Pistorius: Gutachter fordert Behandlung statt Gefängnis

13. Juni 2016, 11:06
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Zum Auftakt der Verhandlung zur Festlegung des Strafausmaßes: Exsportler drohen nach tödlichen Schüssen auf Freundin mindestens 15 Jahre Haft

Pretoria – Der frühere Spitzensportler Oscar Pistorius sollte nach Ansicht eines Gutachters der Verteidigung zur psychologischen Behandlung in einem Krankenhaus untergebracht werden – und nicht erneut im Gefängnis. Bei der Verhandlung zur Festlegung eines neuen Strafmaßes sagte der Psychologe Jonathan Scholtz am Montag, der 29-jährige Südafrikaner sei mental "am Ende".

Pistorius droht wegen Mordes eine Haftstrafe von mindestens 15 Jahren. Das Gericht in Pretoria verhandelt erneut über das Strafmaß, nachdem Pistorius Ende 2015 in einem Berufungsprozess verurteilt worden war.

Pistorius kann nicht aussagen

Pistorius leide an Depressionen und könne daher nicht vor Gericht aussagen, sagte Scholtz. Staatsanwalt Gerrie Nel erwiderte, es sei doch erstaunlich, dass der Angeklagte einem Fernsehsender ein Interview zu dem Fall geben, aber nicht vor Gericht aussagen könne. Pistorius ist nicht verpflichtet, selbst auszusagen. Gutachter Scholtz führte aus, dass Pistorius Angstzustände habe und nach den tödlichen Schüssen auf seine Freundin im Februar 2013 an einem posttraumatischen Stresssyndrom leide. Er zeige auch paranoide Züge.

Scholtz ist der Leiter der klinischen Psychologie an der psychiatrischen Weskoppies-Klinik der Universität Pretoria. Der Gutachter hatte Pistorius' psychologischen Gesundheitszustand bereits 2014 für den Prozess in der ersten Instanz beurteilt, damals aber im Auftrag des Gerichts. Seither habe sich sein Zustand gravierend verschlechternd, sagte Scholtz. "Es scheint wirklich so, als hätte er schon aufgegeben. Er scheint mental am Ende zu sein", sagte Scholtz.

Neues Strafmaß bis Freitag

Das Gericht in Pretoria unter Vorsitz von Richterin Thokozile Masipa will spätestens am Freitag über ein neues Strafmaß für Pistorius befinden. Der unterhalb der Knie amputierte Pistorius hatte am Valentinstag 2013 seine Freundin Reeva Steenkamp – ein aufstrebendes Model – erschossen. Pistorius hatte ausgesagt, er habe mehrfach gefeuert, weil er hinter der Toilettentür in seinem Haus einen Einbrecher befürchtet habe.

Pistorius war in erster Instanz wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Die Strafe wurde nach einem Jahr in Hausarrest umgewandelt. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein und erzielte Ende 2015 in zweiter Instanz eine Verurteilung wegen Mordes. Darauf stehen im südafrikanischen Rechtssystem bei nicht einschlägig vorbestraften Tätern mindestens 15 und maximal 20 Jahre Haft.

Gutachter Scholtz betonte, Pistorius zeige wirkliche Reue für das, was passiert ist. Staatsanwalt Nel wies dies jedoch zurück mit dem Hinweis, dass Pistorius immer noch nicht schlüssig erklärt habe, wieso er mehrfach durch die Toilettentür geschossen habe. Pistorius zeige keine Reue, er tue sich nur selbst leid, sagte Nel.

Pistorius waren als Kind wegen eines Gengefekts beide Unterschenkel amputiert worden. Trotz seiner Behinderung legte er eine steile Sportkarriere hin. Pistorius startete 2012 mit J-förmigen Karbonprothesen als erster beinamputierter Sportler der Olympiageschichte bei den Olympischen Spielen. Er wurde Achter mit der Staffel über 4 x 400 Meter und kam als Einzelstarter bis ins 400-Meter-Halbfinale. Bei den Paralympics holte er Doppel-Gold. APA, 13.6.2016)

  • Oscar Pistorius kann nicht aussagen.
    foto: apa/afp/karel prinsloo

    Oscar Pistorius kann nicht aussagen.

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