Die Erlösung

Kolumne13. Juni 2016, 18:07
70 Postings

Dienstag, 14. Juni 2016, 18 Uhr, Stade de Bordeaux: Schiedsrichter Clement Turpin, ein Franzose, pfeift pünktlich an. Das ist eine nationale Erlösung, Österreich wird bei der EURO tatsächlich aktiv. Ungarn natürlich auch. Das Vorgeplänkel hat ein Ende, vorbei sind die Wochen des Wartens, die Gefahr der Verblödung ist ab sofort minimiert. Marko Arnautovic muss nicht mehr über seine Frisur reden (er will es eh nicht, aber höflich wie er mittlerweile ist, beantwortete er auch diesbezügliche Fragen). Es ist auch völlig wurscht, wann sein ungefähr 42. Tattoo fertig gestochen wird.

Die Spieler müssen auch nicht mehr mitteilen, wer denn im Quartier in Mallemort die lustigsten Witze erzählt, die schlechteste Musik hört, die meisten Pfeile beim Darts verschießt. Und ob die Kinder zum Vatertag eh brav angerufen und gratuliert haben, ist auch powidl, zumal der Vatertag erst wieder in einem Jahr ansteht. Der ORF muss kein fades Showtraining mehr live übertragen (hätte er nicht müssen, das war vorauseilender Gehorsam gegenüber dem Gebührenzahler). Der von Sportdirektor Willi Ruttensteiner gescholtene Pitch-Reporter Peter Hackmair kann die Körpergesten und Gesichtsausdrücke während einer richtigen Partie interpretieren. Er wird Vorsicht walten lassen.

David Alaba muss nicht mehr zum 234. Mal behaupten, dass er ein flexibler Kicker und im Mittelfeld daheim sei, er kann es zeigen. Julian Baumgartlinger und Zlatko Junuzovic können die von ihnen aufgestellte These, dass die Ungarn ein ganz starker Gegner sein würden, widerlegen. Im Idealfall eindrucksvoll. Herr Turpin ist ein Erlöser. Denn die Wahrheit liegt immer auf dem Platz. (Christian Hackl, 13.6.2016)

  • Marko Arnautovic darf endlich kicken.
    foto: apa/schwarz

    Marko Arnautovic darf endlich kicken.

Share if you care.