Entspannung im Lager Traiskirchen: Nur mehr 700 Flüchtlinge

13. Juni 2016, 18:17
75 Postings

Mehr Plätze in den Ländern, sinkende Asylantragszahlen seit März

Traiskirchen/Wien – Vergangenen August, am Höhepunkt der Asyl-Unterbringungskrise, drängten sich über 4.000 Flüchtlinge im Lager Traiskirchen – mehr als 2000 in Zelten, viele obdachlos. Im Vergleich dazu sind die aktuellen Belagszahlen gering: Am Montag lebten 700 Asylsuchende im größten Bundesquartier, davon 450 unbegleitete Minderjährige.

"Seit März sind die Flüchtlingsankünfte in Österreich deutlich zurückgegangen, wenn auch auf hohem Niveau. Dadurch braucht es weniger Durchgangsquartiere", erklärt dies Innenministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck. Tatsächlich wurden in Österreich im heurigen April mit 4.152 Asylanträgen nur um 2,85 Prozent mehr Anträge als im April 2015 gestellt. Im Februar (5.145 Anträge) waren es noch um 56,48 Prozent mehr Ersuchen als im Vergleichsmonat 2015. Der Rückgang ist wohl vor allem dem EU-Türkei-Abkommen geschuldet, dessen Zukunft bekanntlich ungewiss ist.

Babler will weitere Reduktion

Mit 700 Insassen sei das Lager Traiskirchen derzeit nur zur Hälfte ausgelastet – "von der Gebäudekapazität her", meint Grundböck. Bei Traiskirchens Bürgermeister Andreas Babler (SPÖ) stößt er damit auf Widerspruch. Babler forderte am Montag "Normalität für Traiskirchen". Diese wäre "bei einer Belagszahl von 480 Flüchtlingen" gegeben, wie es einer Vereinbarung zwischen Ministerium und Land von 2010 entspreche.

Doch wohin sind die vor einem Dreivierteljahr so zahlreichen Traiskirchner Lagerbewohner verschwunden? "In Länderquartiere, die seitdem in größerer Zahl eröffnet wurden und in denen es inzwischen sogar Leerstände gibt", antwortet Babler.

"Chance, Puffer an Quartieren zu schaffen"

"Leerstände? Diesen Ausdruck gebrauche ich nicht", kontert Grundböck. Vielmehr bestehe nun die "Chance, einen Puffer an Quartieren zu schaffen". Doch trotz sinkender Antragszahlen würden derzeit nur drei Bundesländer – Wien, Vorarlberg und die Steiermark – die Unterbringungsquote erfüllen.

Ob angesichts des Umstands, dass die Finanzierung von Länderquartieren von der Tagsatzzahlung für Asylwerber abhängt, nicht die Gefahr bestehe, dass nun wieder Quartiere geschlossen werden müssen? Das sei "Sache der Länder", meint dazu der Ministeriumssprecher.

Kleinschmidt nicht verlängert

Es bestehe Bedarf nach einer "Schnittstelle für Asylangelegenheiten" in Österreich, kommentiert dies Kilian Kleinschmidt. Der Flüchtlingsunterbringungsexperte hat, wie er dem Standard sagte, keinen Beratervertrag zur Verbesserung der Lage in Traiskirchen mehr: "Der Vertrag mit der Regierung ist Ende Mai ausgelaufen und wurde nicht verlängert". (Irene Brickner, 13.6.2016)

  • Vor einem Dreivierteljahr standen auf dem Rasen dutzende Zelte, und in den Häusern war kein Bett mehr frei. Heute ist im Flüchtlingslager Traiskirchen wieder Platz genug.
    foto: reuters/föger

    Vor einem Dreivierteljahr standen auf dem Rasen dutzende Zelte, und in den Häusern war kein Bett mehr frei. Heute ist im Flüchtlingslager Traiskirchen wieder Platz genug.

  • Seit Ende Mai nicht mehr Regierungsberater zu Traiskirchen: Kilian Kleinschmidt.
    foto: apa/tuma

    Seit Ende Mai nicht mehr Regierungsberater zu Traiskirchen: Kilian Kleinschmidt.

Share if you care.