einstieg Geras einem heftigen Belastungstest unterzogen (17.), den dieses nur scheinbar unbeschadet überstand. Das Ende kam verletzungsbedingt nach einer Stunde.

Marko Arnautovic: Erstes Auffallen gleich auf höchstem Niveau, ein Schnittstellenpass, der Alaba einen zweiten gefährlichen Abschluss nahelegte (11.). In der Folge lief das Geschehen etwas an dem Mann aus Stoke vorbei. Das nächste Hochlicht, die Einleitung eines eigenen Flankenlaufes mittels Fersler, wurde von dem Schatten eines überhasteten Querpasses verdrängt. Janko hatte abschlussbereit in nächster Nähe gewachelt. In der Folge sprach der Körper immer unzweideutiger: Frust!

Marc Janko: Nahm halbwegs eifrig am Koller'schen Störsystem teil, ließ per Kopf einmal clever Richtung Junuzovic prallen. Selbst zum Abschluss kam der Basler kein einziges Mal, ehe er in der 65. Minute substituiert wurde.

Marcel Sabitzer (ab 59.): Ein Schuss in die Wolken, als sich bereits Verzweiflung in den roten Reihen breitgemacht hatte.

Rubin Okotie (ab 65.): Eine Flanke als Fressen für Ungarns Innenverteidigung.

Alessandro Schöpf (ab 77.): Ein Schuss vorbei, als die Verzweiflung in den roten Reihen an Intensität noch weiter zugenommen hatte. (Michael Robausch, 14.6.2016)

  • Die Österreicher haben sich nicht versteckt. Richtig gut waren sie aber auch nicht.
    foto: apa/afp/schwarz

    Die Österreicher haben sich nicht versteckt. Richtig gut waren sie aber auch nicht.

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