Crowdfunding: Was wurde aus Schwimm-Handy und Laserrasierer?

20. Juni 2016, 17:45
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Beide Projekte sind offiziell noch in Arbeit, aber deutlich hinter der geplanten Veröffentlichung

Vergangenes Jahr machten zwei Crowdfunding-Projekte auf eine ganz eigene Art von sich reden: ein schwimmendes Smartphone namens Comet Core und der per Laser funktionierende Rasierer Skarp.

Beide Kampagnen teilen sich ein ähnliches Schicksal: Sie mussten beim Geldsammeln von Kickstarter auf Indiegogo ausweichen und stießen aufgrund ihrer Versprechungen auf viel Skepsis. Eine Bestandsaufnahme.

Comet Core, das schwimmende Smartphone

Im Juni 2015 lockten vollmundige Versprechungen genügend Leute an, um per Schwarmfinanzierung mehr als 100.000 Dollar zu lukrieren. Im Gegenzug für Beträge ab rund 300 Dollar wollte man ein Smartphone mit dem damals stärksten Qualcomm-Chip Snapdragon 810 liefern, dazu einen üppigen 4.000-mAh-Akku und allerlei Extras wie 16-MP-Kameras auf beiden Seiten, ein verschlüsselter Messenger sowie ein Sensor, der die Laune des Nutzers erkennen sollte.

Das große Alleinstellungsmerkmal des Handys namens Comet Core ist jedoch seine Wasserfestigkeit und Schwimmfähigkeit. Gezeigt wurde ein Konzept mit automatisch ausfahrenden Flossen, die dem Gerät Auftrieb verleihen sollten. Eine Idee, die von Kritikern schnell als Unsinn in physikalischer Hinsicht verworfen wurde.

Bei den Spezifikationen ist man bis heute vage geblieben. Der Akku ist dort mittlerweile auf 2.800 mAh geschrumpft. Fotos des Smartphones gab es bisher auch noch nicht zu sehen, dafür aber Ablichtungen der schwimmfähigen Hülle sowie Videos angeblicher "Prototypen", bei denen es sich allesamt um Handys anderer Hersteller in eben jener Hülle handeln dürfte.

foto: comet core/facebook
Matthias Mende auf Tauchgang mit einem angeblichen Prototyp des Comet Core.

Soll bald erscheinen

Wenig verwunderlich, dass der ursprünglich geplante Lieferstart – April 2016 – nicht eingehalten werden konnte. Auch die seither veröffentlichten Updates bei Indiegogo tragen nicht unbedingt zur Beruhigung bei. Vor zwei Monaten erklärte man, dass der dritte Prototyp von den Behörden erfolgreich zertifiziert worden sei, sich die Veröffentlichung aber "ein wenig" verschiebe.

Während man entgegen der eigenen Ankündigung weitere Vorbestellungen entgegennimmt, folgte vor einem Monat ein weiteres Update mit dem Versprechen, das Smartphone binnen 60 Tagen auszuliefern. Ab dem 61. Tag solle jeder Unterstützer auf Wunsch seinen Beitrag zurückerhalten können. Seitdem wurden keine Neuigkeiten zum Projekt mehr veröffentlicht.

Fragwürdiges Testvideo

Das letzte konkrete Lebenszeichen ist ein Video von Juni, das Comet-Geschäftsführer Matthias Mende dabei zeigt, wie er einen angeblichen Prototyp des Handys mit in den Pool nimmt. Dabei ist ab etwa 2:05 auch kurz zu sehen, wie das Smartphone offensichtlich ausfällt und dann auch nicht mehr mit eingeschaltetem Display zur Kamera gehalten wird.

Dass die Projektinitiatoren gemäß ihrer eigenen Ankündigung bis Mitte Juli ein wasserdichtes, schwimmendes Highend-Androidphone mit Laune-Erkennung liefern, ist nach derzeitigem Stand eher nicht anzunehmen. Auch wenn sie derzeit nach eigenen Angaben bereits Adressänderungen der Indiegogo-Vorbesteller prüfen.

Skarp, der Laserrasierer

Für einige hochgezogene Augenbrauen sorgte letzten Herbst auch Skarp. Hinter dem Namen steckt ein neuartiger Rasierer von einem Unternehmen gleichen Namens. Dieses schwört der bewährten Stahlklinge ab und will das Barttrimmen mithilfe eines Lasers revolutionieren. Genauer gesagt: Ein Glasfaser-artiger Faden soll mit gebündeltem Licht in geeigneter Frequenz durchflutet werden. Bei Kontakt mit einem Haar, so die Theorie, wird dieses praktisch "durchgeschmolzen", ohne dass die Haut in Mitleidenschaft gezogen wird.

Zu Beginn konnte das Konzept für einen großen Hype sorgen. Statt bei den angestrebten 160.000 Dollar lag man bald bei vier Millionen an zugesagten Investitionsgeldern – ehe Kickstarter nach immer lauter werdender Kritik die Kampagne wegen des Fehlens eines funktionsfähigen Prototyps abbrach. In der Tat gab es bis dahin nur ein Video, in dem das Prinzip des Laserrasierers eher schlecht als recht demonstriert wurde.

Doch bei Skarp gab man nicht auf und startete das Crowdfunding erneut. Und wie auch bei Comet Core sammelte man nun über Indiegogo Geld ein. Der Endbetrag fiel mit etwa 400.000 Dollar deutlich magerer aus, lag aber trotzdem deutlich über Plan.

foto: skarp technologies

Lange Funkpause, große Verzögerung

Ganz und gar nicht im Plan liegt man allerdings bei der Veröffentlichung, die mit vergangenem Februar und somit nur vier Monaten Zeit für die finale Entwicklung und Fertigung sehr ambitioniert angesetzt war. Folgt man den Aktualisierungen, so sorgte vor allem die Entwicklung eines geeigneten Materials für den "Laserfaden" für erhebliche Verzögerungen.

Dem jüngsten Update, das nach fast drei Monaten Funkpause veröffentlicht wurde, ist zu entnehmen, dass man nun in der "zweiten Runde" der Herstellung eines geeigneten Fadens sei. Dafür habe man zusätzlich einen erfahrenen Spezialisten aus dem Bereich der Optoelektronik als Vollzeitkraft ins Boot geholt.

Soll im Dezember erscheinen

Nun will man im kommenden Dezember fertig sein und ausliefern. Trotzdem lässt sich der Rasierer weiterhin vorbestellen. Einige Unterstützer zeigen ihren Unmut ob der Situation mittlerweile sehr deutlich auf der Facebook-Seite der Firma.

Die Perspektive ist auch hier keine besonders gute. Ausgestattet mit einem für ein Technologieprojekt niedrigen Crowdfunding-Budget ist man bei Skarp in den vergangenen Monaten kaum von der Stelle gekommen und hat durch mangelnde Kommunikation weiter Vertrauen eingebüßt. Dass kommende Weihnachten die ersten Laserrasierer der Welt unter den Weihnachtsbäumen liegen, erscheint unrealistisch. (gpi, 20.06.2016)

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