Österreich vs. Ungarn: Scharren mit den Hufen

13. Juni 2016, 17:52
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Für Österreich beginnt heute die EM, das Kribbeln hat Teamchef Marcel Koller erreicht. Die Mannschaft will so kicken, wie sie es gelernt hat. Das sollte dann reichen

Marcel Koller flog Montagmittag gut gelaunt von Avignon nach Bordeaux. Natürlich nicht allein, der gesamte Tross, genannt österreichische Fußballnationalmannschaft, machte die einstündige Reise mit der Fly Denim zum Auftaktmatch am Dienstag um 18 Uhr (Liveticker auf derStandard.at) gegen Ungarn mit. Die neben dem Teamchef wichtigsten Mitglieder der Gruppe waren und sind die 23 Spieler, die allesamt fit gemeldet wurden. Kein Zwicken und kein Zwacken, die medizinische Abteilung hat einhundert Prozent gegeben. Sogar Marc Janko ist schmerzfrei und einsatzbereit, die Muskelverspannung im Nackenbereich des Mittelstürmers ist eine zu vernachlässigende Anekdote.

"Es beruhigt, aus dem Vollen schöpfen zu können", sagt Koller. Über die Taktik hat er selbstverständlich nicht gesprochen, die Aufstellung hat er dafür im Kopf, wo sie über Nacht bleibt. Mit Überraschungen oder gar Experimenten ist nicht zu rechnen, der Schweizer setzt auf Bewährtes. Frankreich ist groß, das Klima daher recht unterschiedlich. Bei der Abfahrt vom Quartier in Mallemort hatte es zehn Grad mehr als bei der Ankunft in Bordeaux, 30 zu 20. Es regnete, windete, während des Spiels soll sich an diesem Zustand nichts ändern.

Endlich

Die meteorologische Umstellung ist laut Koller überhaupt kein Problem. "Die Nebensächlichkeiten soll man ausblenden. Der Ball ist nach wie vor rund und das Gras 2,3 Zentimeter hoch. Wir sind keine Schönwetterfußballer." Die Vorbereitung sei perfekt verlaufen, die Hausaufgaben wurden erledigt, die Mannschaft sei in einem physisch und psychisch tollen Zustand. "Es geht jetzt darum, die Lockerheit zu bewahren, nicht zu verkrampfen. Und dann müssen wir die beste Einstellung zeigen, auf dem Spielfeld alles in die richtigen Bahnen lenken."

Die Spieler sagten "endlich", "Zeit wird es", "Gott sei Dank", die Sehnsucht nach dem 14. Juni ist praktisch gestillt. Tormann Robert Almer drückte es so aus: "Wir brennen." Wobei er davon ausgeht, "dass es den Ungarn genauso geht". Man dürfe sich, so Almer, von den äußeren Umständen, dem Druck, der Euphorie nicht narrisch machen lassen. "Ja, es ist eine EURO. Auf uns warten gegen Ungarn, Portugal und Island Finalspiele. Auf einer großen Bühne. Aber wir sind von unseren Qualitäten überzeugt, müssen die Abläufe abrufen. So, wie wir es gewohnt sind, wie wir es gelernt haben." Welche Details entscheiden? "Es kommt auf alles an."

Koller findet es wunderbar, "dass wir das Ziel vor Augen haben, bisher war alles Planung. Jetzt scharren sie mit den Hufen." Dass der ungarische Teamchef Bernd Storck, ein Deutscher, die Österreicher zum Favoriten erklärt hat, sei Teil des Geplänkels. "Rollenzuteilungen sind egal. Ungarn ist nicht zufällig da. Alle Partien verlaufen hier sehr eng, Kleinigkeiten entscheiden."

Abwehrriegel

Es ist davon auszugehen, dass Österreich gegen die Nummer 20 der Rangliste agieren darf, agieren muss. Storck ist kein Selbstüberschätzer. Der Abwehrriegel besteht aus bis zu sechs Männern. "Alaba oder Arnautovic haben wir keinen. Aber wir haben Kraft für 90 und mehr Minuten. Wir haben uns detailliert vorbereitet, sind nicht als Touristen gekommen." Linksverteidiger Mihály Korhut hält es für wesentlich, David Alaba auszuschalten. Ungarns Schlüsselspieler ist Kapitän Balázs Dzsudzsák, sein linker Fuß ist ein Hammer, er hat bereits 18 Treffer erzielt. Die Sturmspitze heißt Adám Szalai. Der sorgt prinzipiell, zuletzt aber nur sporadisch für Gefahr. Kollers Freude wird in ein Kribbeln, in eine notwendige Anspannung übergehen. Montagabend fand noch das Abschlusstraining statt, das Stade de Bordeaux hat bei der Mannschaft Anklang gefunden. Es fasst 42.000 Zuschauer. Österreich erhofft den ersten Sieg bei einer EM. Kapitän Christian Fuchs sagte: "Wir werden auf den Punkt bereit sein."

Kollers Freude wird in ein Kribbeln, in eine notwendige Anspannung übergehen. Montagabend fand noch das Abschlusstraining statt, das Stade de Bordeaux hat bei der Mannschaft Anklang gefunden. Es fasst 42.000 Zuschauer. Österreich erhofft den ersten Sieg bei einer EM. Koller wird sich auf und neben der Bank nicht allzu auffällig verhalten. Deutschlands Joachim Löw hatte sich während der Partie gegen die Ukraine ziemlich deutlich und lang ans Gemächt gefasst (durch die Hose). Diese Bilder werden vermutlich sogar Youtube überleben. Koller wird sich auf der großen Bühne anders präsentieren. "Aber dafür habe ich Löw nicht gebraucht, das wusste ich vorher." (Christian Hackl aus Bordeaux, 13.6.2016)

EM-Gruppe F, 1. Runde, Dienstag

Österreich – Ungarn
Bordeaux, Stade de Bordeaux, 18 Uhr, live ORF 1, SR Turpin (FRA)

Mögliche Aufstellungen:

Österreich: 1 Almer (Austria/28 Länderspiele) – 17 Klein (Stuttgart/37/0 Tore), 3 Dragovic (Dynamo Kiew/47/1), 4 Hinteregger (Mönchengladbach, künftig Salzburg/14/0), 5 Fuchs (Leicester/75/1) – 14 Baumgartlinger (Mainz, künftig Leverkusen/45/1), 8 Alaba (Bayern/46/11) – 11 Harnik (Stuttgart/58/14), 10 Junuzovic (Bremen/48/7), 7 Arnautovic (Stoke/52/11) – 21 Janko (Basel/54/26)

Ersatz: 12 Lindner (Frankfurt/8), 23 Özcan (Ingolstadt/7) – 13 Suttner (Ingolstadt/16/0), 15 Prödl (Watford/57/4), 16 Wimmer (Tottenham/3/0), 2 Garics (Darmstadt/41/2), 6 Ilsanker (Leipzig/16/0), 18 Schöpf (Schalke/4/1), 22 Jantscher (Luzern/22/1), 9 Okotie (1860 München/16/2), 19 Hinterseer (Ingolstadt/10/0), 20 Sabitzer (Leipzig/18/3)

Ungarn: 1 Kiraly (Haladas Szombathely/103) – 5 Fiola (Puskas Akademia/15/0), 2 Lang (Videoton/11/0), 20 Guzmics (Wisla Krakau/14/1), 3 Korhut (Debrecen/5/0) – 8 Nagy (Ferencvaros/8/0), 16 Pinter (Ferencvaros/21/0) – 7 Dzsudzsak (Bursaspor/78/18), 15 Kleinheisler (Bremen/5/1), 11 Nemeth (Al-Gharafa/24/3) – 9 Szalai (Hannover/32/8)

Ersatz: 12 Dibusz (Ferencvaros/4), 22 Gulacsi (Leipzig/3) – 21 Bese (MTK Budapest/1/0), 23 Juhasz (Videoton/91/6), 6 Elek (Diosgyöri/38/1), 18 Stieber (Nürnberg/12/2), 10 Gera (Ferencvaros/89/24), 13 Böde (Ferencvaros/12/4), 17 Nikolics (Legia Warschau/18/3), 19 Priskin (Slovan Bratislava/56/17)

Es fehlt: 14 Lovrencsics (Lech Posen/12/1, Knieverletzung)

Fraglich: 4 Kadar (Lech Posen/30/0, Knöchelverletzung)

  • Elf Freunde sollen sie sein, elf Sieger wollen sie sein. Österreichs Nationalteam spielt am Dienstag um den ersten EM-Sieg. 2008 gab es zwei 0:1 (gegen Kroatien und Deutschland) und ein 1:1 (gegen Polen).
    foto: apa/hochmuth

    Elf Freunde sollen sie sein, elf Sieger wollen sie sein. Österreichs Nationalteam spielt am Dienstag um den ersten EM-Sieg. 2008 gab es zwei 0:1 (gegen Kroatien und Deutschland) und ein 1:1 (gegen Polen).

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