Island vs. Portugal: Die Nordmänner fordern Ronaldo

13. Juni 2016, 15:46
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Portugal startet am Dienstag nicht nur als Match-, sondern auch als Gruppenfavorit ins Turnier. Debütant Island fürchtet sich aber nicht. Er erinnert sich an die Niederlande

Saint-Étienne – Hafthór Björnsson war einmal ein Basketballer, dann stärkster Mann der Welt, jetzt ist er Schauspieler. So eine Art Arnold Schwarzenegger also, nur eben auf isländisch. Und dieser Hafthór Björnsson, ein Zweimeterkasten mit 200 Kilo Lebendgewicht, ließ Cristiano Ronaldo unlängst ausrichten: "Wenn du es wagst, ein Tor gegen meine Kollegen zu erzielen, werde ich deinen Kopf zerquetschen." Portugal wird am Dienstagabend in St. Etienne Island also nicht schlagen.

Wenn Ronaldo halbwegs bei Trost ist. Aber welcher Fußballer wäre das schon? Und weil also ein solches Bei-Trost-Sein auszuschließen ist, werden es die EM-Debütanten von der Nordatlantikinsel am Dienstag um 21 Uhr (Liveticker auf derStandard.at) ballesterisch probieren müssen. Das Ziel bleibt das gleiche, sagt der in der zweiten englischen Liga tätige Johann Berg Gudmundsson: "Wenn wir Cristiano Ronaldo stoppen können, haben wir eine Chance."

Nicht nervös

Eine Chance, die auch fest in der Erinnerung fußt. Als Gruppenzweiter hat man sich qualifiziert, erstmals überhaupt, und dabei die Niederländer zweimal besiegt. Lars Lagerbäck, dem schwedischen Vater dieses Wunderteams, darf man also durchaus glauben, wenn er sagt: "Wir sind nicht nervös, wenn wir bei der EM auf die großen Nationen treffen." Brauchen sie auch nicht. Sagt Fernando Santos, der Coach des Gegners. Denn: "Wären wir in einer Quali-Gruppe mit den Niederlanden gewesen, hätten sie dort als Favorit gegolten, nicht wir."

Taktische Motivation ist das, klar. Aber keineswegs an den Haaren herbeigezogen. Freilich: Favoriten sind schon die Portugiesen, nicht nur in dieser Partie. Portugal zählt, auch wenn es nie zu einem großen Titel gereicht hat, zu den traditionsreichsten Fußballnationen des Kontinents. Und auch aktuell zu den stärksten. In der Fifa-Weltrangliste belegen Ronaldo, Pepe und deren Kollegen immerhin Platz acht, zwei Ränge vor Gruppengegner Österreich. Island rangiert auf Platz 34.

Testspielergebnisse sollten nicht überbewertet werden. Unterbewertet allerdings auch nicht. Und die oft auch als launisch verrufenen Portugiesen haben sich zuletzt mit einem 7:0 gegen Estland ordentlich Laune gemacht. Besiktas-Stürmer Ricardo Quaresma trug dazu ebenso zwei Treffer bei wie Ronaldo.Der ist, sagen auch seine Mitspieler, nicht bloß ein Kicker. Teamkollege Cedric Soares von Southampton erklärt zurückhaltend: "Cristiano ist der beste Spieler der Welt, ein Vorbild durch und durch. Wenn er spricht, hören alle mit größter Aufmerksamkeit zu."

Und also sprach Ronaldo: "Es ist ein schwieriger Wettbewerb. Ich wünsche mir daher einen guten Start und, viel wichtiger, ein noch besseres Ende. Portugal wird große Dinge gewinnen." Der erste Schritt wäre nun am Dienstag. Der zweite am Samstag in Paris. Gegen Österreich. (sid, wei, 13.6. 2016)

  • Gylfi Sigurdsson (rechts) spielt bei Swansea, kennt also die Tricks und Feinheiten in der Premier League. Und er weiß also, dass der Trainingsronaldo nicht wirklich aussagekräftig ist.
    foto: afp/de melo moreira; andersen

    Gylfi Sigurdsson (rechts) spielt bei Swansea, kennt also die Tricks und Feinheiten in der Premier League. Und er weiß also, dass der Trainingsronaldo nicht wirklich aussagekräftig ist.

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