GPA dokumentiert Vertrauen in Pensionssystem

13. Juni 2016, 14:22
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Privatvorsorge ist kein Anliegen der Beschäftigten in der österreichischen Privatwirtschaft – sie haben Vertrauen in das Umlageverfahren. Die Höchstpension wird auf 3.500 Euro taxiert

Wien – Nur keine Reform! Das ist der Eindruck, den eine von der Gewerkschaft der Privatangestellten am Montag veröffentlichte Ifes-Umfrage vermittelt. Ein großer Teil vertraut dem Umlagesystem, mehr Privatvorsorge wird abgelehnt, so das Ergebnis der Ifes-Befragung, die Wolfgang Katzian, Vorsitzender der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp), am Montag präsentierte. Auf wenig Sympathie stößt bei den Befragten ein Systemumbau in Richtung mehr Privatvorsorge, 58 Prozent erachten dies für weniger wichtig.

71 Prozent vertrauen dem Umlagesystem mehr als einem kapitalgedeckten System. Allerdings ist dies bei den über 40-Jährigen deutlich stärker ausgeprägt (80 Prozent) als bei den Beschäftigten unter 29 Jahren (57 Prozent). Leichte Unterschiede zwischen Jung und Alt gibt es bei den Wünschen bezüglich Pensionshöhe, Nettoersatzrate und Antrittsalter.

Gewünschte Mindestpension: 1.419 Euro

So liegt die befürwortete Mindestpensionshöhe nach vollem Erwerbsleben im Mittel bei 1.419 Euro, bei unter 40-Jährigen bei 1.370 Euro, ab 40 bei 1.467. Bei der angemessenen Nettohöchstpension liegt der Mittelwert bei 3.509 Euro, hier ist der Erwartungsunterschied zwischen Männern (3.649 Euro) und Frauen (3.319 Euro) recht hoch. Beim Thema Nettoersatzrate (Mittelwert 75,1 Prozent) wünschen sich Frauen mehr als Männer, Ältere mehr als Jüngere und Menschen ohne Matura mehr als jene mit.

Katzian: "Nicht schlechtreden"

Katzian nutzte die Präsentation (Anlass war eine österreichweite Betriebsrätekonferenz unter dem Motto "Fakten statt Panikmache") für einen Appell an Finanzwirtschaft und Politik, das öffentliche Pensionssystem nicht schlechtzureden. Die Angriffe seien so alt wie das System selbst, die oft beschworenen Horrorszenarien seien allerdings nie eingetreten.

"Das öffentliche Pensionssystem ist zukunftsfit, vorausgesetzt die Wirtschaft wächst und ist mit einem hohen Maß an Beschäftigung verbunden", sagte Katzian. In der "Maschinensteuer"-Diskussion zeigte er sich auf einer Linie mit SPÖ-Chef Christian Kern, ohne diese oder den Kanzler direkt anzusprechen. "Durch die zunehmende Digitalisierung unserer Wirtschaft wird es auch notwendig sein, über eine neue Finanzierungsbasis für die Ausgaben der sozialen Sicherheit nachzudenken", ließ Katzian per Aussendung wissen. "Ich wünsche mir auch in dieser Frage eine stärker faktenbasierte Diskussion."

WKÖ will Mischform der Finanzierung

Eine faktenbasierte Diskussion wünscht sich auch die Wirtschaftskammer – legt aber andere Fakten zugrunde: Die WKÖ bekennt sich zwar zum umlagefinanzierten gesetzlichen Pensionssystem. Allerdings brauche es Reformen, betont Martin Gleitsmann, Leiter der sozialpolitischen Abteilung der WKÖ. Dies fordere man in Übereinstimmung mit zahlreichen heimischen Experten sowie der EU, der OECD und des IWF. Generell spiele in Österreich der Kapitalmarktaspekt im internationalen Vergleich eine untergeordnete Rolle. Folglich sei auch die Quote der zweiten (betrieblichen) und dritten (privaten) Pensionssäule am Alterseinkommen sehr niedrig. Angesichts demografischer Entwicklungen müsse aber rasch gehandelt werden, um Kindern und Enkelkindern ein leistungsfähiges System der Alterssicherung hinterlassen zu können, da die Pensionen einen immer größeren Anteil am Budget beanspruchten.

"Ein mischfinanziertes Pensionssystem wäre zweckmäßig, da nicht nur ein Haus, sondern auch die individuelle Altersvorsorge auf mehreren Beinen sicherer steht als auf lediglich einer Säule", sagt Gleitsmann. "Klar ist jedoch, dass die zweite und dritte Pensionssäulen lediglich eine sinnvolle Ergänzung der ersten, öffentlichen Pensionssäule sein können." Neben einer Koppelung des gesetzlichen Antrittsalters an die Lebenserwartung sowie einer rascheren Anhebung des Frauenpensionsalters gelte es insbesondere, Frühpensionen einzudämmen.

ÖGB betont stabile Kosten für Pensionen

Der ÖGB dagegen unterstützt die Sicht seiner Teilgewerkschaft GPA-djp: Die Fakten untermauerten die Mehrheitssicht, die bei der Umfrage zutage gekommen ist: "Das System ist auch weiterhin finanzierbar, wenn der politische Wille dazu vorhanden ist. Die bereits laufenden Pensionsreformen wirken deutlich stärker als erwartet. Das faktische Pensionsalter steigt, wir sind auf dem richtigen Weg. Die Kosten sind weitgehend stabil", sagt der leitende ÖGB-Sekretär Bernhard Achitz. Der Anteil der Ausgaben für öffentliche Pensionen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird auf Basis des geltenden Rechts von aktuell 13,9 auf 14,7 Prozent in der Zeit zwischen 2035 und 2045 steigen – und dann wieder sinken (2060: 14,4 Prozent). "Und das, obwohl der Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung massiv steigen wird", argumentiert Achitz. (APA/cs, 13.6.2016)

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