Chinesen sind auf ausgedehnter Shopping-Tour in Europa

13. Juni 2016, 17:09
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Flughafen, Roboterfirma, Fußballvereine. Investoren aus Fernost kaufen in Deutschland und Italien kräftig ein

Berlin/Mailand – Dem deutschen Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ist nicht wohl bei der Sache. Er findet das Interesse chinesischer Investoren an Technologiefirmen "auffällig". Lieber wäre es ihm, nicht ein chinesischer, sondern ein europäischer oder deutscher Investor würde Kuka übernehmen. Das 1898 in Augsburg gegründete Unternehmen ist weltweit führend bei der Herstellung von Industrierobotern, jetzt will die chinesische Midea Group einsteigen.

Auch der deutschen Kanzlerin Angela Merkel wäre eine deutsche Lösung für Kuka nicht unrecht. Dennoch machte sie am Montag bei ihrem Besuch in Peking klar, dass Deutschland generell offen sei für chinesische Investitionen. Doch sie forderte im Gegenzug Gleichbehandlung für deutsche Unternehmen in China: "Wir erwarten Reziprozität auch auf der chinesischen Seite", so Merkel. Gemeinsam mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang erklärte sie, dass sie einen Handelskrieg zwischen China und der EU wegen des Streits über die Anerkennung Chinas als Marktwirtschaft vermeiden wolle.

Kuka ist nicht das einzige Unternehmen in Deutschland, das auf das Interesse der Chinesen stößt. Gerade erst kaufte ein chinesischer Baukonzern den Flughafen Hahn in Rheinland-Pfalz.

Der nennt sich zwar selbst Flughafen Hahn-Frankfurt, ist aber von der Mainmetropole gut 120 Kilometer entfernt – und zudem chronisch defizitär.

Neues Flughafendrehkreuz

Der neue Besitzer Shanghai Yiqian Trading will den Airport mit 320 Mitarbeitern im strukturschwachen Hunsrück (Rheinland-Pfalz) nun zum Drehkreuz für Passagiere aus China und für Luftfracht ausbauen. "Im Cargogeschäft erwarten wir mit dem Transport von Lebensmitteln nach Asien gute Geschäfte", sagte Manager Yu Tao Chou. Hahn ist derzeit der sechstgrößte Frachtflughafen in Deutschland. Auch Pauschalreisende aus Asien sollen künftig verstärkt auf dem Airport landen, der bis zum Jahr 1993 vom US-Militär verwendet wurde.

Und es gibt noch weitere Deals: Im Frühjahr stieg die Shanghai Electric Group mit Anteilen von etwa 20 Prozent beim angeschlagenen Maschinenbauer Manz ein. Das 1987 gegründete Unternehmen aus Reutlingen (Baden-Württemberg) stellt Maschinen für die Solar- und Batterieindustrie her, dazu Displays für Tablet-PCs, Smartphones und Notebooks. Zuletzt schrieb Manz rote Zahlen und strich fast jede zehnte Stelle.

Der Spezialmaschinenbauer Krauss Maffai aus München ging für 925 Millionen Euro an ChemChina, den größten Chemiekonzern Chinas. Das ist bislang die größte Summe, die aus China für ein deutsches Unternehmen bezahlt wurde.

Interesse an Fußballclubs

In Italien interessieren sich die Chinesen für Fußballklubs. Inter Mailand wurde Anfang Juni an die Chinesen verkauft, AC Milan soll in Kürze den Besitzer wechseln. Der schwer herzkranke Milan-Besitzer, Exregierungschef Silvio Berlusconi, hat das Mandat zum Verkauf erteilt.

Laut einer jüngst veröffentlichten Studie der Beratungsgesellschaft KPMG sind die beiden Mailänder Vereine gemeinsam nicht einmal so viel wert wie der Turiner Rivale Juventus FC (Juve), dessen Unternehmenswert auf 983 Millionen Euro geschätzt wird. Juve wurde zum fünften Mal in Serie auch in dieser Saison italienischer Fußballmeister, die beiden Mailänder Clubs fielen auch bei den Nationalmeisterschaften auf Rang vier (Inter) und sieben zurück.

Das sportliche Desaster einerseits, die wirtschaftliche Misere andererseits, haben dazu geführt, dass die beiden Mailänder Fußballvereine zum Verkauf stehen. Bei dem vom ehemaligen Regierungschef Silvio Berlusconi mehrheitlich kontrollierten AC Milan dauern die Verkaufsverhandlungen bereits seit über einem Jahr an. Nun soll neuerdings mit chinesischen Finanzinvestoren verhandelt werden, deren Namen nicht genannt wird. Das nächste Treffen findet zur Wochenmitte statt. Medien munkeln über einen Ausverkauf, Fans hoffen auf einen baldigen Abschluss. (Birgit Baumann Thesy Kness-Bastaoli, 13.6.2016)

  • Kanzlerin Angela Merkel ist zum neunten Mal in China. Sie fordert von Premier Li Keqiang Rechtssicherheit für deutsche Firmen.
    foto: apa/afp/wang zhao

    Kanzlerin Angela Merkel ist zum neunten Mal in China. Sie fordert von Premier Li Keqiang Rechtssicherheit für deutsche Firmen.

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