Die Kunst, das Hoamatle zu fürchten

13. Juni 2016, 15:22
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Die Szene Bunte Wähne bietet wieder frischen Tanz für die Jüngsten, Jungen und Junggebliebenen an. Zu genießen von 15. bis 25. Juni im Dschungel und im Brut

Wien – Bam Oida, die Szene Bunte Wähne bricht wieder aus! Das Tanzfestival mit dem mäßig geilen Namen zeigt, wie schwer es sein muss, ein Programm für Publikum ab 0,5 Jahren (Janina Soliman: Giraffen summen) bis 14 plus (Hungry Sharks: #fomo – the fear of missing out) zu zaubern. Eine Erleichterung gibt es allerdings.

Denn auch wenn jemand schon zwei Jahre alt ist, entscheiden noch immer die Eltern, ob er oder sie etwa bei Wie heiße ich? von Omar Meza aus Spanien dabei sein darf. Fürs belgische Drunter und drüber (3+) von Liegt Cuyvers und Ciska Vanhoyland entscheiden bereits Kindergärtner und -innen mit, und ab sechs Jahren, wenn die schöne Zeit der Klassenexkursionen in den Dschungel oder ins Brut beginnt, leiten auch Lehrpersonen den nach Kunst lechzenden Nachwuchs in labende Aufführungen.

Verrücktheiten

Wir sprechen also, hinter vorgehaltenen Händen, von einem Festival für Papas, Mamas, Omis, Opas, Lehrerinnen und Kindergärtner et cetera. Mit "Wähne" im Festivalnahmen sind übrigens Verrücktheiten gemeint. Klingt lustig, oder? Entsprechend bleibt fast alles ganz lieb zwischen dem 15. und 25. Juni.

Etwa wenn die Akram Khan Company junge Herzen ab acht in Chotto Desh höher hüpfen lässt: einer familienfreundlichen – japanisch chotto heißt klein – Adaption des Akram-Khan-Solos Desh (Sanskrit für: Land, Heimat): dos Hoamatle, würde ein Kärntnerherz singen.

Handy hat Pause

Sobald die Aufsichtspflichtigen sich für eine Aufführung entschieden haben, übernimmt der Nachwuchs die Zügel. Kinder und Jugendliche haben den Ruf, ein gnadenloses Publikum zu sein. Typischer Erwachsenenwahn: In Wirklichkeit duldet der junge Mensch aufopfernd, was auf ihn einprasselt, und niemand verschwendet seine Zeit großzügiger an Zuwendungsersatzstoffe wie Kinder.

Handy und Game haben in der bunten Szene Pause. Zum Beispiel, wenn in Jan Jakubals Lullaby – Augen zu die (Untertitel:) "Kunst, sich wieder zu fürchten" geübt wird. Dieses Wiederfürchten ab elf wird von E. T. A. Hoffmanns Sandmann hergeleitet. Mit dabei sind Adriana Cubides, Tänzerin bei Elisabeth Bakambamba Tambwe, und Leonie Wahl, bekannt von der Tanz Company Gervasi.

Außerdem kann man sich unter vielem anderen ab sechs in die Abenteuer von Murikamification – Meine Stadt steht Kopf stürzen, die von Haruki Murakamis surrealen Storys angeregt sind. Umgesetzt hat das der Holländer Erik Kaiel. (Helmut Ploebst, 13.6.2016)

  • Schleier-, Freuden- und Farbentänze bei "Farbenreich" mit der Tänzerin Maartje Pasman (Konzept: Mirjam Sögner). Für Kinder zwischen zwei und acht Jahren. Mittwoch und Donnerstag, jeweils zehn Uhr, Dschungel Wien.
    foto: ani antonova

    Schleier-, Freuden- und Farbentänze bei "Farbenreich" mit der Tänzerin Maartje Pasman (Konzept: Mirjam Sögner). Für Kinder zwischen zwei und acht Jahren. Mittwoch und Donnerstag, jeweils zehn Uhr, Dschungel Wien.


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