Thiem holt als erster Österreicher einen Rasentitel

13. Juni 2016, 12:29
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Frischgebackener Top-Ten-Spieler feiert Dreisatzerfolg gegen Deutschen Philipp Kohlschreiber im Finale von Stuttgart: "Absolut unwirklich"

Stuttgart – Dominic Thiem hat am Montag in Stuttgart seinen Sensationslauf fortgesetzt und Geschichte geschrieben: Er ist der erste Österreicher, der auf Rasen ein Turnier gewonnen hat. Der Weltranglisten-Siebente gewann die Fortsetzung des am Vortag wegen Regens abgebrochenen Finales gegen den Deutschen Philipp Kohlschreiber 6:7 (2), 6:4, 6:4.

Für den 22-Jährigen ist es der siebente ATP-Turniererfolg, heuer der bereits vierte. In Stuttgart hatte der Paris-Halbfinalist auf seinem bisher schwächsten Belag im Halbfinale sensationell die Institution auf Rasen, Roger Federer, besiegt. Gegen Kohlschreiber, die Nummer 25 der Welt, gelang ihm die Revanche für die Endspielniederlage vor wenigen Wochen in München auf Sand. Seine bisher bescheidende Rasenbilanz von 2:6 besserte er auf 6:6 aus.

Entscheidungssatz? Ein Fall für Thiem!

Die Fortsetzung des ersten Finalsatzes am TC Weissenhof missglückte Thiem, der im Tiebreak ab dem Wiederbeginn mit 2:3 keinen Punkt schaffte. Im zweiten Durchgang der auf einen Nebenplatz verlegten Partie gelang ihm aber gleich ein Break, das er bis zum 5:4 souverän hielt und den Durchgang schließlich mit einigen Problemen auch ausservierte.

Auch im dritten Satz startete der Lichtenwörther stark. Nach zunächst zwei vergebenen Chancen im ersten Aufschlagsspiel von Kohlschreiber holte er sich im nächsten das Break zum 3:1. In weiterer Folge blieb Thiem bei teilweise windigen Bedingungen bis auf einen abzuwehrenden Breakball beim Stand von 4:3 ziemlich souverän.

Das entscheidende Spiel brachte der Niederösterreicher gegen seinen zehn Jahre älteren Gegner schließlich nach 0:30-Rückstand und zwei Breakchancen für Kohlschreiber mit Mühe durch. Thiem verwertete nach insgesamt 2:11 Stunden Spielzeit den Matchball, womit er seine heuer beeindruckende Statistik in Entscheidungssätzen untermauerte. Von 20 hat er nur einen verloren.

Keine Fiktion

"Das ist mein speziellster Titel, ich bin ja fast mit der Erwartung hergekommen, hier in der ersten Runde zu verlieren. Dann das Halbfinale, das Finale und jetzt der Titel, das hätte ich nicht in meinen kühnsten Träumen erwartet", meinte Thiem bei der Siegerehrung. Der Niederösterreicher sprach von einem unwirklichen Moment, der ihn überglücklich mache. Als Lohn für den Stuttgart-Triumph erhält er einen Siegerscheck in Höhe von 107.900 Euro und einen Sportwagen des Turniersponsors Mercedes im Wert von rund 150.000 Euro.

Für Kohlschreiber gab es reichlich Respekt. "Es war wieder ein Riesenmatch wie in München", sagte Thiem und gratulierte den österreichischen Veranstaltern. "Das Turnier ist großartig, vielen Dank an die Leute, die auch am Montag um 10.30 Uhr hierhergekommen sind, das ist nicht selbstverständlich. Es ist eine absolut großartige Veranstaltung", so Thiem. "Das Einzige, das sich hier verbessern muss, ist das Wetter."

Sein Finalgegner sparte auch nicht mit Komplimenten. "Dominic ist ein verdienter Sieger. Ich muss das erst verdauen, verlieren tut keiner gern", erklärte der in Kitzbühel wohnhafte Kohlschreiber. Für beide Finalisten ging es sofort weiter zum nächsten Rasenevent nach Halle.

Entspannt

Als Grund für den unerwarteten Lauf auf Rasen bezeichnete Dominic Thiem sein unbeschwertes Auftreten. "Bei dem Turnier war ich so stark, weil ich einfach ohne Erwartungen hineingegangen bin. Ich bin mit null Erwartungen hergekommen, weil ich quasi keine Vorbereitungszeit auf Rasen gehabt habe", erläuterte Thiem.

Seine auch wegen der starken Besetzung gewählte Herangehensweise habe sich bezahlt gemacht. "Ich war bis auf das Finale in jedem Match sehr entspannt. Ich bin hergefahren und habe es als Spaß gesehen, ein bisschen als Entspannungswoche nach der anstrengenden Sandsaison, und dass es so aufgeht, hat keiner erwarten können. Dass ich am Ende als Sieger dastehe, ist absolut unwirklich."

Durch die Rasenerfolge rechnet er sich freilich auch für Wimbledon mehr aus. "Natürlich ist auch die Erwartungshaltung bei mir selber gestiegen", betonte Thiem. Davor wolle er aber auch in Halle (voraussichtlich ab Mittwoch) noch einmal gut spielen, bekräftigte der 22-Jährige. In einer darauffolgenden Trainingswoche möchte er für den Höhepunkt in London weiterhin an seiner Rasentechnik feilen.

Von Erschöpfung sei bei ihm trotz der vergangenen Marathonwochen keine Spur, versicherte der Youngster. "Rasen ist eine spezielle Belastung, es macht nicht so müde. Es gibt nicht so lange Rallys. Für das Herz-Kreislauf-System ist es nicht so anstrengend wie auf Sand."

Der bisheriger Saisonverlauf übertreffe seine kühnsten Erwartungen. "Es ist Mitte Juni – schon der vierte Titel, das ist natürlich unglaublich. So wie die Saison verläuft, das ist absolut traumhaft", sagte Thiem. Eine Fortsetzung in ähnlicher Art und Weise sei schwer zu realisieren.

Besonders im Fokus hat er die Heimturniere in Kitzbühel (Juli) und Wien (Oktober). "Es wäre ein absoluter Traum, dass ich in Kitzbühel gewinne, in meiner Heimat gewinne. Aber jeder Titel ist extrem schwer, man kann nichts voraussagen oder planen." (APA, red, 13.6.2016)

  • Thiem lässt sich auf den Stuttgarter Rasen fallen.
    foto: apa/dpa/murat

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  • Schneller Schlitten: Nicht übel als Goodie für einen Sieg bei einem 250er-Turnier.
    foto: apa/kienzle

    Schneller Schlitten: Nicht übel als Goodie für einen Sieg bei einem 250er-Turnier.

  • Männer, umarmt euch!
    foto: apa/murat

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